Griechische Röhrenspinne, Eresus walckenaeri
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Griechische Röhrenspinne, Eresus walckenaeri
| Deutscher Name: | Griechische Röhrenspinne |
| Wissenschaftlich: | Eresus walckenaeri |
| Synonyme: | Mittelmeer-Röhrenspinne, Griechische Samtspinne |
| Herkunft: | Mittelmeerraum, besonders südliche Balkanhalbinsel, Griechenland, Italien und Türkei |
| Lebensweise: | Einzeln lebender Bodenbewohner mit oberflächennaher Seidenröhre |
| Aktivitätszeit: | Meist verborgen; am Gespinst bei Beute und Ausbau gut zu beobachten |
| Haltungstyp: | Trockenes, quer belüftetes Terrarium für Einzelhaltung |
| Mindestgröße des Terrariums: | Für adulte Tiere etwa 20 × 20 × 20 cm, mit geringer Fallhöhe |
| Temperatur und Luftfeuchtigkeit: | Warm, eher trocken und sehr gut belüftet; ungefähr 20–26 °C |
| Bodengrund: | Formstabile, überwiegend trockene Erde-Sand-Mischung |
| Verstecke und Gespinst: | Flache Korkstücke oder gesicherte Steine mit vielen Spinnankern |
| Futter: | Passend große Futterinsekten wie Fliegen, Grillen und Schaben |
| Gift und Abwehrverhalten: | Giftbiss möglich; keine Brennhaare, Handling dennoch vermeiden |
| Körpergröße und Beinspannweite: | Weibchen bis 40 mm Körperlänge, Männchen etwa 6–11 mm |
| Lebenserwartung: | Nur unzureichend dokumentiert; Weibchen vermutlich etwa 5–8 Jahre |
Herkunft und Lebensraum von Griechische Röhrenspinne (Eresus walckenaeri)
Eresus walckenaeri stammt aus dem Mittelmeerraum und ist vor allem aus dem östlichen und zentralen Mittelmeergebiet bekannt. Gesicherte Nachweise liegen unter anderem aus Albanien, Bulgarien, Griechenland einschließlich Kreta, Italien einschließlich Sizilien sowie aus dem europäischen und asiatischen Teil der Türkei vor. Innerhalb dieses großen Areals bewohnt die Griechische Röhrenspinne keine feuchten, dicht bewachsenen Waldstandorte, sondern bevorzugt sonnenwarme und eher trockene Lebensräume. Dazu zählen offene Grasflächen, steppenartige Hänge, lichte Kiefernwälder, Olivenhaine und felsige Bereiche mit lockerem Bewuchs. Häufig befindet sich ihr Gespinst geschützt unter einem Stein oder in einer flachen Bodenspalte. Anders als viele andere Arten der Gattung legt sie nicht zwingend einen tiefen, senkrechten Erdbau an. Ihre seidig ausgekleidete Wohnröhre kann unmittelbar unter einem flachen Gegenstand oder nahe der Bodenoberfläche verlaufen. Das natürliche Mikroklima ist von Wärme, guter Luftbewegung und trockenen Oberflächen geprägt. Unter Steinen bleiben die Bedingungen dennoch ausgeglichener als auf offenem Boden. Im Terrarium sollte daher nicht einfach eine heiße Wüstenfläche nachgebildet werden, sondern ein trockener, gut belüfteter Lebensraum mit geschützten Rückzugszonen.
Lebensweise und Haltungstyp
Die Art lebt überwiegend bodennah und einzeln. Ein großer Teil ihres Alltags spielt sich in einer dicht gesponnenen Wohnröhre ab, die zugleich Rückzugsort und Ausgangspunkt für die Jagd ist. Von der Öffnung ausgehende Fäden übertragen Bewegungen vorbeilaufender Beute. Weibchen bleiben ihrem Gespinst besonders eng verbunden, während geschlechtsreife Männchen deutlich beweglicher werden und auf Partnersuche umherlaufen. Die Spinne ist deshalb kein ständig frei sichtbares Schautier. Gerade der Ausbau der seidenen Tunnel und das blitzschnelle Ergreifen eines Futtertiers bieten jedoch spannende Beobachtungen.
Terrarium
Für ein adultes Einzeltier ist ein Terrarium von ungefähr 20 × 20 × 20 cm eine praxistaugliche Orientierung. Wichtiger als große Höhe sind ausreichend Bodenfläche, passende Spinnanker und ein zuverlässig schließender Deckel. Eresus walckenaeri kann an Scheiben und Gespinst hochklettern, ist aber keine echte Baumbewohnerin. Die Fallhöhe sollte daher klein bleiben. Schwere Steine müssen direkt auf einem stabilen Untergrund stehen und dürfen nicht auf lockerem Substrat kippen oder untergraben werden. Eine gute Querbelüftung verhindert feuchtwarme, stehende Luft. Die Haltung erfolgt einzeln, da eine dauerhafte Vergesellschaftung nicht als sicher anzusehen ist.
Bodengrund, Einrichtung und Fallhöhe
Geeignet ist eine formstabile Mischung aus ungedüngter Erde, Lehm und Sand. Sie sollte das Anlegen flacher Vertiefungen und das Befestigen einer Seidenröhre ermöglichen, ohne bei jeder Bewegung einzustürzen. Eine mehrere Zentimeter starke Schicht ist sinnvoll, auch wenn die Art häufig unter flachen Verstecken statt in tiefen Schächten wohnt. Die Oberfläche wird überwiegend trocken gehalten. Ein flaches Stück Korkrinde, eine leichte Tonscherbe oder ein sicher platzierter Stein schafft einen attraktiven Ansatzpunkt für den Rückzug. Kleine trockene Zweige und raue Strukturen erleichtern die Verankerung der Fangfäden. Scharfkantige Dekoration und schwere, ungesicherte Aufbauten sind ungeeignet.
Klima und Beleuchtung
Bewährt haben sich normale warme Raumtemperaturen von etwa 20–26 °C mit einer leichten Abkühlung in der Nacht. Dauerhafte Überhitzung und direkte Sonneneinstrahlung auf das Terrarium sind zu vermeiden. Die Haltung sollte eher trocken erfolgen, wobei gute Belüftung wichtiger ist als das Einstellen eines starren Luftfeuchtewerts. Zur Wasserversorgung kann abhängig von Tiergröße und Terrarium gelegentlich ein kleiner Bereich am Rand leicht angefeuchtet oder ein Tropfen an einer gut erreichbaren Stelle angeboten werden. Das gesamte Substrat darf dabei nicht nass werden. Zur notwendigen Feuchte bestehen in Haltungsberichten unterschiedliche Angaben; deshalb sind Verhalten, Gespinst und Zustand des Hinterleibs aufmerksam zu kontrollieren.
Fütterung und Wasserversorgung
Gefüttert werden lebende, hygienisch einwandfreie Wirbellose in einer zur Spinne passenden Größe. Je nach Entwicklungsstadium eignen sich Fruchtfliegen, kleine Fliegen, Grillen, Heimchen oder Schabennymphen. Beute wird häufig über die Signalfäden wahrgenommen, rasch gepackt und in die Wohnröhre gezogen. Eine mäßige Fütterung ist ausreichend; ein stark überdehnter Hinterleib erhöht bei Stürzen das Verletzungsrisiko. Nicht angenommene Futtertiere sollten zeitnah entfernt werden, insbesondere vor und während einer Häutung. Sehr wehrhafte oder große Beute kann eine frisch gehäutete Spinne verletzen.
Häutung
Vor einer Häutung zieht sich Eresus walckenaeri meist tief in ihr Gespinst zurück, verschließt Bereiche der Röhre und verweigert häufig die Nahrung. In dieser Phase darf das Gespinst weder geöffnet noch umgesetzt werden. Futtertiere sind zu entfernen, da die Spinne während und unmittelbar nach der Häutung kaum verteidigungsfähig ist. Der neue Außenpanzer und die Giftklauen müssen vollständig aushärten, bevor wieder kleine Beute angeboten wird. Bei Jungtieren kann dies wenige Tage dauern, bei größeren Exemplaren entsprechend länger. Entscheidend sind dunkel ausgehärtete Giftklauen und ein normal gefestigtes Erscheinungsbild, nicht ein starrer Fütterungskalender.
Einzelhaltung und sicherer Umgang
Die Griechische Röhrenspinne ist ein Beobachtungstier und sollte nicht auf die Hand genommen werden. Sie ist klein, kann überraschend schnell laufen und bei einem Sturz schwer verletzt werden. Zudem besitzt sie wie nahezu alle Webspinnen Giftdrüsen und kann bei Bedrängung beißen. Für Arbeiten im Terrarium sind ein Fangbecher, ein weicher Pinsel und eine ruhige, freie Arbeitsfläche sinnvoll. Das Tier sollte niemals mit den Fingern aus seiner Röhre gezogen werden. Auch häufiges Freilegen des Gespinstes verursacht unnötigen Stress und zerstört einen wichtigen Teil seines Lebensraums.
Geschlechtsunterschiede
Der Geschlechtsdimorphismus ist ausgesprochen deutlich. Weibchen sind wesentlich größer und kräftiger gebaut. Adulte Weibchen erscheinen überwiegend samtig schwarz; bei manchen Tieren ist am Vorder- oder Seitenrand des Hinterleibs eine gelbliche, orangefarbene oder rötliche Zeichnung erkennbar. Reife Männchen bleiben klein und tragen einen auffällig orange- bis rotfarbenen Hinterleib mit schwarzen Flecken. Helle Zeichnungselemente an den Beinen verstärken den Kontrast. Jungtiere und unreife Exemplare lassen sich anhand der Färbung nicht immer zuverlässig bestimmen. Eine sichere Geschlechtsbestimmung sollte deshalb nicht allein auf Handelsfotos oder einzelnen Farbmerkmalen beruhen.
Fortpflanzung
Die Nachzucht gehört in erfahrene Hände. Das reife Männchen wird nicht dauerhaft mit dem Weibchen vergesellschaftet, sondern kontrolliert an dessen Gespinst gesetzt. Vibrationen und Bewegungsmuster dienen der Verständigung, dennoch besteht für beide Tiere ein Verletzungsrisiko. Das Weibchen bewacht den Kokon in seinem Rückzug. Für diese Art werden sehr große Gelege und eine weiträumige Verbreitung der Jungtiere durch Fadenflug beschrieben. Wie bei Röhrenspinnen kann die mütterliche Fürsorge bis zur Versorgung der Nachkommen aus dem eigenen Körper und zur Matriphagie reichen. Eine Zucht muss daher lange vor der Paarung geplant werden: Zahlreiche ausbruchsichere Aufzuchtbehälter, sehr kleine Futtertiere und ausreichend Zeit sind unverzichtbar. Angaben zu Gelegegröße und Entwicklungsdauer schwanken deutlich und sollten für den jeweiligen Zuchtstamm geprüft werden.
Größe und Lebenserwartung
Männchen erreichen etwa 6–11 mm Körperlänge. Weibchen sind erheblich größer und können nach arachnologischen Fachangaben bis zu 40 mm Körperlänge erreichen, womit die Art zu den größten europäischen Röhrenspinnen zählt. Im Handel werden jedoch häufig deutlich kleinere adulte Maße genannt. Die Beinspannweite ist in der Fachliteratur weniger einheitlich dokumentiert; bei großen Weibchen kann sie grob um 4–5 cm liegen. Geschlecht, Alter, Ernährungszustand und Herkunftslinie beeinflussen den Eindruck erheblich. Körperlänge und Beinspannweite dürfen daher nicht miteinander verwechselt werden.
Gift, Brennhaare und Sicherheit
Bei Störung zieht sich die Art meist in ihre Seidenröhre zurück, kann sich bei massiver Bedrängung jedoch mit einem Biss verteidigen. Das Gift dient dem Beutefang; belastbare klinische Daten zu Bissen dieser konkreten Art sind rar. Schmerzen, Rötung oder Schwellung können nicht ausgeschlossen werden. Direkter Kontakt ist deshalb zu vermeiden. Nach einem Biss sollte die Stelle gereinigt und der Verlauf beobachtet werden; bei deutlichen, zunehmenden oder allgemeinen Beschwerden ist medizinischer Rat einzuholen. Brennhaare wie bei vielen Vogelspinnen besitzt Eresus walckenaeri nicht. Das macht sie jedoch weder zu einem Handtier noch völlig risikofrei.
Nice-to-Know
Das rosa bis gelblich schimmernde, kräftige Gespinst der Griechischen Röhrenspinne ist ebenso charakteristisch wie der enorme Größenunterschied zwischen den Geschlechtern. Die auffällige rot-schwarze Färbung gehört vor allem zum erwachsenen Männchen; ein dunkles Weibchen ist deshalb keineswegs weniger typisch. Eresus walckenaeri ist keine Vogelspinne, sondern eine echte Webspinne aus der Familie Eresidae. Ihre besondere Wirkung entfaltet sie nicht durch ständige Aktivität, sondern durch den allmählichen Bau einer verzweigten, stabilen Seidenwohnung.
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