Kubanische Assel, Porcellionides pruinosus
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Kubanische Assel, Porcellionides pruinosus
| Deutscher Name: | Kubanische Assel |
| Wissenschaftlich: | Porcellionides pruinosus |
| Synonyme: | Puderassel, Pulverassel |
| Herkunft: | Ursprünglich Mittelmeerraum, heute nahezu weltweit verschleppt |
| Lebensweise: | Terrestrischer, bodenbewohnender Zersetzer |
| Aktivitätszeit: | Vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, in starken Kolonien häufig sichtbar |
| Haltungsform: | In Gruppen oder Kolonien, separat oder im passenden Bioaktiv-Terrarium |
| Mindestgröße des Terrariums: | Für eine kleine Zuchtkolonie etwa 5–10 l, bei Wachstum entsprechend größer |
| Temperatur und Luftfeuchtigkeit: | Etwa 20–27 °C mit feuchter Rückzugszone und guter Belüftung |
| Beleuchtung: | Keine besondere Beleuchtung oder UVB-Versorgung erforderlich |
| Bodengrund und Einrichtung: | Humusreiches Bodengemisch mit Laub, morschem Laubholz und Feuchtegradient |
| Futter: | Trockenlaub, weißfaules Holz, Gemüsebeigaben, Protein und Calcium |
| Sozialverhalten: | Friedliche Kolonieart mit rascher Bestandsentwicklung |
| Entwicklung: | Direkte Entwicklung ohne Larve oder Puppe; keine Insektenmetamorphose |
| Maximale Größe: | Meist etwa 8–12 mm, vereinzelt werden größere Tiere beschrieben |
| Lebenserwartung: | Häufig etwa 1–2 Jahre, in Haltung teils länger; Angaben schwanken |
Herkunft und Lebensraum von Kubanische Assel (Porcellionides pruinosus)
Porcellionides pruinosus stammt nach heutigem Kenntnisstand ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Von dort wurde die anpassungsfähige Landassel durch den Menschen weit über ihr natürliches Ausgangsgebiet hinaus verbreitet. Heute liegen Nachweise aus großen Teilen Europas, Afrikas, Asiens, Nord- und Südamerikas sowie Australiens vor. Besonders häufig findet man sie in vom Menschen geprägten Lebensräumen: Kompostplätze, Stallungen, Gärten, Gewächshäuser, landwirtschaftliche Flächen und Ansammlungen verrottender Pflanzenreste bieten Wärme, Nahrung und geschützte, feuchte Spalten. In Deutschland gilt sie als etabliertes Neozoon und tritt vor allem in wärmebegünstigten Siedlungsbereichen auf. Der deutsche Name „Kubanische Assel“ ist daher geografisch irreführend und kein Beleg für eine Herkunft aus Kuba. Charakteristisch sind organisch reiche Mikrohabitate unter Laub, Holz, Steinen oder anderem Deckmaterial. Obwohl die Art heute oft als kosmopolitisch bezeichnet wird, deuten Untersuchungen auf einen schwer abzugrenzenden Artenkomplex mit regionalen Linien hin. Für die Terrarienhaltung bedeutet ihre weite Verbreitung vor allem: Sie ist anpassungsfähig, benötigt aber weiterhin feuchte Rückzugsräume, geeignete Nahrung und Schutz vor Überhitzung.
Lebensweise und Verhalten
Die Kubanische Assel lebt bodennah und nutzt enge Hohlräume unter Rinde, Laub und Holzstücken. Als Landassel gehört sie zu den Krebstieren und atmet über spezialisierte Strukturen an den Pleopoden. Diese müssen vor Austrocknung geschützt bleiben. Die Tiere zerkleinern abgestorbenes Pflanzenmaterial und nehmen dabei auch den darauf wachsenden mikrobiellen Aufwuchs auf. In einem Bioaktiv-Terrarium können sie deshalb an der Umsetzung organischer Reste mitwirken. Sie ersetzen jedoch weder eine bedarfsgerechte Reinigung noch die Kontrolle von Kot, verdorbenem Futter oder Schimmel. In gut eingewöhnten Kolonien sind die flinken Tiere häufiger an der Oberfläche zu beobachten als viele stark grabende Asselarten.
Terrarium
Für eine kleine separate Zuchtkolonie eignet sich ein gut belüfteter Behälter ab ungefähr 5–10 Litern. Wichtiger als reine Höhe ist eine ausreichend große Bodenfläche, auf der sich eine feuchte und eine weniger feuchte Zone einrichten lassen. Da sich die Art bei passenden Bedingungen zügig vermehren kann, sollte der Behälter nicht bis zur Belastungsgrenze besetzt werden. Eine wachsende Kolonie benötigt rechtzeitig mehr Fläche, frisches Substrat und zusätzliche Verstecke. Lüftungsöffnungen müssen so fein gesichert sein, dass Jungtiere nicht entweichen können. Direkte Sonne ist auch bei transparenten Behältern zu vermeiden, da sich kleine Boxen sehr schnell aufheizen.
Bodengrund und Klettermöglichkeiten
Geeignet ist ein mehrere Zentimeter hohes, lockeres und strukturstabiles Bodengemisch aus ungedüngter Erde, humosen Bestandteilen, zerkleinertem Trockenlaub und weißfaulem Laubholz. Reine Kokosfaser kann Feuchtigkeit speichern, bietet allein aber nur wenig verwertbare Nahrung und sollte deshalb höchstens als Bestandteil dienen. Eine Seite wird durch Moos oder tiefer angefeuchtetes Substrat dauerhaft frisch bis feucht gehalten, während der gegenüberliegende Bereich oberflächlich abtrocknen darf. Staunässe, vernässter Bodengrund und dauerhaft beschlagene Wände sind zu vermeiden. Eine geschlossene Laubschicht und flach aufliegende Kork- oder Rindenstücke schaffen sichere Häutungs- und Ruheplätze.
Bepflanzung und Einrichtung
Eine Bepflanzung ist für die separate Haltung nicht erforderlich, kann in einem Bioaktiv-Terrarium aber für Schatten und ein ausgeglicheneres Mikroklima sorgen. Pflanzen müssen ungedüngt sowie frei von Pflanzenschutzmitteln sein. Rund um empfindliche Wurzeln sollte der Boden nicht dauerhaft nass gehalten werden. Eine ausreichend gefütterte Kolonie konzentriert sich überwiegend auf abgestorbenes Material; bei sehr hoher Besatzdichte oder Futtermangel können weiche Keimlinge und geschwächtes Pflanzengewebe dennoch nicht sicher ausgeschlossen werden. Trockenlaub darf die Bodenoberfläche teilweise bedecken, sollte kleine Pflanzen jedoch nicht vollständig ersticken.
Klima und Beleuchtung
Bewährt hat sich ein gemäßigt warmes Klima von etwa 20–27 °C. Bei höheren Temperaturen steigen Aktivität, Futterverbrauch und Wasserverlust, sodass die feuchte Rückzugszone besonders zuverlässig kontrolliert werden muss. Dauerhafte Werte um oder über 29–30 °C verringern die Sicherheitsreserve und sollten vermieden werden. Entscheidend ist kein überall gleiches Feuchteniveau, sondern ein deutliches Wahlklima: Ein zusammenhängender Bereich bleibt feucht, der übrige Teil wird stärker belüftet und darf oberflächlich trockener sein. Als grobe Orientierung werden häufig 60–80 % relative Luftfeuchte genannt, doch der tatsächliche Zustand des Substrats ist aussagekräftiger als ein einzelner Messwert. Ein Wassernapf ist nicht erforderlich und kann für kleine Jungtiere zur Gefahr werden.
Fütterung und Wasserversorgung
Die dauerhafte Nahrungsgrundlage besteht aus schadstofffreiem, vollständig getrocknetem Laub von geeigneten Laubbäumen sowie weichem, weißfaulem Holz. Diese Vorräte sollten immer verfügbar sein und regelmäßig ergänzt werden. Kleine Portionen von Gemüse, beispielsweise Möhre, Kürbis oder Zucchini, bringen Abwechslung, müssen bei Schimmelbildung oder Verderb zeitnah entfernt werden. Zusätzlich benötigt die Kolonie gelegentlich eine sparsame Proteinquelle, etwa ein geeignetes Wirbellosenfutter oder wenige hochwertige Fischfutterflocken. Sepiaschale, fein zerstoßene Eierschale aus sicherer Quelle oder reines Calciumcarbonat können als Calciumquelle angeboten werden. Lieber knapp und kontrolliert zufüttern als große Mengen im Behälter verderben lassen.
Einzel- oder Gruppenhaltung
Porcellionides pruinosus ist eine gesellige Kolonieart, die in passenden Verstecken oft in größeren Gruppen ruht. Innerartliche Aggression spielt bei ausreichendem Platz und Futter normalerweise keine auffällige Rolle. Problematischer sind Überbesatz, verbrauchtes Substrat, Proteinmangel und fehlende Feuchterückzugsräume. Die Verwendung als Bodenbesatz in einem Terrarium setzt voraus, dass Temperatur, Feuchte und Bodengestaltung auch zur dort gepflegten Haupttierart passen. Viele Terrarientiere betrachten Asseln als Beute, weshalb eine stabile separate Reservekolonie sinnvoll ist. Das Zusammensetzen mit anderen Asselarten kann zu Nahrungskonkurrenz führen und erschwert die Bestandskontrolle. Springschwänze können als ergänzende Bodenfauna bei der Verwertung sehr kleiner Reste und bei der Schimmelkontrolle helfen.
Geschlechtsunterschiede
Die Geschlechter lassen sich am zuverlässigsten an der Unterseite geschlechtsreifer Tiere unterscheiden. Männchen besitzen umgebildete vordere Pleopoden, die der Spermienübertragung dienen. Weibchen entwickeln während der Fortpflanzung einen ventralen Brutraum. Äußerlich können Weibchen breiter und im mittleren Körperbereich stärker gewölbt wirken, während bei Männchen eine schlankere Einschnürung zwischen Brust- und Hinterleibsabschnitt erkennbar sein kann. Diese Formunterschiede sind bei kleinen oder jungen Tieren jedoch schwer zu beurteilen. Für eine sichere Bestimmung sind gute Beleuchtung, Vergrößerung und schonendes Handling notwendig.
Fortpflanzung und Eiablage
Bei Wärme, ausreichender Feuchte und gutem Futterangebot vermehrt sich die Art meist bereitwillig. Nach der Paarung trägt das Weibchen Eier und frühe Jungstadien geschützt in einem Brutraum an der Körperunterseite. Die Jungtiere verlassen diesen als kleine, bereits asselähnliche Manca-Stadien. Ein frei lebendes Larvenstadium und eine Puppe gibt es nicht. Für die Aufzucht sind fein strukturiertes Laub, weiches Totholz, gleichmäßige Feuchte in einem Teil des Behälters und ausreichend Calcium wichtig. Sehr feine Lüftungsgaze verhindert das Entweichen winziger Jungtiere. Da eine Kolonie schnell anwachsen kann, sollten Futterverbrauch, Substratzustand und Besatzdichte regelmäßig kontrolliert werden.
Entwicklung, Häutung und Metamorphose
Die Entwicklung verläuft direkt und lässt sich nicht mit der vollständigen oder unvollständigen Metamorphose von Insekten gleichsetzen. Bei einer vollständigen Metamorphose würden Ei, Larve, Puppe und erwachsenes Insekt aufeinanderfolgen; bei der unvollständigen Entwicklung eines Insekts fehlen Puppenstadien, und Nymphen nähern sich schrittweise der Adultform. Porcellionides pruinosus ist jedoch kein Insekt, sondern ein Krebstier. Die im Brutraum geschützten Jungtiere schlüpfen als Manca-Stadien, ähneln den Erwachsenen bereits deutlich und wachsen über wiederholte Häutungen. Dabei wird das siebte Laufbeinpaar erst im weiteren Verlauf vollständig ausgebildet. Frisch gehäutete Tiere sind weich und besonders auf feuchte, störungsarme Verstecke angewiesen.
Endgröße und Lebenserwartung
Ausgewachsene Tiere erreichen meist ungefähr 8–12 mm Körperlänge. Einzelne wissenschaftliche Fundmeldungen nennen auch größere Exemplare. Solche Unterschiede können mit Population, Geschlecht, Messmethode und dem diskutierten Artenkomplex zusammenhängen. Für die Haltung ist vor allem die schlanke, bewegliche Körperform charakteristisch. Das Hinterleibssegment ist deutlich schmaler als der vordere Körperabschnitt, und die vergleichsweise langen Beine ermöglichen eine auffallend schnelle Fortbewegung.
Abwehrverhalten und Sicherheit
Die wichtigste Schutzstrategie ist die schnelle Flucht in enge Spalten, unter Laub oder unter Rindenstücke. Anders als echte Rollasseln kann Porcellionides pruinosus den Körper nicht zu einer vollständig geschlossenen Kugel einrollen. Die Tiere besitzen weder Stachel noch Giftapparat und sind für den Menschen harmlos. Grobes Anfassen sollte dennoch vermieden werden, da Beine und Fühler verletzt werden können. Zum Umsetzen eignen sich ein weicher Pinsel, ein Stück Rinde oder ein Löffel mit etwas Substrat.
Nice-to-Know
Die typische Wildform wirkt graubraun bis violettbraun und trägt häufig einen blaugrauen, bereift erscheinenden Oberflächenbelag. Auf diesen Eindruck beziehen sich Namen wie Puder- oder Pulverassel. Orange oder helle Zuchtlinien sind im Hobby ebenfalls bekannt, dürfen ohne entsprechenden Artikelzusatz jedoch nicht automatisch angenommen werden. Der Name „Kubanische Assel“ ist ein etablierter deutscher Name, beschreibt aber nicht die tatsächliche Herkunft der ursprünglich mediterranen Art. Auch die technische Einordnung unter „Insekten“ ist zoologisch nicht korrekt: Asseln sind Krebstiere aus der Ordnung Isopoda.
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