Timor-Schildmantis, Rhombodera kirbyi
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Timor-Schildmantis, Rhombodera kirbyi
| Deutscher Name: | Timor-Schildmantis |
| Wissenschaftlich: | Rhombodera kirbyi |
| Synonyme: | Timor-Riesenschildmantis, Timor Island Shield Mantis, Timor Giant Shield Mantis |
| Herkunft: | Timor in Südostasien |
| Lebensweise: | Lauerjägerin in Zweigen und belaubter Vegetation |
| Aktivitätszeit: | Überwiegend tagaktiv, aufmerksam und jagdfreudig |
| Haltungsform: | Konsequente Einzelhaltung |
| Mindestgröße des Terrariums: | Adult mindestens etwa 20 × 20 × 30 cm, geräumiger empfohlen |
| Temperatur und Luftfeuchtigkeit: | Warm bei etwa 24–28 °C und 60–70 % Luftfeuchte |
| Beleuchtung: | Heller Tag-Nacht-Rhythmus ohne direkte Mittagssonne |
| Bodengrund und Einrichtung: | Kokoshumus, ungedüngte Erde oder saugfähige Hygieneeinlage |
| Futter: | Passend große lebende Fliegen, Schaben und Heuschrecken |
| Sozialverhalten: | Territorial und kannibalistisch, nicht zur Gruppenhaltung geeignet |
| Entwicklung: | Unvollständige Entwicklung: Ei, Nymphe und Adulttier ohne Puppenstadium |
| Maximale Größe: | Etwa 7–9 cm Körperlänge, Weibchen meist kräftiger |
| Lebenserwartung: | Unter Haltungsbedingungen häufig etwa 10–14 Monate ab Schlupf |
Herkunft und Lebensraum von Timor-Schildmantis (Rhombodera kirbyi)
Rhombodera kirbyi stammt nach den gesicherten taxonomischen und faunistischen Angaben von Timor, einer Insel im östlichen Teil des südostasiatischen Inselbogens. Der verbreitete englische Handelsname Timor Shield Mantis nimmt sowohl auf diese Herkunft als auch auf das auffällig verbreiterte Halsschild Bezug. Timor besitzt ein tropisch warmes Klima, das durch ausgeprägte Regen- und Trockenzeiten geprägt wird. Für die Terrarienhaltung lässt sich daraus jedoch kein dauerhaft nasses Waldklima ableiten: Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel aus Wärme, zeitweise erhöhter Luftfeuchte und stetigem Luftaustausch. Als typische Gottesanbeterin hält sich die Art bevorzugt erhöht an Zweigen, Blättern und anderen gut strukturierten Pflanzenteilen auf. Dort bleibt sie oft längere Zeit ruhig sitzen und reagiert blitzschnell auf vorbeikommende Beute. Ihre grüne bis bräunliche Grundfärbung fügt sich dabei gut in belaubte oder trockener wirkende Vegetation ein. Belastbare Detailangaben zu eng abgegrenzten Biotopen sind selten; deshalb sollte die Herkunft nicht ohne Nachweis auf weitere Inseln oder das gesamte südostasiatische Festland ausgedehnt werden.
Lebensweise und Verhalten
Die Timor-Schildmantis ist eine kräftige, visuell orientierte Lauerjägerin. Häufig sitzt sie ruhig an einem Ast oder unter einem Blatt, beobachtet ihre Umgebung mit beweglichem Kopf und schlägt bei geeigneter Beute sehr schnell mit den bedornten Fangbeinen zu. Sie nutzt vor allem die oberen und mittleren Bereiche des Terrariums. Vor einer Häutung nimmt die Aktivität meist deutlich ab; in dieser Zeit darf das Tier weder gestört noch von Futterinsekten bedrängt werden. Trotz ihres oft gelassenen Erscheinungsbildes kann die Art bei Störungen flink reagieren und besonders als adultes Männchen kurze Strecken fliegen.
Terrarium
Für ein ausgewachsenes Tier sollte das Terrarium mindestens ungefähr 20 × 20 × 30 cm messen. Da Bodengrund, Äste und Pflanzen den tatsächlich verfügbaren Häutungsraum verkleinern, ist für große Weibchen ein Format um 30 × 30 × 40 cm komfortabler. Wichtiger als reines Volumen ist eine nutzbare freie Höhe von mindestens der dreifachen Körperlänge. Die Decke muss sicheren Halt bieten, beispielsweise durch feinmaschige, fußfreundliche Gaze. Seiten- und Deckenlüftung sorgen für Querlüftung. Zwischen dem bevorzugten Sitzplatz und dem Boden beziehungsweise der Einrichtung muss genügend freier Raum für eine vollständige Häutung bleiben.
Bodengrund und Klettermöglichkeiten
Eine dünne bis wenige Zentimeter starke Schicht aus Kokoshumus oder ungedüngter, schadstofffreier Terrarienerde puffert Feuchtigkeit und wirkt natürlich. Für eine besonders kontrollierte Aufzucht kann auch saugfähiges Papier verwendet und regelmäßig gewechselt werden. Der Untergrund darf leicht feucht, aber niemals vernässt sein. Staunässe, Schimmel und dauerhaft beschlagene Scheiben weisen auf zu viel Wasser oder zu geringe Lüftung hin. Dünge- und Pflanzenschutzmittel, stark staubende Materialien sowie scharfkantige Dekoration gehören nicht in das Terrarium.
Bepflanzung und Einrichtung
Stabile, gut verzweigte Pflanzen und sicher befestigte Äste schaffen erhöhte Ansitzplätze. Breitblättrige Pflanzen passen besonders gut zum Verhalten und zur Gestalt der Schildmantis. Die Einrichtung sollte an den Seiten Deckung bieten, ohne den zentralen Häutungsraum unter der Decke zu versperren. Alle Pflanzen müssen frei von Pflanzenschutzmitteln sein. Äste dürfen nicht wackeln, da sie sowohl als Jagdplatz als auch zur Ablage von Ootheken genutzt werden können. Eine kontrollierbare Bepflanzung ist einer sehr dichten, schwer einsehbaren Gestaltung vorzuziehen.
Klima und Beleuchtung
Bewährt hat sich tagsüber ein warmer Bereich von etwa 24–28 °C. Nachts darf die Temperatur um einige Grad auf ungefähr 20–24 °C sinken. Eine relative Luftfeuchte um 60–70 % bietet einen brauchbaren Orientierungswert; sie darf nach feinem Sprühen vorübergehend ansteigen, sollte durch gute Querlüftung aber wieder absinken. Leichtes Besprühen von Blättern und Gaze stellt Trinktropfen bereit. Das Tier selbst wird nicht direkt angesprüht. Dauerhaft nasse Oberflächen sind ebenso ungünstig wie sehr trockene Häutungsbedingungen. Wärmequellen müssen thermostatisch geregelt und so angebracht werden, dass kein direkter Kontakt möglich ist.
Fütterung und Wasserversorgung
Gefüttert werden lebende, abwechslungsreiche Futterinsekten, deren Größe zur jeweiligen Entwicklungsstufe passt. Kleine Nymphen nehmen Fruchtfliegen und andere entsprechend kleine Fluginsekten an; größere Tiere bewältigen Schmeißfliegen, passende Schaben und kleinere Heuschrecken. Bewegte Flugbeute löst den Jagdreiz besonders zuverlässig aus. Futtertiere sollten aus kontrollierter Zucht stammen und hochwertig ernährt sein. Die Futtermenge richtet sich nach Entwicklungsstufe, Temperatur und Füllung des Hinterleibs statt nach einem starren Zeitplan. Nicht erbeutete Futtertiere werden spätestens vor einer Häutung entfernt, da sie das wehrlose Tier stören oder verletzen können. Wirbeltiere sind weder erforderlich noch als Futter zu empfehlen.
Einzel- oder Gruppenhaltung
Rhombodera kirbyi wird einzeln gehalten. Nymphen können bereits früh Artgenossen erbeuten, und mit zunehmender Größe steigt das Risiko schwerer Verletzungen oder Kannibalismus. Auch gut gefütterte Tiere sind nicht dauerhaft miteinander verträglich. Eine Vergesellschaftung mit anderen Wirbellosen ist ebenfalls ungeeignet, da kleinere Tiere als Beute enden und größere das empfindliche Häutungsgeschehen stören können. Sichtkontakt zu benachbarten Mantiden sollte reduziert werden, wenn er zu Unruhe, Drohen oder ständigem Fluchtverhalten führt.
Geschlechtsunterschiede
Weibchen werden gewöhnlich breiter, schwerer und besitzen einen besonders kräftigen Hinterleib sowie ein markantes Halsschild. Männchen bleiben schlanker, wirken langbeiniger und sind als adulte Tiere meist flugfreudiger. Ab mittleren Nymphenstadien kann die Zahl der von unten sichtbaren Hinterleibssegmente zur Bestimmung dienen: Weibchen zeigen typischerweise sechs, Männchen acht deutlich erkennbare Sternite. Bei sehr jungen Nymphen ist diese Methode fehleranfällig und sollte mit einer vergrößerten, scharfen Ansicht kontrolliert werden.
Fortpflanzung und Eiablage
Die Zucht erfordert Erfahrung und ständige Aufsicht, weil das Weibchen das Männchen als Beute behandeln kann. Beide Tiere werden getrennt konditioniert und vor dem Zusammensetzen angemessen gefüttert. Das Männchen sollte jederzeit ausweichen können; ein geräumiges, gut strukturiertes Netzterrarium erleichtert die kontrollierte Paarung. Nach erfolgreicher Begattung befestigt das Weibchen schaumartig aufgebaute Ootheken an stabilen Ästen oder anderen Flächen. Bei warmer, gut belüfteter Inkubation werden in Halterberichten Schlupfzeiten von ungefähr fünf bis sieben Wochen genannt. Die Zahl der Nymphen kann groß sein. Jungtiere sollten nach dem Aushärten zeitnah einzeln gesetzt werden, sobald Jagdverhalten und Kannibalismus einsetzen.
Entwicklung, Häutung und Metamorphose
Die Art durchläuft eine unvollständige Entwicklung, fachlich Hemimetabolie genannt. Aus der Oothek schlüpfen Nymphen, die den erwachsenen Tieren bereits ähneln, aber kleiner und noch nicht geschlechtsreif sind. Es gibt weder Larve noch Puppe, wie sie für eine vollständige Metamorphose etwa bei Käfern oder Schmetterlingen typisch wären. Mit jeder Häutung wachsen Körper und Flügelanlagen, bis nach der letzten Häutung das geflügelte Adulttier erscheint. Während jeder Häutung hängt die Mantide kopfüber und ist besonders verletzlich. Ausreichende Höhe, sicherer Halt, passende Feuchtigkeit und absolute Ruhe sind dann entscheidend.
Endgröße und Lebenserwartung
Ausgewachsene Tiere erreichen nach übereinstimmenden Haltungsangaben ungefähr 7–9 cm Körperlänge. Weibchen liegen häufig am oberen Ende dieser Spanne und erscheinen durch das breite Halsschild und den kräftigen Hinterleib deutlich massiger. Männchen sind meist schlanker und können etwas kleiner bleiben. Endgröße und Proportionen hängen unter anderem von Geschlecht, Temperatur, Ernährung und Entwicklungsverlauf ab.
Abwehrverhalten und Sicherheit
Bei Bedrohung kann sich die Timor-Schildmantis aufrichten, die Fangbeine präsentieren und durch ruckartige Bewegungen größer wirken. Wird sie bedrängt, kann sie mit den bedornten Fangbeinen zugreifen oder beißen. Sie besitzt weder einen Giftstachel noch Spinnorgane. Ruhiges Arbeiten ohne Festhalten ist daher für Tier und Halter am sichersten. Erwachsene Männchen können unvermittelt auffliegen; Türen und Fenster sollten beim Umsetzen geschlossen sein.
Nice-to-Know
Das namensgebende „Schild“ ist keine separate Panzerplatte, sondern das auffällig verbreiterte Pronotum, also ein Teil des ersten Brustsegments. Die Färbung kann zwischen verschiedenen Grün-, Braun- und helleren Tönen variieren; eine bestimmte Farbe lässt sich nicht zuverlässig zusagen. Die großen Facettenaugen und der sehr bewegliche Kopf ermöglichen es der Mantide, Beute aufmerksam zu verfolgen. Ihre ruhigen Ansitzphasen wechseln dabei eindrucksvoll mit äußerst schnellen Fangbewegungen.
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