Amurnatter, Elaphe schrencki schrencki
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Amurnatter, Elaphe schrencki schrencki
| Deutscher Name: | Amurnatter |
| Wissenschaftlich: | Elaphe schrencki schrencki |
| Synonyme: | Amur-Rattenschlange, Russische Rattenschlange, Schrenck-Natter, Sibirische Rattenschlange |
| Herkunft: | Nordostasien: russischer Ferner Osten, Nordostchina, Korea und östliche Mongolei |
| Lebensweise: | überwiegend bodenbewohnend, zugleich ausgesprochen kletterfreudig |
| Aktivitätszeit: | vorwiegend tag- und dämmerungsaktiv |
| Haltungsform: | einzeln in einem geräumigen, ausbruchsicheren Terrarium |
| Mindestgröße des Geheges: | für ein adultes Tier mindestens etwa 150 × 70 × 100 cm, bei großen Exemplaren entsprechend länger |
| Temperaturzonen: | Sonnenplatz 28–30 °C, warme Zone 24–26 °C, kühle Zone 18–23 °C, nachts deutliche Abkühlung |
| Luftfeuchtigkeit: | meist etwa 45–65 %, zur Häutung eine feuchte Rückzugsmöglichkeit |
| UV und Beleuchtung: | heller Tag-Nacht-Rhythmus, Wärmestrahler und optional schwaches bis moderates UVB |
| Bodengrund: | strukturierte Erde-Rinden-Mischung, etwa 8–12 cm hoch und stellenweise leicht feucht |
| Futter: | passend große, vorzugsweise aufgetaute Futtertiere wie Mäuse; gelegentlich Küken oder Wachteleier |
| Sozialverhalten: | solitär; Vergesellschaftung außerhalb gezielter Zucht nicht empfohlen |
| Maximale Größe: | meist etwa 130–180 cm, kräftige Einzeltiere können annähernd 200 cm erreichen |
| Lebenserwartung: | in menschlicher Obhut häufig etwa 15–20 Jahre, einzelne Angaben nennen bis zu 25 Jahre |
| Schutzstatus und Nachweise: | derzeit nicht in CITES oder den EU-Artenschutzanhängen gelistet; örtliche Vorgaben bleiben zu prüfen |
Herkunft, Lebensraum und Verhalten von Amurnatter (Elaphe schrencki schrencki)
Die Amurnatter stammt aus den gemäßigten bis winterkalten Landschaften Nordostasiens. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet umfasst den russischen Fernen Osten mit dem Amur- und Ussuri-Raum, Teile Nordostchinas, die Koreanische Halbinsel und den Osten der Mongolei. Dort lebt sie keineswegs nur in geschlossenen Wäldern. Sie nutzt lichte Laub- und Mischwälder, bewachsene Flusstäler, Waldränder, felsige Hänge, Buschland sowie landwirtschaftlich geprägte Bereiche und die Umgebung menschlicher Siedlungen. Verstecke findet sie unter Totholz, in Steinhaufen, Erdhöhlen, Baumhöhlungen und anderen geschützten Hohlräumen. Obwohl die Art überwiegend am Boden unterwegs ist, klettert sie geschickt auf Bäume, Sträucher und stabile Bauwerke. Auch Gewässer werden nicht gemieden; Amurnattern können gut schwimmen. Das kontinentale Herkunftsklima ist durch warme Sommer, kühle Nächte und lange, kalte Winter geprägt. Für die Terrarienhaltung ist deshalb entscheidend, sie nicht wie eine tropische Schlange ganzjährig warm zu pflegen. Ein deutliches Temperaturgefälle, saisonal angepasste Beleuchtungszeiten und eine kontrollierte Winterruhe entsprechen ihrer natürlichen Lebensweise wesentlich besser. Gleichzeitig sollte die Einrichtung sowohl ausgedehnte Bodenwege als auch stabile, gut erreichbare Kletterplätze bieten.
Das richtige Gehege
Die Amurnatter benötigt ein bodenorientiertes, aber ausreichend hohes Terrarium, weil sie ihre Umgebung aktiv erkundet und regelmäßig klettert. Für ein adultes Tier sollte die Anlage mindestens ungefähr 150 × 70 × 100 cm messen; bei besonders langen Exemplaren ist mehr Grundfläche einzuplanen, damit sie sich weitgehend ausstrecken und zwischen den Klimazonen wechseln können. Die nutzbare Höhe wird mit kräftigen, waagerechten und schrägen Ästen, erhöhten Liegeflächen und sicher befestigten Korkelementen erschlossen. Mindestens je ein eng anliegender Rückzugsplatz in der warmen und kühlen Zone ist erforderlich. Alle Türen, Lüftungsflächen und Kabeldurchführungen müssen zuverlässig gesichert sein, denn diese kräftige Natter findet überraschend kleine Schwachstellen. Ein fest eingebauter Wasserteil ist nicht notwendig. Ein standfestes, leicht zu reinigendes Gefäß mit frischem Wasser muss jedoch jederzeit verfügbar und groß genug sein, dass sich das Tier bei Bedarf hineinlegen kann.
Einrichtung, Bodengrund und Bepflanzung
Eine abwechslungsreiche Struktur ist für diese bewegungsfreudige Schlange wichtiger als eine rein dekorative Kulisse. Als Bodengrund eignet sich eine etwa 8–12 cm hohe Mischung aus ungedüngter Erde, Rindenmaterial und etwas Laub. Der Untergrund darf stellenweise leicht feucht bleiben, sollte an der Oberfläche jedoch nicht dauerhaft nass sein. Eine separate Häutungsbox mit feuchtem Moos oder geeignetem Substrat erleichtert die Feuchtigkeitsregulation. Korkröhren, robuste Wurzeln, Steinaufbauten und Äste müssen gegen Untergraben und Umstürzen gesichert werden. Sichtschutz durch Kunst- oder robuste Echtpflanzen hilft der Amurnatter, sich geschützt durch das Terrarium zu bewegen. Unterschiedlich raue Oberflächen unterstützen die Häutung. Die Einrichtung sollte klare Laufwege, erhöhte Beobachtungsplätze und mehrere Ruhebereiche bieten, ohne die Kontrolle und Reinigung unnötig zu erschweren.
UV, Beleuchtung und Wärme
Ein heller, saisonal angepasster Tag-Nacht-Rhythmus unterstützt das natürliche Aktivitätsmuster. Im Sommer sind ungefähr 12–14 Stunden Licht sinnvoll, während die Beleuchtungsdauer im Herbst schrittweise reduziert wird. Ein von oben wirkender Wärmestrahler schafft einen klar begrenzten Sonnenplatz und ermöglicht natürliches Aufwärmverhalten. Schwaches bis moderates UVB-Licht kann angeboten werden und erweitert das Lichtspektrum, gilt bei einer mit vollständigen Beutetieren ernährten Natter jedoch nicht als Ersatz für eine ausgewogene Fütterung. Das Tier muss jederzeit zwischen beleuchteten Bereichen, Halbschatten und vollständig dunklen Verstecken wählen können. Sämtliche Strahler sind durch Schutzkörbe gegen direkten Kontakt zu sichern und über geeignete Thermostate beziehungsweise Zeitschalttechnik zu steuern.
Klima, Wasser und Luftfeuchtigkeit
Amurnattern kommen mit mäßiger Wärme deutlich besser zurecht als mit dauerhaft hohen Temperaturen. Unter dem Sonnenplatz dürfen etwa 28–30 °C erreicht werden. Die übrige warme Zone liegt zweckmäßig bei 24–26 °C, während ein kühler Bereich von ungefähr 18–23 °C erhalten bleiben sollte. Nachts ist eine Absenkung auf etwa 17–21 °C erwünscht; vor einer geplanten Winterruhe werden Temperatur und Beleuchtungsdauer langsam weiter reduziert. Die relative Luftfeuchtigkeit kann im normalen Betrieb meist zwischen 45 und 65 % liegen. Zur Häutung wird eine feuchte Box bereitgestellt oder ein Teil des Bodengrunds leicht befeuchtet. Dauerhaft nasses Substrat und schlecht belüftete, staunasse Verhältnisse sind zu vermeiden. Temperaturen und Feuchtigkeit sollten mit digitalen Messgeräten in mehreren Zonen kontrolliert werden.
Fütterung und Mineralversorgung
In der Natur erbeutet die Amurnatter vor allem kleine Säugetiere, Vögel und deren Eier; auch Amphibien können zum Nahrungsspektrum gehören. Im Terrarium bilden passend große, vorzugsweise aufgetaute Mäuse eine gut kontrollierbare Grundlage. Je nach Körpergröße können gelegentlich Ratten entsprechender Größe, Küken oder Wachteleier für Abwechslung sorgen. Das Futtertier sollte zur kräftigsten Körperstelle der Schlange passen und keinen übermäßigen Körperumfang verursachen. Jungtiere werden meist etwa alle 7–10 Tage gefüttert, adulte Tiere abhängig von Kondition, Jahreszeit und Beutegröße ungefähr alle 10–21 Tage. Die Art zeigt häufig einen guten Appetit und kann bei zu reichlicher Fütterung verfetten. Deshalb sind Körperform und Gewicht wichtiger als ein starrer Kalender. Lebendfütterung birgt ein vermeidbares Verletzungsrisiko. Nach der Fütterung sollte die Schlange mindestens 48 Stunden nicht unnötig gestört oder gehandhabt werden.
Sozialverhalten
Amurnattern sind neugierige, aufmerksame und häufig gut sichtbare Pfleglinge. Sie bewegen sich sowohl am Boden als auch auf erhöhten Strukturen und nutzen Wassergefäße gelegentlich zum Baden. Viele Nachzuchttiere werden bei ruhigem Umgang vergleichsweise gelassen, doch junge oder frisch eingewöhnte Tiere können defensiv reagieren. Wie andere Nattern leben sie nicht in festen sozialen Gruppen. Die dauerhafte Paar- oder Gruppenhaltung bietet keinen gesicherten Vorteil und erschwert die Kontrolle von Futteraufnahme, Ausscheidungen und Gesundheitszustand. Zudem können Stress, Futterkonkurrenz und unbemerkte Paarungen entstehen. Daher ist die Einzelhaltung die verlässlichste Lösung. Zur Zucht werden sorgfältig ausgewählte Tiere nur kontrolliert zusammengeführt und anschließend wieder getrennt. Verschiedene Arten dürfen nicht miteinander vergesellschaftet werden.
Geschlechtsunterschiede
Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich nur wenig. Eine Einschätzung anhand von Körperfülle oder Schwanzform ist besonders bei jungen Tieren unsicher. Für eine zuverlässige Geschlechtsbestimmung sind fachkundige Verfahren erforderlich, die ausschließlich von erfahrenen Personen oder reptilienkundigen Tierärzten durchgeführt werden sollten. Unsachgemäßes Sondieren kann schwere Verletzungen verursachen.
Fortpflanzung und Inkubation
Die Nachzucht sollte nur mit gesunden, ausreichend alten und sicher bestimmten Elterntieren geplant werden. Nach einer fachgerecht durchgeführten Winterruhe werden paarungsbereite Tiere kontrolliert zusammengeführt. Für ein trächtiges Weibchen ist frühzeitig eine geräumige, feuchte Eiablagebox bereitzustellen. Aus Freilanduntersuchungen sind Gelege mit mindestens 10–21 Eiern und einem Mittelwert von rund 15 Eiern dokumentiert; in menschlicher Obhut können die Werte je nach Alter und Kondition abweichen. Für die Inkubation werden häufig etwa 27–29 °C genutzt. Angaben zur Entwicklungsdauer schwanken ungefähr zwischen 40 und 60 Tagen, weshalb Temperatur, Feuchtigkeit und Eizustand engmaschig überwacht werden müssen. Die Eier dürfen nach der Ablage nicht gedreht werden. Jungtiere werden nach dem Schlupf getrennt untergebracht und erst nach der ersten Häutung vorsichtig angefüttert. Kreuzungen mit anderen Arten oder Tieren ungeklärter Herkunft sind zu vermeiden.
Winterruhe oder saisonale Ruhe
Eine ausgeprägte Winterruhe gehört zum natürlichen Jahreszyklus der Amurnatter. Sie sollte jedoch nur mit gesunden, gut genährten und parasitenfreien Tieren durchgeführt werden. Vor der Abkühlung wird die Fütterung rechtzeitig eingestellt, damit der Verdauungstrakt vollständig geleert ist. Beleuchtungsdauer und Temperatur werden über mehrere Wochen schrittweise abgesenkt. Für adulte Tiere werden in der Haltung häufig etwa 8–12 °C über ungefähr zwei bis drei Monate gewählt. Während dieser Zeit braucht jedes Tier einen ruhigen, dunklen, gut belüfteten und frostfreien Platz, geeignete Verstecke sowie jederzeit sauberes Wasser. Gewicht, Feuchtigkeit und Allgemeinzustand sind regelmäßig und möglichst störungsarm zu kontrollieren. Nach der Ruhephase erfolgt das Aufwärmen ebenso langsam; gefüttert wird erst wieder, wenn normale Aktivität und sichere Verdauungstemperaturen erreicht sind. Bei Jungtieren, kranken oder neu übernommenen Schlangen muss das Vorgehen individuell mit fachkundiger Begleitung beurteilt werden.
Endgröße und Lebenserwartung
Amurnattern erreichen meist etwa 130–180 cm Gesamtlänge. Kräftige Einzeltiere können sich der Marke von 200 cm nähern, weshalb Terrarium und Einrichtung langfristig auf eine große, muskulöse Natter ausgelegt sein müssen. In menschlicher Obhut liegt die Lebenserwartung häufig bei ungefähr 15–20 Jahren; einzelne Haltungsangaben nennen bis zu 25 Jahre. Wegen der begrenzten dokumentierten Datengrundlage ist die obere Spanne als vorsichtiger Orientierungswert zu verstehen.
Schutzstatus und rechtliche Hinweise
Elaphe schrenckii ist nach aktuellem Stand weder in den CITES-Anhängen noch in den Anhängen der EU-Artenschutzverordnung aufgeführt. Eine allgemeine artenschutzrechtliche Melde- oder Kennzeichnungspflicht ergibt sich daraus üblicherweise nicht. Unabhängig davon gelten das deutsche Tierschutzrecht sowie mögliche landes-, kommunal-, miet- oder ordnungsrechtliche Vorgaben. Da Regelungen regional geändert werden können, sollten die zuständige Behörde und gegebenenfalls der Vermieter vor der Anschaffung befragt werden. Ein nachvollziehbarer Herkunftsnachweis ist grundsätzlich aufzubewahren.
Risiken und sicherer Umgang
Die Amurnatter ist ungiftig, kann sich bei Bedrängung aber durch Beißen und kräftige Abwehrbewegungen verteidigen. Beim Umgang wird der Körper mit beiden Händen großflächig unterstützt; Festhalten am Kopf oder Schwanz ist zu vermeiden. Nach einer Mahlzeit, während der Häutung und in Ruhephasen sollte das Tier nicht unnötig aufgenommen werden. Terrariumtüren benötigen sichere Verschlüsse. Hände und verwendete Geräte sind nach Kontakt gründlich zu reinigen, da Reptilien Keime wie Salmonellen übertragen können. Kinder dürfen nur unter unmittelbarer Aufsicht mit der Schlange umgehen. Bei Atemgeräuschen, wiederholtem Erbrechen, Verletzungen, Schwellungen, auffälliger Häutung oder Gewichtsverlust ist eine reptilienkundige Tierarztpraxis aufzusuchen.
Nice-to-Know
Junge Amurnattern sehen oft deutlich anders aus als ausgewachsene Tiere: Ihre kontrastreiche graue bis bräunliche Jugendzeichnung entwickelt sich mit zunehmendem Alter zu der typischen dunklen, häufig schwarz wirkenden Grundfarbe mit gelben oder cremefarbenen Querbändern. Durch diese Veränderung lässt sich das Heranwachsen besonders eindrucksvoll beobachten. Die Art ist zudem ein geschickter Kletterer und Schwimmer, obwohl sie überwiegend dem bodenbewohnenden Haltungstyp zugeordnet wird.
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