Pinkbeiniger Vietnam-Riesenfüßer, Alienostreptus bicoloripes
Pinkbeiniger Vietnam-Riesenfüßer, Alienostreptus bicoloripes
| Deutscher Name: | Pinkbeiniger Vietnam-Riesenfüßer |
| Wissenschaftlich: | Alienostreptus bicoloripes |
| Synonyme: | Zweifarbiger Vietnam-Riesenfüßer, Zweifarbiger Riesenfüßer, Vietnamesischer Riesenfüßer |
| Herkunft: | Zentralvietnam, Provinzen Gia Lai und Kon Tum; tropische Bergwälder in etwa 500–1.200 m Höhe |
| Lebensweise: | Streu- und Totholzzersetzer; adulte Tiere laufen häufig oberirdisch, Jungtiere leben verborgener |
| Gruppenhaltung: | Unter Artgenossen meist friedlich; Gruppenhaltung nur mit viel Raum, Futter und Rückzugsplätzen |
| Mindestgröße des Terrariums: | Für eine kleine Gruppe etwa 80 × 40 × 50 cm; mindestens 20 cm tiefes Substrat |
| Temperatur und Luftfeuchtigkeit: | Etwa 22–26 °C und 75–90 % relative Luftfeuchte; feuchter Boden mit gutem Luftaustausch |
| Bodengrund und Substrattiefe: | Nährstoffreicher Laubhumus mit reichlich Futterlaub und weißfaulem Laubholz |
| Futter: | Zersetztes Laub, Weißholz und Humus; ergänzend Pilze sowie wenig Gemüse oder Obst |
| Kalziumversorgung: | Sepiaschale oder reinen Futterkalk ständig verfügbar anbieten |
| Häutung: | Geschützt in einer unterirdischen Kammer; währenddessen keinesfalls ausgraben |
| Fortpflanzung: | In Terrarien kaum dokumentiert; verlässliche Nachzuchtdaten fehlen |
| Maximale Größe: | Adulte Männchen 16–17 cm, Weibchen 16–18 cm; Weibchen sind deutlich kräftiger |
| Wehrsekrete und Vorsichtsmaßnahmen: | Rollt sich bei Störung ein und kann Wehrsekret abgeben; anschließend Hände waschen |
Herkunft und Lebensraum von Pinkbeiniger Vietnam-Riesenfüßer (Alienostreptus bicoloripes)
Alienostreptus bicoloripes stammt aus dem zentralen Vietnam und ist bislang aus den Provinzen Gia Lai und Kon Tum bekannt. Dokumentierte Fundorte liegen unter anderem im Naturreservat Kon Chu Rang und im geschützten Wald von Kon Plong, ungefähr zwischen 500 und 1.200 Metern Höhe. Die Art bewohnt abwechslungsreiche tropische Bergwälder mit Laubbäumen, Baumfarnen, dichtem Falllaub und reichlich vermoderndem Holz. Erwachsene Tiere wurden sowohl in feuchten Tallagen als auch an trockeneren, teilweise von Nadelbäumen geprägten Höhenrücken beobachtet. Besonders häufig liefen sie auf der Laubschicht von Hängen oberhalb kleiner Fließgewässer umher; einzelne Tiere fraßen dort Pilze. Jungtiere nutzen deutlich feuchtere Mikrohabitate. Sie wurden in nassen Laubansammlungen an Bachrändern, zwischen Steinen und in Mulden vermodernder Baumstämme gefunden. Diese Unterschiede zeigen, wie wichtig im Terrarium ein räumliches Feuchtegefälle ist: Der Bodengrund darf tiefgründig feucht sein, sollte aber nicht überall vernässen. Der Handelszusatz „pinke Beine“ ist keine taxonomische Bezeichnung. Die wissenschaftlich beschriebenen Tiere besitzen einen fast schwarzen Körper sowie basal braunorange bis rötliche und an den Endgliedern gelbliche Beine. Ähnlich gefärbte, nicht sicher zu dieser Art gehörende Riesenfüßer werden ebenfalls gehandelt.
Lebensweise und Gruppenhaltung
Dieser Vietnam-Riesenfüßer ist ein friedlicher Zersetzer, der abgestorbenes Pflanzenmaterial verarbeitet. Erwachsene Tiere können am Tag wie auch in der Nacht auf der Oberfläche aktiv sein und nutzen Rindenstücke oder fest liegende Äste gern als zusätzliche Laufstruktur. Jungtiere halten sich wesentlich verborgener im feuchten Laub und Substrat auf. Auch adulte Tiere graben sich zur Ruhe, Häutung oder bei ungünstigen Bedingungen ein. Längere Unsichtbarkeit ist deshalb nicht automatisch ein Warnsignal. Eine Haltung mehrerer Artgenossen ist bei großzügigem Platzangebot möglich. Dafür müssen dauerhaft ausreichend Futterlaub, Weißholz, Kalziumquellen und ungestörte Rückzugsbereiche vorhanden sein. Eine Vergesellschaftung mit anderen Tausendfüßerarten ist wegen möglicher Unterschiede bei Klima, Aktivität und Artbestimmung nicht pauschal zu empfehlen.
Terrarium
Für eine kleine Gruppe eignet sich ein Terrarium von etwa 80 × 40 × 50 cm oder größer. Neben ausreichender Bodenfläche ist eine mindestens 20 cm tiefe, grabfähige Substratschicht entscheidend. Die Einrichtung darf zusätzlich etwas Höhe bieten, denn adulte Tiere laufen nicht nur am Boden, sondern erkunden auch stabile Rinde und kräftige Äste. Sämtliche Kletterelemente müssen sicher auf dem Terrarienboden stehen und dürfen beim Untergraben nicht kippen. Ein dicht schließender Deckel verhindert Ausbrüche. Gleichzeitig braucht das Becken eine sanfte, möglichst quer verlaufende Belüftung, damit trotz hoher Feuchtigkeit kein dauerhaft stickiges Klima entsteht. Verstecke aus Kork, Laub und morschem Laubholz schaffen geschützte Zonen, ohne den Boden unnötig zu verdichten.
Nahrhafter Bodengrund und Substrattiefe
Der Bodengrund ist bei dieser Art zugleich Wohnraum, Hauptfutter und Häutungsplatz. Geeignet ist eine lockere Mischung aus ungedüngtem Laubwaldhumus, reichlich zerkleinertem Futterlaub und weichem, weißfaulem Holz unbehandelter Laubbäume. Diese Bestandteile werden nicht nur aufgestreut, sondern durch die gesamte mindestens 20 cm tiefe Schicht gemischt. Eine zusätzliche dicke Laubdecke hält die Oberfläche geschützt und wird nach und nach gefressen. Reine Kokosfaser, Torf oder sterile Terrarienerde können Feuchtigkeit speichern, ersetzen aber kein nahrhaftes Tausendfüßersubstrat. Der Boden bleibt in tieferen Bereichen gleichmäßig feucht und locker, während ein Teil der Oberfläche etwas abtrocknen darf. Staunässe, fauliger Geruch und schlammige Verdichtung sind zu vermeiden. Verbrauchtes Substrat wird abschnittsweise erneuert, damit stets ein vertrauter, biologisch aktiver Bereich erhalten bleibt.
Klima und Beleuchtung
Ein mäßig warmes, feuchtes Waldklima von ungefähr 22–26 °C hat sich für die Haltung bewährt. Abweichende Empfehlungen reichen vereinzelt bis 28 °C; wegen der teils höher gelegenen Fundorte sollte dauerhaft starke Wärme jedoch vermieden und die Temperatur sorgfältig kontrolliert werden. Als Orientierung kann eine relative Luftfeuchtigkeit von etwa 75–90 % dienen. Wichtiger als ein einzelner Messwert ist die tatsächliche Bodenfeuchte: Tiefere Schichten sollen sich gleichmäßig feucht, aber niemals tropfnass anfühlen. Ein Feuchtegefälle gibt den Tieren die Möglichkeit, selbst einen passenden Bereich zu wählen. Regelmäßige, zurückhaltende Befeuchtung und wirksame Belüftung gehören daher zusammen. Direkte Sonne, stark aufheizende Strahler und abrupte Temperaturschwankungen sind ungeeignet.
Fütterung und Kalziumversorgung
Die dauerhafte Nahrungsgrundlage besteht aus halb zersetztem Laub, Laubwaldhumus und weißfaulem Holz. Besonders geeignet sind unbelastete Materialien von Laubbäumen wie Buche, Eiche oder Ahorn. Im natürlichen Lebensraum wurden erwachsene Tiere außerdem beim Fressen von Pilzen beobachtet. Kleine Stücke ungewürzter Speisepilze können daher gelegentlich angeboten werden. Als Ergänzung eignen sich sparsame Portionen von Zucchini, Kürbis, Süßkartoffel, Karotte oder Gurke; zuckerreiches Obst sollte selten bleiben. Frischfutter wird entfernt, bevor es fault oder stark schimmelt. Es ersetzt niemals das nahrhafte Substrat. Eine Kalziumquelle aus Sepiaschale oder reinem Futterkalk sollte ständig zugänglich sein. Pflanzenteile aus gespritzten Flächen, Nadelholz, aromatische Hölzer sowie gewürzte oder verarbeitete Lebensmittel gehören nicht ins Terrarium.
Häutung im Substrat
Zur Häutung zieht sich der Tausendfüßer in das Substrat zurück und errichtet dort eine geschützte Kammer. Während der alte Panzer abgestreift wird und die neue Körperhülle aushärtet, reagiert das Tier äußerst empfindlich auf Austrocknung, Druck und Erschütterungen. Ein länger verschwundenes Exemplar darf deshalb nicht ausgegraben werden. Auch größere Umbauten, das Versetzen schwerer Dekoration und ein vollständiger Substratwechsel sind in dieser Zeit riskant. Der tiefe Bodengrund muss locker und gleichmäßig feucht bleiben, ohne zu vernässen. Laub, Weißholz und Humus liefern wichtige organische Bestandteile; Sepiaschale oder Futterkalk ergänzen die Kalziumversorgung. Nach dem Auftauchen kann die Färbung zunächst heller erscheinen. Abgestreifte Panzerreste sollten im Becken verbleiben, da sie häufig wieder aufgenommen werden.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung von Alienostreptus bicoloripes ist unter Terrarienbedingungen bislang nur unzureichend dokumentiert. Belastbare Angaben zu Eiablage, Gelegegröße, Inkubationsdauer und Entwicklungszeit lassen sich daher nicht machen. Aus dem Freiland ist eine deutliche jahreszeitliche Aktivität bekannt. In einem untersuchten Gebiet wurden im frühen Frühjahr besonders viele Tiere und mehrere Altersstufen beobachtet. Für einen Nachzuchtversuch sind ein harmonierendes Paar oder eine Gruppe, sehr tiefes und über lange Zeit ungestörtes Substrat sowie dauerhaft reichlich Laub und Weißholz wesentlich. Jungtiere leben verborgen und können bei der Pflege leicht übersehen werden. Bei frisch importierten Weibchen beweist später auftauchender Nachwuchs nicht zwingend, dass Paarung und vollständige Fortpflanzung bereits im Terrarium stattgefunden haben.
Endgröße und Lebenserwartung
Wissenschaftlich untersuchte adulte Männchen erreichten 16–17 cm Körperlänge und etwa 10,3–10,5 mm Breite. Adulte Weibchen wurden mit 16–18 cm Länge sowie ungefähr 13,4–13,9 mm Breite dokumentiert und erscheinen entsprechend kräftiger. Größere Handelsangaben sollten vorsichtig betrachtet werden, da ähnlich gefärbte Riesenfüßer wiederholt unter diesem Artnamen angeboten werden. Zur Lebenserwartung liegen keine verlässlichen Angaben vor. Beobachtungen verschiedener Altersstadien im Freiland lassen jedoch auf einen mindestens dreijährigen Lebenszyklus schließen, vermutlich mit ungefähr zwei Jahren Entwicklung und wenigstens einem weiteren Jahr als adultes Tier. Diese vorsichtige Mindestangabe ist nicht mit einer gesicherten maximalen Lebenserwartung im Terrarium gleichzusetzen.
Wehrsekrete und Sicherheit
Bei Störung kann sich der Tausendfüßer eng einrollen und durch seine feste Körperhülle schützen. Wie andere Diplopoden besitzt er außerdem Wehrdrüsen und kann bei stärkerem Stress ein reizendes Sekret abgeben, auch wenn die Art bei Beobachtungen nicht besonders schnell zur Sekretabgabe neigte. Das Tier sollte möglichst wenig angefasst und niemals festgehalten oder fallen gelassen werden. Für das Umsetzen ist ein Gefäß sicherer als freies Tragen. Nach jedem Kontakt sind die Hände gründlich zu waschen; Augen, Mund und empfindliche Haut dürfen vorher nicht berührt werden. Gelangt Sekret an die Haut, wird die Stelle mit reichlich Wasser gereinigt. Kinder und Haustiere sollten keinen unbeaufsichtigten Zugang zum Terrarium haben.
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