Geistermantis, Phyllocrania paradoxa
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Geistermantis, Phyllocrania paradoxa
| Deutscher Name: | Geistermantis |
| Wissenschaftlich: | Phyllocrania paradoxa |
| Synonyme: | Geister-Gottesanbeterin, Ghost Mantis |
| Herkunft: | Afrika südlich der Sahara |
| Lebensweise: | Blattimitierender Lauerjäger in Sträuchern und Gehölzen |
| Aktivitätszeit: | Überwiegend dämmerungs- und tagaktiv, oft lange reglos |
| Haltungsform: | Bevorzugt einzeln in einem hohen, gut belüfteten Terrarium |
| Mindestgröße des Terrariums: | Für ein Einzeltier etwa 20 × 20 × 30 cm |
| Temperatur und Luftfeuchtigkeit: | Tagsüber etwa 23–28 °C, nachts 18–22 °C; rund 50–70 % Luftfeuchte |
| Beleuchtung: | Heller Tag-Nacht-Rhythmus; keine spezielle UV-Beleuchtung erforderlich |
| Bodengrund und Einrichtung: | Dünne, saugfähige und schimmelfrei gehaltene Bodenschicht |
| Futter: | Lebende, passend große Fluginsekten und andere geeignete Futterinsekten |
| Sozialverhalten: | Vergleichsweise ruhig, dennoch kann Kannibalismus auftreten |
| Entwicklung: | Unvollständige Metamorphose: Ei in der Oothek, Nymphe, Adulttier; keine Puppe |
| Maximale Größe: | Männchen etwa 4,5–5,5 cm, Weibchen etwa 5–6 cm |
| Lebenserwartung: | Häufig etwa 8–15 Monate, Weibchen meist länger als Männchen |
Herkunft und Lebensraum von Geistermantis (Phyllocrania paradoxa)
Phyllocrania paradoxa stammt aus Afrika und ist auf dem Festland großräumig verbreitet. Nachweise liegen aus westlichen, zentralen, östlichen und südlichen Regionen vor, darunter Angola, Kamerun, die Demokratische Republik Kongo, Ghana, Guinea, Äthiopien, Uganda, Tansania, Mosambik, Namibia, Simbabwe und Südafrika. Die Art ist damit nicht auf ein einziges eng umrissenes Herkunftsgebiet beschränkt. Sie bewohnt vor allem strukturreiche Vegetation, in der trockene Blätter, dünne Zweige und wechselnde Lichtverhältnisse ihre außergewöhnliche Tarnung unterstützen. Waldränder, lichte Gehölze, Buschland und savannenartige Lebensräume bieten passende Jagd- und Ruheplätze. Dort sitzt die Geistermantis häufig erhöht im Geäst und verschmilzt optisch mit welkem Pflanzenmaterial. Ihre braunen, beigefarbenen, grauen oder gelegentlich grünen Farbtöne sowie die blattartigen Körperfortsätze machen sie zwischen Laub und Zweigen schwer erkennbar. Angaben zu Vorkommen auf afrikanischen Inseln, besonders Madagaskar, werden in Haltungsbeschreibungen häufig wiederholt. Da innerhalb der Gattung ähnlich aussehende Arten geführt werden und ältere Fundmeldungen nicht immer eindeutig zuzuordnen sind, sollten solche Inselangaben vorsichtig bewertet werden. Für die Terrarienhaltung lässt sich aus der weiten Festlandsverbreitung vor allem ableiten, dass gute Belüftung, mäßige Feuchtigkeit und deutlich trocknende Phasen wichtiger sind als ein dauerhaft tropisch-nasses Milieu.
Lebensweise und Verhalten
Die Geistermantis ist ein ruhiger Ansitzjäger. Sie wartet meist reglos an einem Zweig, bis ein geeignetes Beutetier in Reichweite gelangt, und greift dann blitzschnell mit ihren bedornten Fangbeinen zu. Durch die blattartigen Erweiterungen an Körper und Beinen sowie den auffälligen Kopffortsatz ähnelt sie einem vertrockneten Blatt. Langsames Schaukeln verstärkt den Eindruck eines vom Wind bewegten Pflanzenteils. Für ihre natürliche Verhaltensweise benötigt sie vor allem senkrechte und schräge Sitzplätze, freie Sicht auf vorbeifliegende Beute und möglichst wenig Störung.
Terrarium
Für ein einzelnes adultes Tier ist ein Terrarium von ungefähr 20 × 20 × 30 cm eine praxistaugliche Orientierung. Wichtiger als das reine Volumen ist ausreichend freie Höhe: Unter jedem bevorzugten Häutungsplatz sollten mindestens zwei bis drei Körperlängen unverstellter Raum bleiben. Der Deckel muss sicheren Halt bieten, beispielsweise durch feinmaschige Gaze. Seitliche oder gegenüberliegende Lüftungsflächen fördern den Luftaustausch. Türen und Lüftungsöffnungen müssen so fein schließen, dass weder die Mantide noch kleine Futterfliegen entweichen können.
Bodengrund und Klettermöglichkeiten
Eine dünne Schicht aus ungedüngter Erde, Kokoshumus oder einem vergleichbaren saugfähigen Terrariensubstrat reicht aus. Auch austauschbares Küchenpapier kann bei einer besonders kontrollierten, hygienischen Aufzucht sinnvoll sein. Der Boden darf nach leichtem Sprühen Feuchtigkeit aufnehmen, sollte anschließend aber wieder deutlich abtrocknen. Dauerhaft nasses Substrat begünstigt Schimmel, Milben und stehende Luft. Trockenes Laub kann die naturnahe Optik ergänzen, muss jedoch sauber und frei von Pflanzenschutzmitteln sein.
Bepflanzung und Einrichtung
Feine Äste, trockene Zweige, Korkstücke und robuste Pflanzen schaffen gut erreichbare Sitz- und Lauerplätze. Besonders wichtig ist eine griffige Struktur direkt unter dem Deckel, weil sich die Mantide zur Häutung kopfüber aufhängt. Dekoration darf den freien Häutungsraum nicht versperren. Lebende Pflanzen sind möglich, aber nicht zwingend erforderlich. Sehr dichte Bepflanzung erschwert die Futterkontrolle und kann verhindern, dass das Tier eine sichere Häutungsposition findet.
Klima und Beleuchtung
Bewährt hat sich tagsüber ein Bereich von etwa 23–28 °C mit einer leichten nächtlichen Absenkung auf ungefähr 18–22 °C. Kurzzeitige Abweichungen werden häufig vertragen, dauerhaft kühle oder überhitzte Haltung sollte jedoch vermieden werden. Die relative Luftfeuchtigkeit kann ungefähr zwischen 50 und 70 % liegen. Entscheidend ist kein starrer Messwert, sondern der Wechsel aus leichtem Sprühen und anschließendem Abtrocknen bei stetigem Luftaustausch. Einzelne Tropfen an Wand oder Einrichtung dienen der Wasseraufnahme. Ein dauerhaft nasses, schlecht belüftetes Terrarium ist ungeeignet. Falls zusätzliche Wärme nötig ist, sollte sie thermostatisch geregelt und so angebracht werden, dass keine gefährlich heiße Kontaktfläche entsteht.
Fütterung und Wasserversorgung
Gefüttert werden ausschließlich lebende, passend große Futterinsekten. Kleine Nymphen nehmen vor allem Fruchtfliegen an; mit zunehmender Größe eignen sich Stubenfliegen, Goldfliegen, Schmeißfliegen, kleine Motten und andere gut kontrollierbare Fluginsekten. Geeignete kleine Schaben oder Heuschrecken können ergänzend angeboten werden, werden aber nicht von jedem Tier ebenso bereitwillig erbeutet. Die Beute sollte höchstens ungefähr der Körperlänge der Mantide entsprechen und aus gesunder, gut ernährter Zucht stammen. Mehrmals wöchentlich wird nach Körperzustand und Jagdverhalten gefüttert. Adulte Männchen fressen oft deutlich zurückhaltender. Nicht gefressene Tiere sind vor einer Häutung zu entfernen, damit sie die wehrlose Mantide nicht stören oder verletzen.
Einzel- oder Gruppenhaltung
Phyllocrania paradoxa gilt im Vergleich zu vielen anderen Mantiden als weniger aggressiv und wird deshalb gelegentlich in Gruppen gepflegt. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie zuverlässig sozial verträglich ist. Kannibalismus bleibt möglich, besonders bei Größenunterschieden, Futtermangel, während einer Häutung oder zwischen adulten Weibchen und Männchen. Für eine kontrollierbare Haltung ist die Einzelunterbringung die sicherste Empfehlung. Eine zeitweise Gruppenhaltung erfordert viel Platz, zahlreiche Sichtbarrieren, gleich große Tiere und eine sehr aufmerksame Fütterung; auch dann besteht keine Garantie gegen Verluste.
Geschlechtsunterschiede
Weibchen werden meist etwas größer und wirken deutlich breiter sowie kräftiger. Ihr Hinterleib ist kompakter, die Flügel bleiben im Verhältnis kürzer und die Fühler sind eher fein. Adulte Männchen sind schlanker, besitzen längere Fühler und längere, häufig über den Hinterleib hinausragende Flügel; sie können gut fliegen. Auch die Form des kronenartigen Kopffortsatzes unterscheidet sich mit zunehmender Entwicklung. Zur sichereren Bestimmung bei Nymphen wird zusätzlich die Unterseite des Hinterleibs betrachtet: Weibchen zeigen sechs deutlich erkennbare Sternite, Männchen acht. Bei sehr jungen Tieren ist eine zuverlässige Geschlechtsbestimmung schwierig.
Fortpflanzung und Eiablage
Zur Verpaarung sollten beide Tiere nach der Imaginalhäutung ausreichend ausgereift und das Weibchen gut genährt sein. Das Zusammentreffen erfolgt unter Aufsicht in einer geräumigen, strukturierten Behausung, damit das Männchen ausweichen kann. Trotz des eher ruhigen Wesens ist Paarungskannibalismus möglich. Nach erfolgreicher Begattung befestigt das Weibchen längliche Ootheken an Zweigen oder anderen festen Flächen. Unbegattete Weibchen können ebenfalls unbefruchtete Ootheken ablegen. Bei warmen, gut belüfteten Bedingungen schlüpfen die Nymphen häufig nach ungefähr vier bis acht Wochen; Temperatur und Feuchte können die Dauer beeinflussen. Die Oothek darf weder austrocknen noch dauerhaft nass stehen. Frisch geschlüpfte Nymphen benötigen sehr kleine Futtertiere, meist Fruchtfliegen, sowie besonders sorgfältig bemessene Lüftungsöffnungen.
Entwicklung, Häutung und Metamorphose
Die Geistermantis entwickelt sich mit einer unvollständigen Metamorphose. Aus der Oothek schlüpfen Nymphen, die bereits wie verkleinerte, flügellose Adulttiere aussehen. Ein Larven- oder Puppenstadium wie bei Käfern und Schmetterlingen gibt es nicht. Zwischen den einzelnen Nymphenstadien wächst das Tier durch Häutungen. Häufig durchlaufen Männchen etwa sechs und Weibchen etwa sieben Häutungen nach dem Schlupf, wobei Zählweise und individuelle Entwicklung zu abweichenden Angaben führen können. Während der Häutung hängt die Mantide kopfüber und zieht sich aus ihrer alten Körperhülle. In dieser Phase darf sie weder umgesetzt noch gefüttert oder besprüht werden. Erst nach vollständiger Aushärtung wird wieder Nahrung angeboten.
Endgröße und Lebenserwartung
Adulte Männchen erreichen meist ungefähr 4,5–5,5 cm Körperlänge, Weibchen etwa 5–6 cm. Einzelne Haltungsangaben nennen etwas größere Weibchen bis ungefähr 6,5 cm. Solche Unterschiede können durch Messweise, Geschlecht und Zuchtlinie entstehen. Der schlanke Körperbau eines Männchens lässt es trotz ähnlicher Länge deutlich kleiner erscheinen als ein kräftiges Weibchen.
Abwehrverhalten und Sicherheit
Die wichtigste Verteidigung ist die überzeugende Blattmimikry. Bei Störung verharrt die Mantide häufig reglos, legt ihre Beine eng an oder wiegt sich langsam wie ein Blatt im Luftzug. Wird sie weiter bedrängt, kann sie flüchten; adulte Männchen nutzen dabei auch ihre Flugfähigkeit. Die Fangbeine dienen dem Beutefang und können bei grober Handhabung zur Abwehr eingesetzt werden. Das Tier sollte daher nicht unnötig angefasst, sondern auf einem Zweig oder direkt im Terrarium umgesetzt werden.
Nice-to-Know
Geistermantiden können braun, beige, grau, fast schwarz oder grünlich erscheinen. Ein Farbwechsel erfolgt nicht spontan, sondern wird erst im Zusammenhang mit Häutungen sichtbar. Feuchtigkeit, Licht, Umgebung und genetische Veranlagung können die Ausprägung mitbestimmen; die Farbe ist deshalb weder ein verlässliches Geschlechtsmerkmal noch ein sicherer Hinweis auf die Herkunft. Besonders charakteristisch sind der kronenartige Kopffortsatz, die unregelmäßige Körperkontur und das ruhige Schaukeln. Diese Kombination macht Phyllocrania paradoxa zu einer hervorragend getarnten Beobachtungsart.
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