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Pazifikboa, Candoia paulsoni

Bodennahe Boa

Nutzt tiefe Verstecke, Bodengrund und stabile niedrige Äste.

Feucht mit Gefälle

60–80 % Luftfeuchte, dabei stets trockene Rückzugsplätze.

Dämmerungsaktiv

Ruhige Beobachtung gelingt besonders am Abend und nachts.

Weibchen größer

Geschlechter unterscheiden sich deutlich in der Endgröße.

Pazifikboa, Candoia paulsoni


Auf einen Blick: Pazifikboa, Candoia paulsoni
Deutscher Name:Pazifikboa
Wissenschaftlich:Candoia paulsoni
Synonyme:Pazifik-Bodenboa, Salomonen-Bodenboa, Salomonen-Grundboa
Herkunft:Indonesien, Papua-Neuguinea und Salomonen
Lebensweise:Überwiegend bodenbewohnend, nutzt aber auch niedrige Äste
Aktivitätszeit:Dämmerungs- und nachtaktiv
Haltungsform:Einzelhaltung empfohlen
Mindestgröße des Geheges:Körperlängenbezogen; bei 150 cm Gesamtlänge etwa 150 × 75 × 110 cm, größer empfohlen
Temperaturzonen:Tagsüber 25–28 °C, lokal 29–30 °C, kühlere Zone 23–25 °C; nachts 21–24 °C
Luftfeuchtigkeit:Meist 60–80 %, nach dem Sprühen kurzzeitig höher
UV und Beleuchtung:Klarer Tag-Nacht-Rhythmus; schwaches UVB mit Schattenplätzen sinnvoll
Bodengrund:Feuchtigkeitsspeichernder, lockerer Bodengrund mit trockeneren Bereichen
Futter:Passend große Frostfutter-Nager; Futterfestigkeit vor dem Erwerb klären
Sozialverhalten:Ruhiger Lauerjäger, Artgenossen gegenüber nicht gesellig
Maximale Größe:Männchen meist um 90 cm, Weibchen häufig 120–150 cm; abweichende Größen möglich
Lebenserwartung:Artspezifisch nicht zuverlässig dokumentiert; langfristige Haltung einplanen
Schutzstatus und Nachweise:CITES-Anhang II und EU-Anhang B; Herkunftsnachweis und behördliche Meldepflicht beachten
Im Detail: Pazifikboa, Candoia paulsoni

Herkunft, Lebensraum und Verhalten von Pazifikboa (Candoia paulsoni)

Die Pazifikboa besitzt ein weiträumiges, inselartig gegliedertes Verbreitungsgebiet im westlichen Pazifik. Nachgewiesen ist sie in Indonesien, unter anderem auf Halmahera und im Talaud-Archipel, in Teilen Papua-Neuguineas sowie auf zahlreichen Inseln der Salomonen. Da innerhalb der Art mehrere geografisch getrennte Unterarten geführt werden, lässt sich ein Tier ohne gesicherte Herkunftsangabe nicht automatisch einer bestimmten Inselpopulation zuordnen. Besiedelt werden vor allem warme Tieflagen mit trockeneren Grasflächen, locker bewaldeten Bereichen, Waldrändern und landwirtschaftlich geprägten Landschaften. Beobachtungen liegen auch aus Kaffee-, Ananas- und Ölpalmenpflanzungen vor. Trotz des Namens Bodenboa bewegt sich die Art nicht ausschließlich am Boden: Sie nutzt niedrige Sträucher, Wurzeln und stabile Äste, bleibt dabei jedoch deutlich bodennäher als ausgesprochene Baumbewohner. Tagsüber hält sie sich gern verborgen unter Laub, in dichtem Bewuchs, zwischen Wurzeln oder in geschützten Hohlräumen auf. Mit Einbruch der Dämmerung wird sie aktiver und wartet häufig aus einer gedeckten Position auf Beute. Das Klima ihres Verbreitungsgebiets ist warm, weist aber je nach Insel, Jahreszeit und Standort deutliche Unterschiede bei Niederschlag und Luftfeuchtigkeit auf. Im Terrarium ist deshalb ein feuchtwarmes, gut belüftetes Mikroklima mit trockeneren Rückzugsbereichen passender als dauerhaft nasser Bodengrund.

Das richtige Gehege

Für die überwiegend bodenbewohnende Pazifikboa eignet sich ein geräumiges, ausbruchssicheres Terrarium mit großer nutzbarer Grundfläche. Die Maße sollten an die tatsächliche Gesamtlänge des Tieres angepasst werden. Bei einem etwa 150 cm langen Weibchen ist eine Anlage von ungefähr 150 × 75 × 110 cm als körperlängenbezogene Orientierung anzusehen; mehr Grundfläche bietet zusätzliche Bewegungs- und Strukturierungsmöglichkeiten. Die Höhe darf trotz der bodennahen Lebensweise nicht ungenutzt bleiben, denn kräftige, niedrig bis mittelhoch angebrachte Äste werden durchaus angenommen. Mehrere enge Verstecke sollten sowohl im wärmeren als auch im kühleren Bereich vorhanden sein. Eine ausreichend große und standfeste Wasserschale muss das Trinken und bei Bedarf ein vollständiges Einrollen ermöglichen. Ein fest eingebauter Wasserteil ist dagegen nicht erforderlich. Wegen möglicher Konkurrenz, Stressreaktionen und Berichten über Kannibalismus bei Jungtieren ist die kontrollierte Einzelhaltung die sicherste Wahl.

Einrichtung, Bodengrund und Bepflanzung

Der Aufbau darf dicht und deckungsreich wirken: Korkröhren, flache Rindenstücke, Wurzelholz, Laub und robuste Pflanzen schaffen geschützte Laufwege. Eine Bodentiefe von etwa 10–15 cm ermöglicht der Schlange, sich teilweise einzugraben oder unter der oberen Schicht zurückzuziehen. Geeignet ist beispielsweise eine lockere Mischung aus ungedüngter Erde, Kokoshumus, Laub und grober Rinde. Einzelne Bereiche dürfen leicht feucht bleiben, während andere oberflächlich abtrocknen. Staunässe, muffiger Boden und dauerhaft nasse Verstecke sind zu vermeiden. Eine gute Querlüftung unterstützt den Luftaustausch, ohne das Terrarium vollständig auszutrocknen. Alle Äste und schweren Einrichtungsstücke müssen so befestigt sein, dass sie weder kippen noch untergraben werden können. Türen, Kabeldurchführungen und Lüftungsflächen sind sorgfältig gegen Ausbruch zu sichern.

UV, Beleuchtung und Wärme

Als dämmerungs- und nachtaktive Schlange benötigt die Pazifikboa einen verlässlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Eine Beleuchtungsdauer von ungefähr zwölf Stunden kann als Ausgangspunkt dienen und im Jahresverlauf moderat angepasst werden. Helles, flächiges Licht sollte stets durch bepflanzte oder abgedunkelte Rückzugszonen ergänzt werden. Eine schwache UVB-Beleuchtung kann angeboten werden, sofern die Abstände des Herstellers eingehalten werden und die Schlange jederzeit vollständig in den Schatten wechseln kann. Intensive UVB-Strahler sind für den bodennahen Lebensraum nicht passend. Wärmequellen müssen thermostatisch geregelt und durch einen Schutzkorb so gesichert sein, dass kein direkter Kontakt möglich ist. Beleuchtung und Heizung sollten nachts ausgeschaltet werden; falls zusätzliche Nachtwärme erforderlich ist, erfolgt sie ohne sichtbares Licht.

Klima, Wasser und Luftfeuchtigkeit

Tagsüber bewährt sich ein abgestuftes Temperaturangebot: Der überwiegende Aufenthaltsbereich kann etwa 25–28 °C erreichen, während ein begrenzter Wärmeplatz bei rund 29–30 °C liegt. Eine kühlere Zone von ungefähr 23–25 °C erlaubt selbstständige Thermoregulation. Nachts darf die Temperatur auf etwa 21–24 °C sinken. Dauerhaft sehr hohe Temperaturen und ein überall gleich warmes Terrarium nehmen der Schlange wichtige Wahlmöglichkeiten. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte überwiegend zwischen 60 und 80 % liegen. Nach dem Sprühen darf sie kurzzeitig höher ausfallen, anschließend müssen Oberflächen wieder abtrocknen können. Entscheidend sind mehrere Mikroklimate: ein leicht feuchter Rückzugsort für die Häutung, gut belüftete Verstecke und mindestens ein trockenerer Ruheplatz. Temperatur und Luftfeuchtigkeit sollten an mehreren Stellen mit zuverlässigen Messgeräten kontrolliert werden.

Fütterung und Mineralversorgung

Pazifikboas sind Lauerjäger mit vergleichsweise ruhigem Stoffwechsel. Erwachsene, eingewöhnte Tiere können meist mit passend großen aufgetauten Nagern ernährt werden. Das Futtertier sollte ungefähr dem stärksten Körperumfang der Schlange entsprechen und keinesfalls übermäßig groß gewählt werden. Gefüttert wird bevorzugt am Abend mit einer langen Futterzange. Je nach Alter, Körperzustand und Beutegröße liegen zwischen den Mahlzeiten häufig zwei bis drei Wochen; Jungtiere erhalten kleinere Beute in kürzeren, individuell angepassten Abständen. Besonders junge oder frisch importierte Tiere können auf bestimmte Beutereize spezialisiert sein und Frostfutter verweigern. Vor dem Erwerb sollte daher genau geklärt werden, welches Futter zuverlässig angenommen wird. Zwangsfütterung und eigenständige Experimente mit ungeeigneten Beutetieren sind zu vermeiden; bei länger anhaltender Verweigerung oder Gewichtsverlust ist reptilienkundige tierärztliche Hilfe erforderlich.

Sozialverhalten

Die Pazifikboa verbringt einen großen Teil des Tages verborgen und wird meist erst in der Dämmerung sichtbar. Sie jagt aus der Deckung und kann lange regungslos an einem günstigen Platz warten. Viele eingewöhnte Tiere verhalten sich ruhig, sind jedoch keine Tiere für häufiges Herausnehmen. Unnötiges Handling, besonders kurz nach dem Einsetzen, während der Häutung oder nach einer Mahlzeit, verursacht vermeidbaren Stress. Bedrängte Tiere können zischen, den Kopf in Abwehrstellung bringen oder zubeißen. Für eine dauerhafte Gemeinschaftshaltung besteht kein sozialer Bedarf. Eine Zusammenführung sollte ausschließlich kontrolliert und im Rahmen eines fachlich geplanten Zuchtversuchs erfolgen. Sichtschutz, enge Verstecke und feste Tagesabläufe fördern ein ruhiges Verhalten deutlich stärker als häufiges Anfassen.

Geschlechtsunterschiede

Weibchen werden im Durchschnitt deutlich länger und kräftiger als Männchen. Während ausgewachsene Männchen häufig um 90 cm bleiben, erreichen Weibchen oft 120–150 cm. Die tatsächliche Größe kann abhängig von Unterart, Herkunft und Individuum abweichen. Männchen besitzen gewöhnlich stärker ausgeprägte Aftersporne, doch ist dieses Merkmal nicht bei jedem Tier eindeutig. Eine zuverlässige Geschlechtsbestimmung sollte durch eine erfahrene Fachperson oder eine reptilienkundige Tierarztpraxis erfolgen. Unsachgemäßes Sondieren kann schwere innere Verletzungen verursachen.

Fortpflanzung und Inkubation

Pazifikboas sind lebendgebärend. Paarungen werden in der Terrarienhaltung gewöhnlich nach einer moderaten jahreszeitlichen Veränderung von Temperatur und Beleuchtungsdauer angestrebt. Weibchen sollten erst verpaart werden, wenn sie vollständig entwickelt, gesund und in einem guten Ernährungszustand sind. Sie vermehren sich nicht zwangsläufig jedes Jahr und benötigen nach einer Trächtigkeit ausreichend Zeit zur Erholung. Die Tragzeit kann mehrere Monate umfassen. Berichte über die Wurfgröße reichen von etwa 20 bis weit über 50 Jungtieren; die Angaben schwanken jedoch stark und müssen für die jeweilige Unterart und Zuchtlinie geprüft werden. Neugeborene sind einzeln, ausbruchssicher und besonders aufmerksam hinsichtlich Flüssigkeitsversorgung und Futterannahme unterzubringen. Die Zucht dieser Art gehört aufgrund möglicher Futterprobleme der Jungtiere in erfahrene Hände.

Winterruhe oder saisonale Ruhe

Eine echte Winterruhe ist für diese tropische Art weder erforderlich noch angezeigt. Für die normale Pflege genügt ein moderater jahreszeitlicher Wechsel von Beleuchtungsdauer, Niederschlagsreizen und nächtlichen Temperaturen. Eine stärkere Abkühlung wird gelegentlich zur Zuchtvorbereitung eingesetzt, sollte aber nur bei gesunden, gut konditionierten Tieren und mit genauer Temperaturkontrolle erfolgen. Unkontrolliertes Absenken der Temperaturen bei gleichzeitig hoher Nässe erhöht das Risiko gesundheitlicher Probleme.

Endgröße und Lebenserwartung

Die Endgröße zeigt einen ausgeprägten Geschlechtsunterschied. Männchen erreichen häufig ungefähr 90 cm Gesamtlänge, während Weibchen meist etwa 120–150 cm lang und deutlich massiger werden. Einzelne Tiere können außerhalb dieser Spanne liegen. Da unter Candoia paulsoni mehrere geografische Unterarten mit möglicherweise abweichenden Proportionen zusammengefasst werden, sollte die Terrarienplanung nicht allein auf pauschalen Durchschnittswerten beruhen, sondern regelmäßig an die tatsächliche Länge und Statur angepasst werden.

Schutzstatus und rechtliche Hinweise

Die Pazifikboa unterliegt als geschützte Boa dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen, Anhang II, und wird in der Europäischen Union in Anhang B geführt. Beim Erwerb muss ein nachvollziehbarer Herkunftsnachweis übergeben und dauerhaft aufbewahrt werden. In Deutschland ist die Haltung besonders geschützter Wirbeltiere grundsätzlich bei der zuständigen Artenschutzbehörde anzuzeigen, sofern keine konkrete Ausnahme greift. Zusätzlich können Bundesländer oder Kommunen eigene Vorschriften zur Haltung von Riesenschlangen erlassen. Deshalb sollten Meldefristen, erforderliche Unterlagen und mögliche örtliche Auflagen vor dem Kauf direkt mit der zuständigen Behörde geklärt werden.

Risiken und sicherer Umgang

Candoia paulsoni ist nicht giftig, kann sich aber mit kräftigen Kieferbewegungen verteidigen und schmerzhafte Bissverletzungen verursachen. Arbeiten im Terrarium sollten ruhig, übersichtlich und möglichst außerhalb der Fütterungszeit erfolgen. Beim Füttern ist eine lange Zange zu verwenden; Beutegeruch an den Händen kann einen Futterreflex auslösen. Wärmequellen benötigen einen stabilen Berührungsschutz, und sämtliche Öffnungen müssen ausbruchssicher verschlossen sein. Nach dem Kontakt mit Tier, Einrichtung, Wasser oder Ausscheidungen sind die Hände gründlich zu reinigen. Kinder dürfen Pflegearbeiten nur unter unmittelbarer Aufsicht durchführen.

Nice-to-Know

Die Färbung der Pazifikboa ist außerordentlich variabel und kann Rot-, Braun-, Gold-, Orange- oder Grautöne umfassen. Viele Tiere tragen eine dunkle, unregelmäßig gezackte Rückenzeichnung. Bemerkenswert ist, dass einzelne Exemplare ihre Helligkeit im Tagesverlauf sichtbar verändern können. Dies ist eine natürliche Eigenschaft und nicht automatisch ein Zeichen für Häutung oder Krankheit. Der Name Pazifikboa bezeichnet die Art insgesamt; Handelsbezeichnungen mit Inselnamen sollten nur verwendet werden, wenn die Herkunft oder Unterart zuverlässig dokumentiert ist.

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