Schwarzaugen-Bogenfingergecko, Cyrtodactylus nigriocularis
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Schwarzaugen-Bogenfingergecko, Cyrtodactylus nigriocularis
| Deutscher Name: | Schwarzaugen-Bogenfingergecko |
| Wissenschaftlich: | Cyrtodactylus nigriocularis |
| Synonyme: | Schwarzäugiger Bogenfingergecko, Schwarzaugen-Höhlengecko, Black-eyed Bent-toed Gecko |
| Herkunft: | Ba-Den-Berg, Provinz Tay Ninh, Südvietnam |
| Lebensweise: | Nachtaktiver, stark felsgebundener Höhlengecko |
| Aktivitätszeit: | Nach Sonnenuntergang aktiv; tagsüber in Felsspalten verborgen |
| Haltungsform: | Vorzugsweise einzeln in einem hohen, gut belüfteten Felsenterrarium |
| Mindestgröße des Geheges: | Für ein adultes Tier ab etwa 80 × 50 × 80 cm, größer empfehlenswert |
| Temperaturzonen: | Vorsichtiger Ausgangsbereich: etwa 21–26 °C, nachts 20–23 °C |
| Luftfeuchtigkeit: | Mehrheitlich 65–85 %, nachts zeitweise höher; keine dauerhafte Staunässe |
| UV und Beleuchtung: | Gedämpfter Tag-Nacht-Rhythmus; schwaches UVB optional und stets mit Schattenzonen |
| Bodengrund: | 8–12 cm strukturstabiler Waldbodenmix mit Drainage und Laubauflage |
| Futter: | Abwechslungsreiche, passend große Futterinsekten und andere sichere Wirbellose |
| Sozialverhalten: | Kaum erforscht; Einzelhaltung ist die vorsichtigste Empfehlung |
| Maximale Größe: | Kopf-Rumpf-Länge bis rund 11,2 cm; Gesamtlänge meist etwa 20–24 cm |
| Lebenserwartung: | Für diese Art nicht verlässlich dokumentiert |
| Schutzstatus und Nachweise: | IUCN-Kategorie CR; Stand September 2026 nicht in den CITES-Anhängen geführt |
Herkunft, Lebensraum und Verhalten von Schwarzaugen-Bogenfingergecko (Cyrtodactylus nigriocularis)
Cyrtodactylus nigriocularis ist ein außergewöhnlich kleinräumig verbreiteter Gecko aus dem Süden Vietnams. Gesicherte Nachweise stammen vom Ba-Den-Berg in der Provinz Tay Ninh, insbesondere aus wenigen kleinen Granithöhlen im Ma-Thien-Lanh-Tal. Damit gehört die Art zu den lokalen Endemiten, deren bekanntes natürliches Areal auf einen winzigen Landschaftsausschnitt begrenzt ist. Ihr Lebensraum besteht nicht aus offenem Tropenwald, sondern aus einem eng verzahnten Mosaik aus Granitfelsen, tiefen Spalten, Höhlenräumen, Bächen, Sträuchern und mittelgroßen Laubbäumen. Die Tiere werden nach Einbruch der Dunkelheit an Felsen und in Höhlennähe aktiv, während sie den Tag geschützt in dunklen Rückzugsorten verbringen. Am Fundort herrscht ein tropisches Monsunklima mit ausgeprägter Regen- und Trockenzeit. Im Inneren der Höhlen bleiben die Bedingungen jedoch schattiger, feuchter und gleichmäßiger als im heißen Umland. Straßenbau, touristische Erschließung, Veränderungen an den Höhlen und illegales Sammeln gelten als ernste Gefahren. Entsprechend wichtig ist eine zweifelsfrei legale und lückenlos nachvollziehbare Herkunft jedes gehaltenen Tieres.
Das richtige Gehege
Für diesen großen, kletterfähigen Bogenfingergecko eignet sich ein hochformatiges Terrarium mit reichlich nutzbarer Felsfläche. Für ein adultes Einzeltier ist eine Grundfläche von etwa 80 × 50 cm bei mindestens 80 cm Höhe ein sinnvoller Ausgangspunkt; zusätzliche Höhe und Tiefe verbessern die Strukturierung deutlich. Mehrere voneinander getrennte Höhlen, enge Spalten und überhängende Bereiche müssen auf unterschiedlichen Ebenen erreichbar sein. Da belastbare Erkenntnisse zum Sozialverhalten fehlen, ist die Einzelhaltung fachlich am sichersten. Eine Vergesellschaftung mit anderen Arten ist nicht zu empfehlen. Türen, Kabeldurchführungen und Lüftungsöffnungen müssen absolut ausbruchsicher sein.
Einrichtung, Bodengrund und Bepflanzung
Der Aufbau sollte eine zerklüftete Granithöhle nachbilden, ohne lose oder einsturzgefährdete Steine zu verwenden. Fest verklebte Felsmodule, raue Korkröhren, stabile Äste und schmale Spalten schaffen Kletterwege und Sichtschutz. Rückwand und Seitenflächen sollten aktiv nutzbar sein. Unter einer mindestens 8–12 cm starken Bodenschicht ist eine Drainage sinnvoll. Geeignet ist ein lockerer, strukturstabiler Mix aus ungedüngter Erde, Sand, Lehmanteilen, Rindenstücken und Laub. Ein kleiner Bereich darf dauerhaft leicht feucht bleiben, während andere Zonen oberflächlich abtrocknen. Ein großes Wasserbecken ist nicht erforderlich; eine flache, täglich gereinigte Wasserschale und regelmäßiges Besprühen stellen Wasser bereit. Trotz hoher Feuchtigkeit braucht das Terrarium eine kräftige, zugfreie Querlüftung.
UV, Beleuchtung und Wärme
Als nachtaktive Höhlenart benötigt der Gecko keine grelle Beleuchtung und keinen intensiv bestrahlten Sonnenplatz. Eine zurückhaltende Tagesbeleuchtung mit etwa zehn bis zwölf Stunden Licht erhält den Tag-Nacht-Rhythmus und unterstützt eine mögliche Bepflanzung. Zahlreiche dunkle Spalten müssen jederzeit verfügbar bleiben. Ein schwaches UVB-Angebot kann über einem begrenzten, gut abschattbaren Bereich eingesetzt werden; artspezifisch gesicherte Bedarfswerte fehlen jedoch. Die Tiere dürfen dem Licht nicht zwangsweise ausgesetzt sein. UVB ersetzt weder eine ausgewogene Mineralstoffversorgung noch die kontrollierte Ergänzung der Futtertiere.
Klima, Wasser und Luftfeuchtigkeit
Direkte Messreihen zu geeigneten Terrarienwerten liegen für diese selten gehaltene Art nicht vor. Aus dem schattigen, feuchten Granithöhlen-Lebensraum lässt sich vorsichtig ein eher gleichmäßiges Klima ohne starke Überhitzung ableiten. Als beobachtungsbedürftiger Ausgangsbereich eignen sich ungefähr 21–24 °C in kühleren Zonen und bis etwa 26 °C in einem leicht erwärmten Bereich. Nachts kann die Temperatur auf 20–23 °C sinken. Dauerhafte Werte über 28 °C sollten vermieden werden. Die relative Luftfeuchtigkeit darf tagsüber zwischen etwa 65 und 80 % schwanken und nach dem abendlichen Sprühen auf 80–90 % ansteigen. Oberflächen sollen anschließend teilweise abtrocknen. Thermometer und Hygrometer auf mehreren Ebenen sind unverzichtbar, da die Werte wegen fehlender artspezifischer Haltungsstudien besonders aufmerksam angepasst werden müssen.
Fütterung und Mineralversorgung
Untersuchungen am natürlichen Standort zeigen ein breites Beutespektrum aus Wirbellosen. Besonders häufig wurden Spinnen und Weberknechte nachgewiesen; daneben gehören unter anderem Schaben, Heuschrecken, Tausendfüßer-Verwandte, Landschnecken, Asseln, Termiten und verschiedene Insektenlarven zur natürlichen Nahrung. Im Terrarium sollte die Fütterung auf sicheren, gezüchteten Futtertieren beruhen, beispielsweise Heimchen, Grillen, kleine Schaben, Heuschreckennymphen und geeignete Larven. Wild gefangene Spinnen, Hundertfüßer oder Schnecken bergen Verletzungs-, Schadstoff- und Parasitenrisiken und sind ungeeignet. Die Beutetiere werden abwechslungsreich ernährt und passend mit Calcium sowie bedarfsgerecht mit Vitaminen ergänzt. Kleine Portionen am Abend entsprechen der Aktivitätszeit besser als große, seltene Fütterungen. Nicht gefressene Futtertiere sind zeitnah zu entfernen.
Sozialverhalten
Über innerartliche Begegnungen und mögliche Revierbildung ist nur wenig bekannt. Bogenfingergeckos können gegenüber Artgenossen unverträglich reagieren, ohne dass Auseinandersetzungen sofort auffallen. Verdrängte Tiere verlieren häufig zuerst den Zugang zu bevorzugten Höhlen oder Futterplätzen. Deshalb ist die Einzelhaltung die verlässlichste Lösung. Eine zeitweilige Zusammenführung zur Zucht gehört ausschließlich in erfahrene Hände und erfordert ein sofort verfügbares Ausweichterrarium. Andere Reptilien oder Amphibien sollten nicht mit dieser spezialisierten und bedrohten Art vergesellschaftet werden.
Geschlechtsunterschiede
Bei adulten Männchen sind deutlich angeschwollene Hemipenistaschen an der Schwanzwurzel erkennbar, während dieser Bereich bei Weibchen flacher bleibt. In aktuellen Feldmessungen waren die Geschlechter hinsichtlich der Kopf-Rumpf-Länge sehr ähnlich. Eine Geschlechtsbestimmung bei jüngeren Tieren kann unsicher sein und sollte nicht durch grobes Manipulieren oder häufiges Einfangen erzwungen werden.
Fortpflanzung und Inkubation
Gesichert ist, dass Cyrtodactylus nigriocularis Eier legt. Belastbare veröffentlichte Angaben zu Paarungszeit, Gelegegröße, Inkubationstemperatur oder Entwicklungsdauer unter Terrarienbedingungen fehlen. Entsprechende Werte verwandter Arten dürfen nicht ungeprüft übertragen werden. Ein Zuchtvorhaben erfordert dokumentierte Elterntiere, kontrollierte Klimadaten, getrennte Unterbringungsmöglichkeiten und eine sorgfältige Abstimmung mit artenschutzkundigen Fachleuten. Wegen des äußerst kleinen natürlichen Bestands besitzt eine nachvollziehbare, seriös geführte Nachzucht besondere Bedeutung.
Winterruhe oder saisonale Ruhe
Eine klassische Winterruhe ist aus dem tropischen Verbreitungsgebiet nicht bekannt. Der natürliche Standort weist jedoch eine Regenzeit von ungefähr Mai bis November und eine trockenere Phase von Dezember bis April auf. Im Terrarium kann dieser Rhythmus behutsam über Sprühhäufigkeit und leicht veränderte Tageslängen angedeutet werden. Eine starke Abkühlung oder ausgeprägte Trockenruhe ist mangels artspezifischer Belege nicht angezeigt. Auch in einer trockeneren Phase müssen feuchte Höhlen und Trinkwasser ständig verfügbar bleiben.
Endgröße und Lebenserwartung
Aktuelle Feldmessungen ergaben bei adulten Männchen Kopf-Rumpf-Längen von etwa 8,0–11,2 cm und bei Weibchen ungefähr 8,3–11,1 cm. Der Schwanz ist länger als die Kopf-Rumpf-Strecke, sodass unverletzte adulte Tiere meist eine Gesamtlänge von rund 20–24 cm erreichen können. Die genaue Gesamtlänge schwankt durch individuelle Unterschiede und mögliche frühere Schwanzverluste. Damit zählt die Art zu den größeren Vertretern ihrer Gattung.
Schutzstatus und rechtliche Hinweise
Cyrtodactylus nigriocularis wird international als vom Aussterben bedroht eingestuft. In den aktuell geprüften CITES-Anhängen ist die Art mit Stand September 2026 nicht aufgeführt; auch eine Nennung in der deutschen Bundesartenschutzverordnung wurde nicht festgestellt. Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, dass Tiere ohne Nachweise gehandelt oder eingeführt werden dürfen. Exportbestimmungen des Herkunftslandes, Einfuhrrecht, Tierseuchenrecht und örtliche Haltungsvorgaben bleiben zu beachten. Aufgrund des winzigen Verbreitungsgebiets und der dokumentierten Gefahr illegaler Entnahmen sollten ausschließlich nachweislich legale Nachzuchten mit vollständigem Herkunftsnachweis erworben werden. Vor Kauf oder Zucht ist eine aktuelle Prüfung bei den zuständigen Behörden ratsam.
Risiken und sicherer Umgang
Die Art gilt nicht als gefährlich, kann sich bei Bedrängung aber durch Beißen verteidigen und den Schwanz abwerfen. Sie ist ein Beobachtungstier und sollte nur angefasst werden, wenn Pflege oder tierärztliche Versorgung es erfordern. Ruhiges Arbeiten, sichere Felsaufbauten und das Vermeiden von Fangversuchen am Schwanz schützen das Tier. Wie bei allen Reptilien sind nach Kontakt mit Tier, Kot, Wasser oder Einrichtung die Hände gründlich zu reinigen.
Nice-to-Know
Der Artname nigriocularis bezieht sich auf die auffallend dunklen Augen. Bei der nächtlichen Jagd verfolgt der Gecko seine Beute nicht ständig, sondern wartet häufig reglos an einer günstigen Stelle. Eine Untersuchung wies 22 verschiedene Beutekategorien nach und verdeutlicht, wie abwechslungsreich die Ernährung in den Granithöhlen ist. Gleichzeitig ist die Art trotz ihrer beachtlichen Größe nur aus wenigen kleinen Höhlen bekannt.
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