Schwarzblaue Ruineneidechse, Podarcis siculus paulae
282,99 €*
Lieferung in 2-5 Tagen
Schwarzblaue Ruineneidechse, Podarcis siculus paulae
| Deutscher Name: | Schwarzblaue Ruineneidechse |
| Wissenschaftlich: | Podarcis siculus paulae |
| Synonyme: | Santo-Janni-Ruineneidechse, Blaubäuchige Ruineneidechse, Drache von Santo Janni |
| Herkunft: | Insel Santo Janni bei Maratea, Basilikata, Süditalien |
| Lebensweise: | Bodenbewohnende und felsgebundene Eidechse mit ausgeprägter Kletterfreude |
| Aktivitätszeit: | Tagaktiv, flink und sonnenliebend |
| Haltungsform: | Trockenes, sehr helles Fels- oder Steppenterrarium |
| Mindestgröße des Geheges: | Für ein Paar mindestens etwa 100 × 50 × 60 cm, größer ist empfehlenswert |
| Temperaturzonen: | Tagsüber 24–30 °C, Sonnenplatz 35–40 °C, kühlere Zone 20–24 °C, nachts 16–22 °C |
| Luftfeuchtigkeit: | Überwiegend mäßig trocken, etwa 40–60 %, mit lokal leicht feuchtem Rückzugsplatz |
| UV und Beleuchtung: | Helle Tageslichtbeleuchtung, hochwertige UVB-Versorgung und Wärmestrahler |
| Bodengrund: | Grabfähiges Sand-Lehm-Gemisch mit mindestens 8–12 cm Tiefe und vielen Steinen |
| Futter: | Abwechslungsreiche, passend große Futterinsekten und andere Wirbellose |
| Sozialverhalten: | Territorial; einzeln oder als harmonierendes Paar in gut gegliedertem Terrarium |
| Maximale Größe: | Kopf-Rumpf-Länge bis etwa 7,1 cm; mit vollständigem Schwanz ungefähr 18–22 cm |
| Lebenserwartung: | Oft etwa 6–10 Jahre, bei guter Pflege möglicherweise länger |
| Schutzstatus und Nachweise: | Streng geschützt; legaler Herkunftsnachweis und behördliche Meldung sind in Deutschland erforderlich |
Herkunft, Lebensraum und Verhalten von Schwarzblaue Ruineneidechse (Podarcis siculus paulae)
Podarcis siculus paulae stammt von der kleinen Felseninsel Santo Janni im Tyrrhenischen Meer, wenige Kilometer südlich von Maratea in der süditalienischen Region Basilikata. Diese räumlich äußerst eng begrenzte Herkunft macht die Unterart zu einer ausgesprochenen Inselform. Ihr natürlicher Lebensraum besteht vor allem aus sonnenexponierten Felsen, Spalten, Geröll und nur spärlich bewachsenen Bereichen. Die Tiere nutzen erhitzte Steine zum Aufwärmen, ziehen sich bei großer Hitze oder Gefahr jedoch blitzschnell in schmale Klüfte zurück. Das maritime Mittelmeerklima bringt helle, warme Sommer und vergleichsweise milde, feuchtere Winter mit sich. Die charakteristische bräunlich bis dunkle Oberseite und die bläulichen Partien, besonders an Bauch und Flanken, unterscheiden diese Form optisch von vielen gewöhnlich gefärbten Ruineneidechsen. Wissenschaftlich wurde sie ursprünglich als Lacerta sicula paulae beschrieben. Heute wird Podarcis siculus paulae als akzeptierter Name geführt. Die Systematik der zahlreichen insularen Ruineneidechsenformen gilt allerdings weiterhin als revisionsbedürftig. Für die Terrarienhaltung kommen ausschließlich Tiere aus legaler, lückenlos dokumentierter Nachzucht infrage; eine Entnahme aus dem winzigen natürlichen Vorkommen ist weder verantwortbar noch zulässig.
Das richtige Gehege
Für die boden- und felsbewohnende Ruineneidechse eignet sich ein breites, gut belüftetes Trockenterrarium mit großer nutzbarer Grundfläche. Für ein Paar sollten ungefähr 100 × 50 × 60 cm nicht unterschritten werden; zusätzliche Fläche erleichtert die Einrichtung mehrerer Sonnen-, Futter- und Rückzugsbereiche. Obwohl die Tiere dem terrestrischen Haltungstyp zugeordnet werden, klettern sie geschickt auf Felsen, Wurzeln und niedrigen Ästen. Die Höhe muss deshalb vollständig strukturiert und gegen Abstürze abgesichert sein. Ein einzelnes Männchen lässt sich meist ruhiger halten als mehrere männliche Tiere. Bei Paarhaltung sind Sichtbarrieren und getrennte Verstecke unverzichtbar. Türen, Lüftungsflächen und Kabeldurchführungen müssen absolut ausbruchsicher sein, da bereits sehr kleine Spalten zur Flucht genutzt werden.
Einrichtung, Bodengrund und Bepflanzung
Der Aufbau sollte eine trockene, mediterrane Felslandschaft nachbilden. Ein mindestens 8–12 cm tiefes, grabfähiges Gemisch aus Sand und lehmiger Erde ermöglicht natürliches Scharren und bietet geeignete Mikrobereiche. Fest aufeinanderliegende Steinplatten, Korkstücke und stabile Wurzeln schaffen Sonnenplätze sowie zahlreiche enge Spalten. Schwere Aufbauten müssen direkt auf dem Terrarienboden stehen und dürfen nicht untergraben werden können. Robuste, ungiftige Pflanzen oder trockene Grasbüschel sorgen für Deckung, ohne die offene Sonnenfläche zu beschatten. Eine kleine, flache Wasserschale gehört trotz des trockenen Grundcharakters zur Ausstattung. Ein geschütztes Versteck darf im Inneren leicht feucht gehalten werden, damit die Tiere bei Häutung oder erhöhtem Wasserbedarf wählen können. Dauerhaft nasser Boden und stehende, feuchte Luft sind zu vermeiden.
UV, Beleuchtung und Wärme
Diese sonnenliebende Eidechse benötigt eine ausgesprochen helle Beleuchtung. Eine leistungsfähige Tageslichtquelle sollte den größten Teil des Terrariums ausleuchten; zusätzlich ist eine für tagaktive Echsen geeignete UVB-Röhre oder UVB-Metalldampflampe erforderlich. Der Abstand zum Sonnenplatz richtet sich nach Lampentyp, Reflektor, Schutzgitter und Herstellerangabe. Glas und viele engmaschige Abdeckungen können den wirksamen UVB-Anteil deutlich verringern. Ein separater Wärmestrahler erzeugt einen gut kontrollierbaren Sonnenplatz. Im Sommer sind etwa 12–14 Stunden Beleuchtung sinnvoll, im Frühjahr und Herbst wird die Tageslänge schrittweise angepasst. UVB-Leuchtmittel müssen regelmäßig entsprechend ihrer tatsächlichen Nutzungsdauer erneuert werden.
Klima, Wasser und Luftfeuchtigkeit
Tagsüber sollte ein deutliches Temperaturgefälle entstehen: Die allgemeine Lufttemperatur kann etwa 24–30 °C betragen, während auf einer gut erreichbaren Steinfläche lokal 35–40 °C angeboten werden. Im kühleren Terrarienbereich sind ungefähr 20–24 °C wichtig, damit die Tiere ihre Körpertemperatur selbst regulieren können. Die bevorzugte Körpertemperatur der Art liegt Untersuchungen zufolge ungefähr zwischen 28 und 32 °C; ein gleichmäßig aufgeheiztes Becken wäre daher ungeeignet. Nachts darf die Temperatur auf etwa 16–22 °C sinken. Die Luftfeuchtigkeit liegt überwiegend im mäßig trockenen Bereich von etwa 40–60 %, darf nachts kurzzeitig ansteigen und sollte mit guter Lüftung verbunden sein. Ein lokales Feuchtversteck ist zweckmäßiger als großflächiges Besprühen. Temperaturen werden an mehreren Stellen mit zuverlässigen Messgeräten kontrolliert.
Fütterung und Mineralversorgung
Schwarzblaue Ruineneidechsen jagen aufmerksam kleine, bewegliche Wirbellose. Geeignet sind unter anderem Heimchen, kleine Grillen, Schaben, Fliegen, Wachsmottenlarven in sparsamer Menge und weitere abwechslungsreiche Futterinsekten aus kontrollierter Zucht. Die Beute darf nicht breiter als der Kopf des Tieres sein. Erwachsene Tiere erhalten gewöhnlich mehrere kleine Mahlzeiten pro Woche, Jungtiere entsprechend häufiger. Futtertiere sollten hochwertig ernährt und regelmäßig mit einem geeigneten Calciumpräparat bestäubt werden. Ein ausgewogenes Vitaminpräparat wird zurückhaltend nach Herstellerangabe eingesetzt, wobei die vorhandene UVB-Versorgung berücksichtigt werden muss. Einzelne Populationen der Ruineneidechse nehmen auch pflanzliches Material auf; bei dieser Unterart sollte es jedoch nicht als Ersatz für eine vielseitige Insektenfütterung dienen. Frisches Trinkwasser steht jederzeit bereit.
Sozialverhalten
Ruineneidechsen sind lebhaft, aufmerksam und gegenüber Artgenossen nicht automatisch friedlich. Besonders adulte Männchen verteidigen bevorzugte Sonnenplätze und können Rivalen energisch verfolgen. Mehrere Männchen gehören daher nicht gemeinsam in ein gewöhnliches Terrarium. Einzelhaltung ist möglich und häufig die übersichtlichste Lösung. Ein Paar kann in einem geräumigen, dicht gegliederten Becken funktionieren, muss aber sorgfältig beobachtet werden. Permanentes Jagen, Futterverweigerung, Gewichtsverlust oder das dauerhafte Verstecken eines Tieres sind deutliche Trennungsgründe. Eine Gruppenhaltung mit einem Männchen und mehreren Weibchen setzt erheblich mehr Platz, Erfahrung und viele getrennte Ressourcen voraus. Eine Vergesellschaftung mit anderen Arten ist wegen Konkurrenz, Stress, möglicher Hybridisierung und unterschiedlicher Ansprüche nicht zu empfehlen.
Geschlechtsunterschiede
Adulte Männchen werden meist kräftiger, besitzen einen breiteren Kopf und zeigen deutlichere Femoralporen an den Unterseiten der Hinterbeine. Ihre Färbung kann kontrastreicher und der Blauanteil intensiver ausfallen. Weibchen wirken häufig zierlicher und zurückhaltender gezeichnet. Farbe und Körperbau allein erlauben bei jungen oder wenig ausgefärbten Tieren jedoch keine zuverlässige Geschlechtsbestimmung. Im Zweifel sollte die Zuordnung durch eine erfahrene, reptilienkundige Person erfolgen.
Fortpflanzung und Inkubation
Nach einer fachgerecht durchgeführten kühlen Winterphase beginnt im Frühjahr die Fortpflanzungszeit. Das Männchen wirbt aktiv und kann das Weibchen dabei stark bedrängen, weshalb viele Verstecke und eine genaue Beobachtung wichtig sind. Weibchen der Art können während einer Saison mehrere Gelege in feuchten, lockeren Boden absetzen. Angaben zu Anzahl und Größe der Gelege schwanken zwischen Populationen; belastbare Werte speziell für Podarcis siculus paulae sind nur begrenzt verfügbar. Geeignete Eiablageplätze müssen grabfähig, geschützt und leicht feucht sein. Die Eier werden vorsichtig in geeignetes Brutsubstrat überführt, ohne ihre Lage zu verändern. Inkubationstemperatur und Feuchte beeinflussen Entwicklungsdauer und Schlupferfolg erheblich. Nachzuchten sind getrennt von adulten Tieren aufzuziehen und benötigen sofort eine passende UVB-, Calcium- und Kleinstfutterversorgung.
Winterruhe oder saisonale Ruhe
Eine kühle Winterphase entspricht dem jahreszeitlichen Rhythmus der Art und ist besonders für eine naturnahe Haltung und Zucht bedeutsam. Beleuchtungsdauer, Wärme und Futtermenge werden im Herbst über mehrere Wochen langsam reduziert. Nur gesunde, ausreichend genährte und möglichst reptilienkundig untersuchte Tiere dürfen eingewintert werden. Für diese süditalienische Inselform ist eine vergleichsweise milde Ruhephase von ungefähr 10–15 °C über etwa acht bis zwölf Wochen plausibel; wegen begrenzter unterartspezifischer Haltungsdaten sollte der genaue Ablauf mit einem erfahrenen Halter oder reptilienkundigen Tierarzt abgestimmt werden. Wasser muss erreichbar bleiben, und Gewicht sowie Zustand sind störungsarm zu kontrollieren. Im Frühjahr werden Licht und Temperatur ebenso schrittweise erhöht. Eine abrupte Abkühlung oder unkontrollierte Überwinterung im Freien ist ungeeignet.
Endgröße und Lebenserwartung
Die Erstbeschreibung nennt für Podarcis siculus paulae eine maximale Kopf-Rumpf-Länge von etwa 71 mm. Mit einem vollständigen, langen Schwanz ergibt sich ungefähr eine Gesamtlänge von 18–22 cm. Abweichungen sind möglich, und regenerierte Schwänze verändern die gemessene Gesamtlänge deutlich. Die Unterart bleibt damit kleiner als einige andere besonders großwüchsige Inselformen der Ruineneidechse.
Schutzstatus und rechtliche Hinweise
Podarcis siculus wird unter der älteren Schreibweise Podarcis sicula in Anhang IV der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geführt und unterliegt strengem Schutz. In Deutschland sind Haltung sowie Zu- und Abgänge grundsätzlich der zuständigen Artenschutzbehörde zu melden. Für jedes Tier ist ein lückenloser, plausibler Herkunftsnachweis aufzubewahren. Vor dem Erwerb sollten die aktuell am Wohnort geltenden Melde-, Kennzeichnungs- und Nachweisvorgaben direkt mit der zuständigen Behörde geklärt werden. Tiere ohne nachvollziehbare legale Herkunft dürfen nicht übernommen werden. Für diese extrem kleinräumig verbreitete Unterart sind ausschließlich dokumentierte Nachzuchten vertretbar.
Risiken und sicherer Umgang
Die Tiere sind ungiftig, reagieren auf Fangversuche jedoch häufig mit panischer Flucht und können ihren Schwanz abwerfen. Anheben am Schwanz ist deshalb unbedingt zu vermeiden. Für Pflegearbeiten empfiehlt sich ein verschließbarer Vorraum oder eine ausreichend große Fangbox, da Ruineneidechsen sehr schnell sind und kleinste Öffnungen nutzen. Häufiges Anfassen verursacht Stress; Beobachtung steht bei dieser Art klar vor direktem Kontakt. Nach Arbeiten im Terrarium und nach Kontakt mit Tier oder Einrichtung sollten die Hände gründlich gewaschen werden. Neuzugänge werden zunächst getrennt gehalten und reptilienkundig auf Parasiten und allgemeine Gesundheit untersucht.
Nice-to-Know
Die dunkle, bläulich schimmernde Erscheinung ist keine künstliche Zuchtfarbe, sondern kennzeichnet eine natürliche Inselform. Besonders reizvoll ist das wechselnde Verhalten im Tagesverlauf: Nach dem morgendlichen Aufwärmen werden die Tiere ausgesprochen flink, durchsuchen Felsspalten nach Beute und beobachten ihre Umgebung von erhöhten Steinen aus. Ein gut eingerichtetes Terrarium bietet deshalb nicht nur Verstecke, sondern auch freie Laufwege und mehrere unterschiedlich warme Aussichtspunkte. Der italienische Beiname „Drago di Santo Janni“ bedeutet sinngemäß „Drache von Santo Janni“.
Anmelden
Fragen zum Artikel
Noch keine Fragen vorhanden.
Eigene Frage stellen
Die Antwort erscheint in der Regel etwa 30 Minuten nach Ihrer Frage.
Ähnliche Artikel
Häufige Fragen (FAQ)