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Lanzarote-Ostkanareneidechse, Gallotia atlantica atlantica

Sonnenaktive Art

Braucht sehr helles Licht, UVB und einen warmen Sonnenplatz.

Trockener Boden

Sand-Lehm, Steine und trockene Verstecke bilden das Revier.

Gemischte Kost

Pflanzenkost wird mit passenden Futterinsekten ergänzt.

Klare Reviergrenzen

Einzel- oder Paarhaltung nur mit vielen Sichtbarrieren planen.

Lanzarote-Ostkanareneidechse, Gallotia atlantica atlantica


Auf einen Blick: Lanzarote-Ostkanareneidechse, Gallotia atlantica atlantica
Deutscher Name:Lanzarote-Ostkanareneidechse
Wissenschaftlich:Gallotia atlantica atlantica
Synonyme:Atlantische Eidechse, Atlantische Kanareneidechse, Purpurarien-Eidechse
Herkunft:Lanzarote sowie La Graciosa, Montaña Clara, Alegranza und Roque del Este auf den östlichen Kanarischen Inseln
Lebensweise:Überwiegend bodenbewohnend, sonnenliebend und gelegentlich auf niedrigen Sträuchern kletternd
Aktivitätszeit:Tagaktiv; besonders bei geeigneten Licht- und Temperaturverhältnissen sehr aufmerksam
Haltungsform:Einzelhaltung oder sorgfältig überwachte Paarhaltung; innerartlich territorial und teils aggressiv
Mindestgröße des Geheges:Für ein adultes Paar mindestens etwa 100 × 50 × 60 cm, mit klaren Sichtbarrieren und mehreren Verstecken
Temperaturzonen:Tagsüber etwa 24–28 °C, lokal deutlich wärmerer Sonnenplatz; nachts Abkühlung auf etwa 16–20 °C
Luftfeuchtigkeit:Überwiegend trocken und gut belüftet, ergänzt durch einen leicht feuchten Rückzugs- und Eiablagebereich
UV und Beleuchtung:Sehr helle Tagesbeleuchtung, hochwertige UVB-Versorgung und Wärmestrahler erforderlich
Bodengrund:Griffiges Sand-Lehm-Gemisch mit Steinen; mindestens 10–15 cm tief, stellenweise tiefer und leicht feucht
Futter:Omnivor mit hohem Anteil geeigneter Blätter, Blüten und Kräuter sowie abwechslungsreichen Futterinsekten
Sozialverhalten:Revierbildend; gleichgeschlechtliche Tiere und unstrukturierte Gruppenhaltung bergen ein hohes Konfliktrisiko
Maximale Größe:Männchen erreichen bis etwa 9,6 cm Kopf-Rumpf-Länge; mit vollständigem Schwanz deutlich länger
Lebenserwartung:Im Freiland auf etwa 5 Jahre geschätzt; in guter Terrarienhaltung möglicherweise länger, belastbare Höchstwerte fehlen
Schutzstatus und Nachweise:Artenschutzrechtlich besonders relevant: CITES-Anhang III, EU-Anhang C und FFH-Anhang IV; Herkunftsnachweis und behördliche Bestandsanzeige beachten
Im Detail: Lanzarote-Ostkanareneidechse, Gallotia atlantica atlantica

Herkunft, Lebensraum und Verhalten von Lanzarote-Ostkanareneidechse (Gallotia atlantica atlantica)

Die Nominatform der Ostkanareneidechse ist ausschließlich auf einem kleinen Teil der östlichen Kanaren heimisch. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet umfasst Lanzarote sowie die vorgelagerten Inseln La Graciosa, Montaña Clara, Alegranza und Roque del Este. Damit ist sie ein echter Inselendemit mit sehr begrenztem Herkunftsraum. Bewohnt werden sonnige Küstenbereiche mit sandigem Untergrund, steinige Flächen mit niedrigen Sträuchern, trockene Gebüschlandschaften, Reste wärmeliebender Vegetation und auch landwirtschaftlich geprägte Gebiete. Vollkommen kahle, junge Lava- und Ascheflächen ohne Pflanzenbewuchs werden dagegen gemieden. Die Tiere kommen vom Küstenniveau bis in die höheren Lagen der jeweiligen Inseln vor. Typisch sind offene Plätze zum Sonnen, niedrige Vegetation zur Nahrungssuche und zahlreiche Spalten zwischen Steinen, in denen Schutz vor Hitze, Wind und Fressfeinden gefunden wird. Trotz des trockenen Klimas nutzen die Echsen kleinräumig unterschiedliche Bedingungen. Im Terrarium sollte daher keine gleichförmige Wüstenfläche entstehen, sondern ein Mosaik aus warmen Steinen, lockerem Boden, schattigen Spalten und einem leicht feuchten Rückzugsplatz. Die Nominatform ist taxonomisch von der auf Fuerteventura und Lobos vorkommenden Unterart Gallotia atlantica mahoratae zu unterscheiden.

Das richtige Gehege

Für diese flinke, bodenorientierte Eidechse ist eine breite Grundfläche wichtiger als große Kletterhöhe. Ein Terrarium von mindestens etwa 100 × 50 × 60 cm bietet einem harmonierenden adulten Paar einen zeitgemäßen Ausgangspunkt; ein größeres Becken erleichtert die notwendige Strukturierung erheblich. Mehrere voneinander getrennte Sonnenplätze, Steinaufbauten, Korkröhren und dicht angeordnete Sichtbarrieren helfen den Tieren, einander auszuweichen. Alle Aufbauten müssen standsicher auf dem Terrarienboden ruhen, damit untergrabene Steine nicht einstürzen. Die Rückwand darf flache Absätze besitzen, sollte aber nicht zulasten der nutzbaren Bodenfläche gestaltet werden. Wegen der ausgeprägten Territorialität ist Einzelhaltung häufig die sicherste Lösung. Paarhaltung setzt genaue Beobachtung und ein sofort verfügbares Ausweichterrarium voraus. Gruppen mit mehreren Weibchen sind nicht automatisch verträglicher und können zu dauerhaften Beißereien, unterdrückter Nahrungsaufnahme und gestörtem Fortpflanzungsverhalten führen.

Einrichtung, Bodengrund und Bepflanzung

Das Trockenterrarium sollte einen gut belüfteten, felsig-sandigen Lebensraum nachbilden. Als Bodengrund eignet sich ein grabfähiges Sand-Lehm-Gemisch, das nach dem Antrocknen trittfest bleibt und nicht staubt. Eine Schicht von etwa 10–15 cm ist sinnvoll; für Weibchen sollte zusätzlich eine tiefere, leicht feuchte und geschützte Grabstelle vorhanden sein. Flache Natursteine speichern Wärme, während feste Felsspalten, Korkstücke und robuste, ungiftige Trockenpflanzen Deckung schaffen. Mindestens ein Versteck muss im kühleren Bereich liegen. Eine flache, kippsichere Wasserschale gehört trotz der trockenen Haltung zur Grundausstattung und wird täglich gereinigt. Das Becken benötigt eine ausbruchssichere Abdeckung und sorgfältig gesicherte Kabeldurchführungen. Ein Wasserteil ist weder erforderlich noch artgerecht. Regelmäßige Kotkontrollen und ein sauber gehaltener Futterplatz erleichtern die hygienische Pflege.

UV, Beleuchtung und Wärme

Als sonnenaktive Kanareneidechse benötigt die Art eine sehr helle Beleuchtung mit natürlichem Tag-Nacht-Rhythmus. Eine flächige Tageslichtquelle sollte mit einer geeigneten UVB-Lampe und einem Wärmestrahler kombiniert werden. Der UVB-Bereich muss den bevorzugten Sonnenplatz zuverlässig erreichen, darf aber keine gefährlich hohe Bestrahlung erzeugen. Abstand, Reflektor, Schutzgitter und Herstellerangaben sind deshalb gemeinsam zu berücksichtigen. Unter dem Wärmestrahler sollte ein breiter Stein liegen, auf dem das Tier den gesamten Körper erwärmen kann. Gleichzeitig müssen beschattete Zonen ohne direkte UVB- und Wärmeeinwirkung erhalten bleiben. Die Beleuchtungsdauer kann jahreszeitlich angepasst werden, mit längeren Tagen im Frühjahr und Sommer und deutlich kürzeren Tagen während der winterlichen Ruhephase. UVB-Leuchtmittel sind nach ihrer tatsächlichen Leistung und nicht allein nach ihrem Alter zu kontrollieren.

Klima, Wasser und Luftfeuchtigkeit

Tagsüber eignet sich ein deutliches Temperaturgefälle mit etwa 24–28 °C in den Aufenthaltsbereichen. Unter dem Wärmestrahler darf die Oberflächentemperatur ungefähr 35–40 °C erreichen, sofern jederzeit kühlere Rückzugsorte verfügbar sind. Nachts ist eine Absenkung auf etwa 16–20 °C sinnvoll. Dauerhaft gleichmäßige Wärme nimmt den Tieren die Möglichkeit zur selbstständigen Thermoregulation. Das Terrarium bleibt überwiegend trocken und gut belüftet; eine großflächig hohe Luftfeuchtigkeit ist zu vermeiden. Dennoch sollte eine geschützte Bodenzone leicht feucht gehalten werden, damit die Echsen bei Bedarf ein günstigeres Mikroklima aufsuchen können. Diese Stelle ist besonders während Häutung und Eiablage wichtig. Temperaturen werden sowohl in der Luft als auch auf den Sonnenflächen gemessen. Ein thermostatgesteuerter Wärmestrahler und regelmäßige Kontrollen mit einem Infrarotthermometer reduzieren das Risiko einer Überhitzung.

Fütterung und Mineralversorgung

Freilebende Ostkanareneidechsen ernähren sich vielseitig. Untersuchungen zeigen je nach Gebiet einen hohen pflanzlichen Anteil aus Samen, Knospen, Blüten und Früchten; daneben werden unter anderem Käfer, Ameisen, Wanzen, Heuschrecken, Fliegen und kleine Schnecken aufgenommen. Im Terrarium sollte die Kost entsprechend abwechslungsreich, aber nicht zu energiereich ausfallen. Geeignet sind unbelastete Wildkräuter, essbare Blätter und Blüten sowie kleine Mengen saisonaler, zuckerarmer Früchte. Ergänzend werden passend große Heimchen, Grillen, Schaben, Fliegen und andere geeignete Futterwirbellose angeboten. Sehr fettreiche Larven bleiben eine gelegentliche Ergänzung. Die Futtertiere sollten gut ernährt und regelmäßig mit einem geeigneten Calciumpräparat bestäubt werden. Eine ausgewogene Vitaminversorgung wird an Beleuchtung, UVB-Angebot und Futterplan angepasst. Milchprodukte, gesüßte Breie, Katzenfutter und einseitige Obstfütterung entsprechen keiner zeitgemäßen Dauerernährung.

Sozialverhalten

Die Tiere sind lebhaft, aufmerksam und können gegenüber Menschen zunächst ausgesprochen scheu reagieren. Untereinander zeigen adulte Ostkanareneidechsen jedoch eine deutliche Territorialität. Besonders Männchen dürfen nicht gemeinsam gehalten werden. Auch Weibchen können einander bedrängen, und selbst scheinbar ruhige Paare müssen auf Verfolgungsjagden, Bissverletzungen, Gewichtsverlust und blockierte Sonnenplätze kontrolliert werden. Mehrere gleichwertige Wärme-, Futter- und Rückzugsplätze verringern Konkurrenz, ersetzen aber keine Beobachtung. Ein Tier, das sich dauerhaft versteckt oder nicht frisst, muss frühzeitig getrennt werden. Eine Vergesellschaftung mit anderen Reptilienarten ist wegen unterschiedlicher Ansprüche, möglicher Aggressionen und des Risikos einer Krankheitsübertragung nicht zu empfehlen. Jungtiere können trotz seltener offener Beißereien durch dominante Geschwister gestresst werden und entwickeln sich in übersichtlicher Einzelaufzucht häufig zuverlässiger.

Geschlechtsunterschiede

Männchen werden im Durchschnitt größer und kräftiger als Weibchen und entwickeln meist einen massigeren Kopf. Seitliche grünliche bis bläuliche Flecken können bei ihnen auffälliger erscheinen, besonders während der Fortpflanzungszeit. Weibchen bleiben gewöhnlich kleiner und wirken oft zurückhaltender gezeichnet. Farbe und Körperform allein erlauben bei jungen oder individuell schwach gefärbten Tieren jedoch keine immer sichere Geschlechtsbestimmung. Eine Beurteilung sollte mehrere Merkmale einbeziehen und möglichst durch eine reptilienkundige Fachperson erfolgen.

Fortpflanzung und Inkubation

Die Art ist eierlegend. In dokumentierter Terrarienhaltung wurden zwischen Ende April und Anfang September ein bis drei Gelege pro Jahr beobachtet. Das erste Gelege umfasste ein bis fünf, das zweite ein bis vier Eier; dritte Gelege waren seltener und kleiner. Für die Ablage benötigt das Weibchen eine geschützte, leicht feuchte und grabfähige Bodenzone. Fehlt ein geeigneter Platz, können Eier in zu trockenen Bereichen abgelegt, beschädigt oder gefressen werden. Bei starkem Paarungsdruck muss das Weibchen vom Männchen getrennt werden können. Unter wechselnden Bruttemperaturen von tagsüber bis 34 °C und nachts etwa 18 °C schlüpften Jungtiere nach 64–87 Tagen. Diese historische Spannweite ist kein allgemeingültiges Inkubationsrezept; Temperatur, Substratfeuchte und Eientwicklung sollten fachkundig überwacht werden. Eier dürfen beim Bergen nicht gedreht werden. Jungtiere werden übersichtlich und möglichst einzeln aufgezogen.

Winterruhe oder saisonale Ruhe

Eine mäßig kühle Winterruhe wurde in langjähriger Terrarienzucht erfolgreich eingesetzt. Dabei wurden Wärmestrahler von etwa Mitte Dezember bis Mitte Februar abgeschaltet und Temperaturen von ungefähr 12–15 °C eingehalten. Sie ist nicht mit einer tiefen mitteleuropäischen Überwinterung gleichzusetzen. Vor der Abkühlung müssen die Tiere gesund sein und genügend Zeit erhalten, den Verdauungstrakt zu leeren. Beleuchtungsdauer und Temperatur werden schrittweise reduziert; frisches Wasser bleibt verfügbar. Während der Ruhephase sind regelmäßige Sicht- und Gewichtskontrollen sinnvoll, ohne die Tiere unnötig zu stören. Anschließend werden Licht und Wärme langsam wieder erhöht. Da konkrete Haltungsdaten selten sind, sollte die Durchführung bei geschwächten, frisch übernommenen oder gesundheitlich auffälligen Tieren zuvor mit einer reptilienkundigen Tierarztpraxis abgestimmt werden.

Endgröße und Lebenserwartung

Die Nominatform gehört zu den kleineren Vertretern der Kanareneidechsen. Für adulte Männchen ist eine maximale Kopf-Rumpf-Länge von etwa 9,6 cm belegt; Weibchen bleiben gewöhnlich kleiner. Hinzu kommt der lange Schwanz, sodass die Gesamtlänge deutlich größer ausfällt. Eine feste Gesamtlängenangabe ist nur eingeschränkt aussagekräftig, weil Schwanzverluste und regenerierte Schwänze bei Eidechsen häufig vorkommen können. Männchen zeigen nach Eintritt der Geschlechtsreife einen deutlicheren Größenvorsprung gegenüber gleichaltrigen Weibchen.

Schutzstatus und rechtliche Hinweise

Gallotia atlantica ist im Washingtoner Artenschutzübereinkommen in Anhang III und innerhalb der Europäischen Union in Anhang C geführt. Zusätzlich steht die Art in Anhang IV der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. In Deutschland ist daher ein lückenloser Nachweis der legalen Herkunft erforderlich. Der Bestand besonders geschützter Wirbeltiere sowie Zu- und Abgänge sind grundsätzlich unverzüglich bei der zuständigen Landesbehörde anzuzeigen, da die Art nicht zu den allgemein von dieser Bestandsanzeige ausgenommenen Reptilien zählt. Für grenzüberschreitende Einfuhr, Ausfuhr oder Wiederausfuhr können weitere Dokumente vorgeschrieben sein. Tiere dürfen keinesfalls der Natur entnommen oder ohne nachvollziehbare Herkunft übernommen werden. Da sich Vorschriften ändern und Behörden landesabhängig unterschiedliche Formulare verwenden können, ist der aktuelle Einzelfall vor Erwerb mit der zuständigen Artenschutzbehörde zu klären.

Risiken und sicherer Umgang

Ostkanareneidechsen sind nicht giftig, können sich bei Bedrängung aber durch kräftiges Zubeißen verteidigen. Sie sollten nur angefasst werden, wenn dies für Pflege oder Gesundheitskontrolle nötig ist. Niemals am Schwanz festhalten: Wie viele Eidechsen kann die Art ihn bei Gefahr abwerfen. Flinke Tiere nutzen kleinste Öffnungen, weshalb Türen, Lüftungsflächen und Kabeldurchführungen ausbruchssicher sein müssen. Wärmestrahler sind gegen direkten Kontakt zu sichern, schwere Steine gegen Untergraben. Nach Kontakt mit Tier, Kot, Bodengrund oder Futterschalen werden die Hände gründlich gewaschen. Neue Tiere gehören zunächst in Quarantäne und sollten auf Parasiten untersucht werden.

Nice-to-Know

Die Ostkanareneidechse erfüllt in ihrem natürlichen Lebensraum eine wichtige ökologische Aufgabe. Beim Fressen von Früchten nimmt sie Samen auf und trägt zu deren Verbreitung bei. Dabei kann sie selbst Teil einer ungewöhnlichen Transportkette werden, wenn insekten- und reptilienfressende Vögel die Echsen erbeuten und die Samen an anderer Stelle wieder ausscheiden. Die Tiere suchen Nahrung überwiegend am Boden, klettern für Blätter, Blüten oder Früchte aber auch in niedrige Sträucher. Obwohl Lanzarote stark vulkanisch geprägt ist, besiedelt die Art nicht jede Lavafläche: Ganz junge, vegetationslose Bereiche bieten ihr zu wenig Nahrung und Deckung.

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