Lebensraum und Verhalten von Agakröte (Bufo marinus)
Rhinella marina stammt nach heutiger, enger gefasster Artauffassung vor allem aus dem östlich der Anden gelegenen nördlichen und zentralen Südamerika. Zum natürlichen Verbreitungsgebiet zählen unter anderem die Guyanas sowie weite Teile des Amazonasraums in Brasilien, Peru, Bolivien und angrenzenden Ländern. Die Agakröte besiedelt dort keineswegs nur geschlossene Regenwälder. Sie kommt auch in Savannen, lichten Waldgebieten, Flussniederungen, Gärten und landwirtschaftlich veränderten Landschaften zurecht, sofern geeignete Verstecke und erreichbare Laichgewässer vorhanden sind. Den Tag verbringt die kräftige Bodenkröte häufig unter Wurzeln, Totholz, dichter Vegetation oder in Erdhöhlen. Erst in der Dämmerung beginnt sie mit der Nahrungssuche. Zur Fortpflanzung nutzt sie stehende oder langsam fließende Gewässer. Trotz des früher gebräuchlichen englischen Namens „Marine Toad“ ist sie keine Meeresbewohnerin. Durch menschliche Aussetzungen gelangte die anpassungsfähige Art unter anderem nach Australien, Florida, Hawaii, auf zahlreiche Karibik- und Pazifikinseln sowie in Teile Asiens. Dort kann sie erhebliche ökologische Schäden verursachen. Ältere Verbreitungsangaben schließen teilweise Rhinella horribilis aus Mittelamerika und dem westlichen Südamerika ein, die heute als eigene Art geführt wird.
Die richtige Haltung
Die Agakröte benötigt ein langes, bodenorientiertes und absolut ausbruchsicheres Terrarium. Für ein ausgewachsenes Einzeltier sollte die Grundfläche etwa 120 × 60 cm nicht unterschreiten; besonders große Weibchen sind in einem Terrarium ab ungefähr 150 × 80 cm deutlich besser aufgehoben. Die Höhe ist gegenüber der Bodenfläche nachrangig, muss aber eine sichere Beleuchtung sowie eine strukturierte Einrichtung erlauben. Mehrere geräumige Verstecke, breite Korkstücke, Wurzeln ohne scharfe Kanten und eine unterschiedlich feuchte Bodenzone bieten Wahlmöglichkeiten. Eine flache, kippsichere Wasserschale muss so groß sein, dass die Kröte vollständig darin sitzen und bequem wieder heraussteigen kann. Das Wasser wird täglich erneuert und darf weder Chlor noch Reinigungsmittelreste enthalten. Kot, Futterreste und Häutungsreste sind zeitnah zu entfernen. Wegen der empfindlichen Amphibienhaut dürfen im Terrarium keine Pestizide, Duftstoffe, Dünger oder ungeeigneten Desinfektionsmittel eingesetzt werden.
Die richtige Bepflanzung
Eine Bepflanzung ist möglich, aber nicht zwingend erforderlich. Die schweren, grabenden Tiere knicken zarte Triebe leicht um und können flach wurzelnde Pflanzen ausheben. Geeignet sind robuste, ungiftige Terrarienpflanzen in geschützten, standsicheren Pflanzbereichen. Korkstücke, Laub und künstliche Sichtbarrieren können denselben Zweck erfüllen und lassen sich leichter reinigen. Bei natürlicher Bepflanzung muss die Erde frei von Dünger, Pflanzenschutzmitteln und benetzenden Zusätzen sein. Abgestorbene Pflanzenteile sollten entfernt werden, bevor sich dauerhaft nasse, schlecht belüftete Stellen bilden.
Beleuchtung, UV, Heizung und Luftfeuchte
Ein sinnvoller Tagesbereich liegt ungefähr zwischen 24 und 28 °C, wobei eine kühlere und eine wärmere Zone angeboten werden sollten. Nachts kann die Temperatur auf etwa 20–23 °C absinken. Dauerhafte Überhitzung und trocknende Strahlungswärme sind zu vermeiden. Falls Zusatzwärme notwendig ist, wird sie von oben eingebracht und zuverlässig thermostatisch geregelt; eine Bodenheizung widerspricht dem natürlichen Rückzugsverhalten grabender Kröten. Das Substrat bleibt in tieferen Schichten leicht feucht, darf aber nicht vernässen. Zeitweise höhere Luftfeuchtigkeit nach dem abendlichen Sprühen ist unproblematisch, solange ein kräftiger Luftaustausch vorhanden ist. Schwaches UVB-Licht über einem Teil der Fläche unterstützt einen natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus und die Vitamin-D-Versorgung. Gleichzeitig müssen vollständig beschattete Verstecke zugänglich bleiben.
Fütterung
Agakröten sind wenig wählerische Lauerjäger, dürfen im Terrarium aber nicht wahllos oder übermäßig gefüttert werden. Als Basis eignen sich abwechslungsreich angebotene Regenwürmer, Schaben, Grillen, Heuschrecken und andere geeignete Wirbellose aus kontrollierter Zucht. Sehr fettreiche Larven sind nur gelegentlich sinnvoll. Die Futtertiere werden hochwertig ernährt und regelmäßig mit einem amphibiengeeigneten Calciumpräparat bestäubt; ein passendes Vitaminpräparat wird zurückhaltend nach Herstellerangabe eingesetzt. Bei vorhandener UVB-Beleuchtung muss die zusätzliche Vitamin-D3-Gabe darauf abgestimmt werden. Erwachsene Tiere erhalten gewöhnlich zwei bis drei maßvolle Mahlzeiten pro Woche, Jungtiere entsprechend häufiger und kleiner portioniert. Dauerhaftes Überangebot begünstigt Verfettung. Wirbeltiere, Fleischstücke, Katzen- oder Hundefutter sind keine geeignete regelmäßige Nahrung.
Geschlechtsunterschiede
Weibchen werden gewöhnlich deutlich größer und massiger als Männchen. Geschlechtsreife Männchen besitzen häufig kräftiger entwickelte Unterarme, dunklere Brunftschwielen an den Fingern und können einen lang anhaltenden Paarungsruf äußern. Ihre Kehle kann dunkler gefärbt sein. Bei halbwüchsigen Tieren ist eine sichere Geschlechtsbestimmung anhand äußerer Merkmale jedoch schwierig. Größenunterschiede allein reichen nicht aus, da Wachstum, Alter, Herkunft und Ernährungszustand das Erscheinungsbild beeinflussen.
Zucht, Fortpflanzung und Entwicklung
Die Fortpflanzung findet im Wasser statt und erfordert wesentlich mehr als die übliche Trink- und Badeschale. Nach passenden Temperatur- und Niederschlagsreizen rufen die Männchen am Laichgewässer und umfassen die Weibchen im Amplexus. Der Laich wird in langen, gallertigen Schnüren abgegeben und kann viele Tausend Eier umfassen. Für eine kontrollierte Nachzucht sind daher ein großes, hygienisch beherrschbares Wasserbecken, stabile Wasserwerte und umfangreiche Kapazitäten für Kaulquappen und Jungtiere notwendig. Eier, Larven und junge Kröten können bereits Abwehrstoffe enthalten. Wegen der enormen Nachkommenzahl und des hohen invasiven Potenzials sollte eine Vermehrung nur geplant werden, wenn Unterbringung, rechtliche Voraussetzungen und eine dauerhaft sichere Abgabe vorab geklärt sind.
Endgröße und Lebenserwartung
Die erreichbare Größe hängt von Geschlecht, Population und Haltungsbedingungen ab. Männchen bleiben häufig im Bereich von etwa 12–18 cm Kopf-Rumpf-Länge, während Weibchen oftmals 18–22 cm erreichen. Besonders große Weibchen aus südamerikanischen Populationen können ungefähr 24 cm lang und über ein Kilogramm schwer werden. Ältere Größenangaben beziehen sich teilweise auf das früher weiter gefasste Artkonzept einschließlich Rhinella horribilis und sind deshalb nicht immer unmittelbar vergleichbar.
Nice-to-Know
Die Agakröte ist trotz ihrer robusten Erscheinung ein hautempfindliches Amphibium. Anfassen sollte auf notwendige Pflege- und Gesundheitskontrollen beschränkt bleiben. Dafür eignen sich angefeuchtete, puderfreie Einmalhandschuhe. Ihre Anpassungsfähigkeit ist außergewöhnlich: In eingeschleppten Beständen nutzt sie selbst stark veränderte Lebensräume. Genau deshalb müssen Terrarium, Türen und Lüftungsflächen sorgfältig gesichert sein. Das Tier darf niemals ausgesetzt oder in einem Gartenteich untergebracht werden. Eine Vergesellschaftung mit anderen Arten ist wegen Fressverhalten, Größenunterschieden, Hautsekreten und abweichenden Haltungsansprüchen nicht zu empfehlen.
Giftigkeit und Vorsichtsmaßnahmen
Hinter den Augen sitzen große Parotiddrüsen, aus denen die Agakröte bei Bedrohung ein milchiges, bufotoxinhaltiges Sekret abgeben kann. Dieses darf nicht in Augen, Mund, Nase oder offene Hautstellen gelangen und keinesfalls verschluckt werden. Nach jedem Kontakt sind Hände und verwendete Geräte gründlich zu reinigen. Kinder sowie Hunde, Katzen und andere Terrarientiere dürfen keinen Zugang zur Kröte oder zu ihrem Wasser haben. Das Beißen oder Belecken einer Agakröte kann für Haustiere lebensgefährlich sein und erfordert unverzüglich tierärztliche Hilfe. Bei menschlichem Schleimhautkontakt wird die betroffene Stelle sofort ausgiebig mit Wasser gespült und medizinischer Rat eingeholt.