Haiti-Weißlippenanolis, Anolis coelestinus
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Haiti-Weißlippenanolis, Anolis coelestinus
| Deutscher Name: | Haiti-Weißlippenanolis |
| Wissenschaftlich: | Anolis coelestinus |
| Synonyme: | Haiti-Weißlippenanolis, Tiburon-Grünanolis, Jérémie-Anolis, Hispaniola-Grünanolis |
| Herkunft: | Westliche Tiburon-Halbinsel in Haiti |
| Lebensweise: | Baum- und strauchbewohnend, häufig an Waldrändern |
| Aktivitätszeit: | Tagaktiv, flink und aufmerksam |
| Haltungsform: | Einzeln oder als kontrolliertes Paar beziehungsweise Haremsgruppe |
| Mindestgröße des Geheges: | Für ein Paar mindestens etwa 80 × 60 × 100 cm, größer bevorzugt |
| Temperaturzonen: | Tagsüber 24–28 °C, Sonnenplatz 30–33 °C, nachts 20–24 °C |
| Luftfeuchtigkeit: | Meist 60–80 %, nach dem Sprühen kurzzeitig höher |
| UV und Beleuchtung: | Helle Tageslichtbeleuchtung, Wärmespot und messbare UVB-Versorgung |
| Bodengrund: | Etwa 8–12 cm lockere, stellenweise leicht feuchte Terrarienerde |
| Futter: | Lebende, passend große Insekten und andere Wirbellose |
| Sozialverhalten: | Männchen stark territorial; niemals mehrere Männchen zusammen |
| Maximale Größe: | Männchen meist etwa 20–25 cm, Weibchen ungefähr 14–18 cm Gesamtlänge |
| Lebenserwartung: | Bei guter Haltung ungefähr 5–8 Jahre; artspezifische Langzeitdaten sind begrenzt |
| Schutzstatus und Nachweise: | Derzeit nicht CITES-gelistet und in Deutschland in der Regel nicht artenschutzrechtlich meldepflichtig |
Herkunft, Lebensraum und Verhalten von Haiti-Weißlippenanolis (Anolis coelestinus)
Der heute als Anolis chlorocyanus geführte Weißlippenanolis stammt von der Insel Hispaniola, ist nach aktueller Abgrenzung jedoch auf Haiti beschränkt. Sein bekanntes Verbreitungsgebiet liegt vor allem im westlichen Teil der Tiburon-Halbinsel und reicht entlang der Nordküste bis in die Region von Trou Caïman. Nachweise liegen von küstennahen Lagen bis in Höhen um 1.500 Meter vor. Entsprechend begegnet die Art unterschiedlichen örtlichen Temperatur- und Feuchtebedingungen. Sie lebt überwiegend in Bäumen und Sträuchern und zeigt sich gegenüber veränderten Landschaften vergleichsweise anpassungsfähig. Beobachtet wird sie nicht nur in verbliebenen Waldgebieten, sondern besonders an Waldrändern, in Gärten und innerhalb von Dörfern. Nachts ruhen die Tiere häufig auf Blättern oder dünnen Zweigen etwa zwei bis vier Meter über dem Boden. Historische Angaben zur Verbreitung müssen vorsichtig gelesen werden: Der früher verwendete Name Anolis coelestinus wurde 2020 zum Synonym von Anolis chlorocyanus, während viele vormals als Anolis chlorocyanus bezeichnete Populationen heute anderen Arten, insbesondere Anolis callainus, zugerechnet werden. Für die Terrarienhaltung sind deshalb Herkunftsnachweise und eine verlässliche Artbestimmung besonders wertvoll.
Das richtige Gehege
Ein hohes, gut belüftetes Terrarium entspricht der baumbewohnenden Lebensweise deutlich besser als ein flaches Becken. Für ein Paar sollte die Anlage mindestens etwa 80 × 60 × 100 cm messen; für eine Gruppe aus einem Männchen und mehreren Weibchen sind mindestens etwa 100 × 60 × 120 cm sowie besonders viele Sichtbarrieren sinnvoll. Auch Einzelhaltung ist möglich. Das Terrarium muss ausbruchsicher sein, denn die Tiere sind schnell und nutzen selbst schmale Spalten. Große Lüftungsflächen sorgen dafür, dass die Einrichtung nach dem Beregnen wieder oberflächlich abtrocknen kann. Ein tiefer Wasserteil ist nicht erforderlich und birgt unnötige Risiken. Eine flache, sauber gehaltene Wasserschale kann ergänzend angeboten werden, ersetzt jedoch nicht die Trinktropfen auf Blättern.
Einrichtung, Bodengrund und Bepflanzung
Die gesamte Höhe sollte mit senkrechten und schrägen Ästen unterschiedlicher Stärke erschlossen werden. Dünne Zweige dienen als Ruhe- und Schlafplätze, kräftigere Äste als Laufwege und Sonnenplätze. Korkrückwände, robuste Rankpflanzen und dicht belaubte Bereiche schaffen Deckung, ohne den Bewegungsraum zu verschließen. Wichtig ist ein Wechsel aus offenen, hellen Aussichtspunkten und geschützten Rückzugszonen. Als Bodengrund eignet sich eine etwa 8–12 cm hohe Schicht aus lockerer, ungedüngter Terrarienerde, gegebenenfalls mit Laub und etwas Sand vermischt. Sie darf stellenweise leicht feucht bleiben, sollte aber niemals vernässen. Weibchen benötigen grabfähige, geschützte Bereiche zur Eiablage. Äste unter Wärme- und UVB-Lampen müssen stabil befestigt sein und einen sicheren Abstand zu den Leuchtmitteln besitzen.
UV, Beleuchtung und Wärme
Als tagaktive Echse benötigt der Haiti-Weißlippenanolis eine helle Grundbeleuchtung, einen klar abgegrenzten Sonnenplatz und eine zuverlässige UVB-Quelle. Geeignet ist eine hochwertige UVB-Röhre oder eine vergleichbare Lampe für tagaktive, tropische Echsen. Am bevorzugten Sonnenast kann ein UV-Index von ungefähr 2–3 angestrebt und mit einem geeigneten Messgerät kontrolliert werden. Dichte Pflanzen und tiefer gelegene Äste müssen jederzeit schattige Ausweichplätze bieten. Eine Beleuchtungsdauer von rund 12–13 Stunden im Sommer und etwa 11 Stunden während einer milden Winterphase bildet die karibischen Tageslängenschwankungen nach. UVB-Leistung, Gazeabdeckung und Abstand zum Tier sind gemeinsam zu berücksichtigen, da feinmaschige Abdeckungen die Strahlung deutlich abschwächen können.
Klima, Wasser und Luftfeuchtigkeit
Tagsüber eignet sich ein räumliches Temperaturgefälle von ungefähr 24–28 °C. Ein gut zugänglicher Sonnenplatz darf an der Sitzfläche etwa 30–33 °C erreichen, während tiefere, beschattete Bereiche kühler bleiben. Nachts sollte die Temperatur auf etwa 20–24 °C sinken; kurzzeitig etwas niedrigere Werte sind bei gesunden adulten Tieren meist unproblematisch. Die relative Luftfeuchtigkeit kann tagsüber zwischen etwa 60 und 80 % schwanken und nach dem Sprühen kurzzeitig 80–90 % erreichen. Entscheidend ist kein dauerhaft nasses Klima, sondern der Wechsel aus feuchten Phasen, Trinktropfen und anschließendem Abtrocknen bei guter Luftbewegung. Temperatur und Feuchte sollten in mehreren Höhen gemessen werden, weil sich in einem hohen Terrarium deutlich verschiedene Klimazonen bilden.
Fütterung und Mineralversorgung
Auf dem Speiseplan stehen lebende, passend große Wirbellose. Kleine Grillen, Heimchen, Schaben, Fliegen, Motten und gelegentlich andere geeignete Futterinsekten sorgen für Abwechslung und regen das natürliche Jagdverhalten an. Die Beute sollte höchstens ungefähr der Breite des Tierkopfes entsprechen und vor der Verfütterung hochwertig ernährt werden. Adulte Tiere erhalten mehrmals wöchentlich kleine Portionen, Jungtiere entsprechend häufiger. Eine ausgewogene Calciumversorgung und ein zurückhaltend eingesetztes Reptilien-Multivitamin ergänzen das Futter; Häufigkeit und Vitamin-D3-Anteil müssen auf die vorhandene UVB-Versorgung abgestimmt werden. Nicht gefressene Heimchen sollten zeitnah entfernt werden. Viele Anolis trinken bevorzugt Tropfen von Blättern, weshalb morgens oder abends beregnet wird. Zusätzlich sollte stets sauberes Wasser in einer flachen Schale bereitstehen.
Sozialverhalten
Männliche Weißlippenanolis verteidigen ihr Revier mit Kopfnicken, Körperhaltungen und dem Präsentieren der Kehlfahne. Zwei Männchen dürfen nicht gemeinsam gehalten werden und sollten sich auch nicht dauerhaft durch benachbarte Scheiben sehen können. Ein einzelnes Tier kann problemlos allein leben. Paar- oder Haremsgruppen sind nur in geräumigen, dicht strukturierten Anlagen sinnvoll, in denen jedes Weibchen eigene Futter-, Sonnen- und Rückzugsplätze findet. Auch Weibchen können einander bedrängen. Gewichtsverlust, anhaltendes Verstecken, dunkle Stressfärbung oder blockierter Zugang zu Futter und Wärme sind Gründe für eine sofortige Trennung. Eine Vergesellschaftung mit anderen Reptilien oder Amphibien ist nicht zu empfehlen, da Konkurrenz, Stress und die Übertragung von Krankheitserregern schwer einzuschätzen sind.
Geschlechtsunterschiede
Männchen werden deutlich kräftiger und erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge bis etwa 7,7 cm, während Weibchen bis ungefähr 5,6 cm gemessen wurden. Erwachsene Männchen besitzen gewöhnlich einen markanteren Kopf, vergrößerte Schuppen hinter der Kloake und eine auffälligere Kehlfahne, die bei Revier- und Balzverhalten häufig gezeigt wird. Weibchen bleiben schlanker und ihre Kehlfahne ist weniger eindrucksvoll. Bei jungen oder geschwächten Tieren kann die Geschlechtsbestimmung schwierig sein; einzelne Merkmale sollten daher nie isoliert beurteilt werden.
Fortpflanzung und Inkubation
Zur Zucht werden ein gesundes, gut eingewöhntes Paar oder ein Männchen mit mehreren Weibchen sowie zahlreiche Sichtbarrieren benötigt. Weibchen legen bei Anolis gewöhnlich jeweils ein einzelnes Ei in lockere, leicht feuchte Erde oder in den Wurzelbereich von Pflanzen. Während der Fortpflanzungszeit können in Abständen von ungefähr einer bis vier Wochen weitere Eier folgen, wodurch der Calcium- und Energiebedarf des Weibchens steigt. Gefundene Eier dürfen nicht gedreht werden. Für Anolis einschließlich dieser Art wurden Inkubationsbedingungen um 27 °C bei gleichmäßig feuchtem, nicht nassem Substrat erfolgreich eingesetzt. Schlupfzeiten von ungefähr 25–42 Tagen sind aus vergleichbaren Haltungsprotokollen bekannt, stellen jedoch nur eine vorsichtige Orientierung dar. Jungtiere werden getrennt von den Eltern aufgezogen und erhalten sehr kleine Futtertiere wie Fruchtfliegen oder frisch geschlüpfte Grillen.
Winterruhe oder saisonale Ruhe
Eine ausgeprägte Winterruhe ist für diese tropische Art nicht vorgesehen. Eine milde saisonale Ruhephase kann jedoch den natürlichen Wechsel karibischer Trocken- und Regenzeiten nachbilden. Dafür werden über mehrere Wochen Beleuchtungsdauer und Durchschnittstemperatur behutsam reduziert: etwa 11 Stunden Licht, ein um ungefähr 1–2 °C abgesenktes Tagesniveau und eine deutlich erkennbare Nachtabsenkung genügen. Die Grundfeuchte darf etwas niedriger liegen, dennoch wird weiterhin regelmäßig gesprüht und Trinkwasser angeboten. Das Terrarium darf weder auskühlen noch vollständig austrocknen. Kranke, geschwächte oder noch nicht stabil eingewöhnte Tiere sollten keiner zusätzlichen saisonalen Belastung ausgesetzt werden.
Endgröße und Lebenserwartung
Die Art zählt zu den mittelgroßen bis etwas größeren Anolis. Wissenschaftlich dokumentiert sind maximale Kopf-Rumpf-Längen von etwa 7,7 cm bei Männchen und 5,6 cm bei Weibchen. Durch den sehr langen Schwanz ergibt sich bei ausgewachsenen Männchen meist eine Gesamtlänge von ungefähr 20–25 cm; Weibchen bleiben häufig bei etwa 14–18 cm. Individuelle Abweichungen sind möglich. Nach Schwanzverlust kann das nachwachsende Regenerat kürzer und anders gefärbt oder geformt sein, weshalb die Gesamtlänge allein nur eingeschränkt zur Beurteilung geeignet ist.
Schutzstatus und rechtliche Hinweise
Anolis chlorocyanus ist nach derzeitiger Einordnung nicht in den CITES-Anhängen beziehungsweise den entsprechenden EU-Artenschutzanhängen gelistet. In Deutschland besteht daher in der Regel keine artenschutzrechtliche Meldepflicht. Ein schriftlicher Herkunftsnachweis sollte dennoch sorgfältig aufbewahrt werden, zumal die Art taxonomisch neu eingeordnet wurde und alte Dokumente noch den Namen Anolis coelestinus enthalten können. Zusätzlich sind das deutsche Tierschutzrecht sowie mögliche landes- oder kommunalrechtliche Vorgaben zu beachten. Rechtliche Bestimmungen können sich ändern und sollten vor Erwerb oder grenzüberschreitendem Transport erneut geprüft werden.
Risiken und sicherer Umgang
Der Haiti-Weißlippenanolis ist nicht giftig und stellt für Menschen normalerweise keine besondere Gefahr dar. Er ist jedoch sehr flink, kann bei Bedrängung schnappen und seinen Schwanz abwerfen. Regelmäßiges Anfassen sollte deshalb vermieden werden; am besten wird das Tier in einer sicheren Dose umgesetzt. Beim Öffnen des Terrariums müssen Fenster und Türen geschlossen sein. Wärme- und UVB-Lampen sind gegen direkten Kontakt zu sichern. Nach Arbeiten im Terrarium und nach Kontakt mit Tier, Bodengrund oder Wasserschale sollten die Hände gründlich gewaschen werden. Neu erworbene Tiere sollten zunächst getrennt gehalten und bei Auffälligkeiten einem reptilienkundigen Tierarzt vorgestellt werden.
Nice-to-Know
Die Art kann ihre Grundfarbe zwischen verschiedenen Grün- und Brauntönen verändern. Das ist nicht nur Tarnung, sondern kann auch mit Temperatur, Aktivität, Stimmung und Stress zusammenhängen. Charakteristisch für den traditionell als Anolis coelestinus bezeichneten Weißlippenanolis sind häufig eine helle Linie unter dem Auge, eine helle Zeichnung an Hals und Schulter sowie eine auffallend bläuliche Iris. Der heutige wissenschaftliche Name kann in älterer Literatur verwirrend wirken: Dort bezeichnet Anolis chlorocyanus oft eine andere, weiter östlich verbreitete Form, die inzwischen unter anderem als Anolis callainus geführt wird.
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