Queensland-Pfeifvogelspinne, Selenocosmia crassipes
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Queensland-Pfeifvogelspinne, Selenocosmia crassipes
| Deutscher Name: | Queensland-Pfeifvogelspinne |
| Wissenschaftlich: | Selenocosmia crassipes |
| Synonyme: | Queensland-Vogelspinne, Australische Pfeifvogelspinne, Queensland Whistling Tarantula, Barking Spider |
| Herkunft: | Australien, Queensland; Schwerpunkt im mittleren Osten des Bundesstaates |
| Lebensweise: | Ausgeprägter Boden- und Röhrenbewohner, einzeln zu halten |
| Aktivitätszeit: | Vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, meist am Röhreneingang lauernd |
| Haltungstyp: | Bodenterrarium mit großer Substrattiefe und geringer Fallhöhe |
| Mindestgröße des Terrariums: | Für adulte Tiere etwa 40 × 30 × 30–40 cm, mit viel grabfähigem Boden |
| Temperatur und Luftfeuchtigkeit: | Etwa 23–27 °C, nachts etwas kühler; untere Bodenschichten mäßig feucht |
| Bodengrund: | Mindestens 20–25 cm stabile, grabfähige Erde-Lehm-Mischung |
| Verstecke und Gespinst: | Tiefe Wohnröhre mit Gespinstauskleidung; eine Startröhre erleichtert den Einzug |
| Futter: | Passend große Schaben, Grillen, Heimchen und Heuschrecken |
| Gift und Abwehrverhalten: | Schnell und wehrhaft; Stridulation, Drohhaltung und schmerzhafter Giftbiss möglich |
| Körpergröße und Beinspannweite: | Etwa 6 cm Körperlänge und rund 16 cm Beinspannweite |
| Lebenserwartung: | Weibchen etwa 10–20 Jahre, möglicherweise länger; Männchen deutlich kürzer |
Herkunft und Lebensraum von Queensland-Pfeifvogelspinne (Selenocosmia crassipes)
Selenocosmia crassipes stammt aus Australien und ist nach aktueller taxonomischer Einordnung auf Queensland beschränkt. Als gesicherter Schwerpunkt gilt das mittlere östliche Queensland; die ursprüngliche Beschreibung geht auf Material aus der Umgebung von Bowen zurück. Auch historische Nachweise beziehungsweise später synonymisierte Namen beziehen sich auf Fundorte bei Mackay und Cape Upstart. Gerade bei australischen Vogelspinnen ist die genaue Verbreitung dennoch mit Bedacht anzugeben: Die Fauna ist noch nicht vollständig aufgearbeitet, und äußerlich ähnliche Tiere aus weiter nördlich gelegenen Regionen wurden im Handel wiederholt unter diesem Namen angeboten. Im natürlichen Lebensraum führt die Art ein verborgenes Leben im Boden. Weibchen bewohnen dauerhaft tiefe, mit Seide ausgekleidete Röhren, deren Eingang von Pflanzenresten, Gras oder ausgeworfenem Erdmaterial umgeben sein kann. Solche Bauten puffern Hitze, Trockenphasen und starke Wetterschwankungen ab. Bei australischen Vogelspinnen wurden Röhrentiefen von etwa 40 bis 100 cm beobachtet. Nach kräftigem Regen können Tiere zeitweise außerhalb ihres Baus erscheinen. Für die Terrarienhaltung ist daher nicht eine dauerhaft tropisch-nasse Oberfläche entscheidend, sondern ein tiefes, strukturstabiles Substrat mit mäßig feuchten unteren Schichten und gutem Luftaustausch.
Lebensweise und Haltungstyp
Diese große Vogelspinne ist eine konsequente Röhrenbewohnerin. Nach dem Einsetzen nimmt sie eine vorbereitete Vertiefung häufig an und erweitert diese zu einem verzweigten, innen ausgesponnenen Bau. Ein großer Teil ihres Verhaltens bleibt unterirdisch verborgen. Bei Dunkelheit sitzt sie mitunter am Eingang und reagiert dort auf Erschütterungen oder vorbeilaufende Beute. Das Terrarium sollte nicht ständig umgestaltet werden, denn die selbst angelegte Röhre ist Rückzugsraum, Jagdplatz und Häutungskammer zugleich. Selenocosmia crassipes wird einzeln gehalten; eine dauerhafte Vergesellschaftung birgt ein erhebliches Verletzungs- und Verlustrisiko.
Terrarium
Für ein adultes Tier eignet sich ein standsicher verschlossenes Bodenterrarium von ungefähr 40 × 30 × 30 bis 40 cm. Die Grundfläche muss ausreichend Raum für eine vollständige Wohnröhre bieten, wichtiger als große Höhe ist jedoch eine Substratschicht von mindestens 20 bis 25 cm. Oberhalb des Bodens sollte nur wenig freie Fallhöhe verbleiben, da der schwere Hinterleib bei einem Absturz lebensgefährlich verletzt werden kann. Seitliche und obere Lüftungsflächen unterstützen den Luftaustausch. Schiebetüren und Kabelöffnungen müssen zuverlässig gesichert sein, weil die kräftige und schnelle Spinne kleine Schwachstellen nutzen kann.
Bodengrund, Einrichtung und Fallhöhe
Bewährt hat sich eine kompakte Mischung aus ungedüngter Erde, lehmhaltigem Terrarienboden und einem kleineren Anteil Kokoshumus oder Sand. Das Substrat muss Röhren tragen können, ohne trocken zu zerfallen oder nass zusammenzusacken. Es wird lagenweise eingefüllt und leicht angedrückt. Eine schräg angesetzte Startröhre unter einem Stück Korkrinde gibt der Spinne einen geschützten Ausgangspunkt. Die unteren Bereiche bleiben mäßig feucht, während die Oberfläche zwischen den Wassergaben etwas abtrocknen darf. Staunässe, durchnässter Boden und muffige Luft sind ebenso zu vermeiden wie eine vollständig ausgetrocknete Wohnröhre.
Klima und Beleuchtung
Im Terrarium sind tagsüber etwa 23 bis 27 °C sinnvoll; nachts darf die Temperatur auf ungefähr 20 bis 23 °C sinken. Eine punktuelle Wärmequelle wird nur außerhalb des Beckens und thermostatisch geregelt eingesetzt, niemals unter dem grabfähigen Boden. Statt eine starre Luftfeuchte zu erzwingen, sollte ein Feuchtegefälle geschaffen werden: unten mäßig feucht, oben überwiegend abgetrocknet, dazu stets eine gefüllte Wasserschale. Werte um etwa 65 bis 80 % können zeitweise auftreten, entscheidend sind aber Substratzustand und Luftaustausch. Dauerhaft beschlagene Scheiben, stehende Nässe oder Schimmel weisen auf zu viel Wasser beziehungsweise zu geringe Lüftung hin.
Fütterung und Wasserversorgung
Geeignet sind abwechslungsreich angebotene Futtertiere wie Schaben, Grillen, Heimchen und Heuschrecken. Die Beute sollte zur Größe der Spinne passen und sich sicher überwältigen lassen. Adulte Tiere werden meist etwa alle ein bis zwei Wochen gefüttert; Körperzustand, Temperatur und Aktivität sind dabei aussagekräftiger als ein starrer Kalender. Jungtiere nehmen entsprechend kleinere Portionen in kürzeren Abständen. Nicht angenommene Futtertiere und Beutereste werden entfernt, besonders vor einer Häutung. Wirbeltiere sind für eine bedarfsgerechte Ernährung weder notwendig noch empfehlenswert. Frisches Wasser muss unabhängig von der Fütterung jederzeit bereitstehen.
Häutung
Vor einer Häutung zieht sich Selenocosmia crassipes oft vollständig zurück, verweigert Futter und verschließt den Eingang ihrer Wohnröhre mit Erde und Gespinst. Diese Ruhephase darf nicht durch Aufgraben oder häufiges Kontrollieren gestört werden. Lebende Futtertiere sind zu entfernen, da sie eine wehrlose Spinne während der Häutung verletzen können. Die unteren Bodenschichten sollten gleichmäßig mäßig feucht bleiben, ohne die Röhre zu fluten. Nach der Häutung benötigt der neue Außenpanzer Zeit zum Aushärten. Bei großen Tieren wird erst wieder gefüttert, wenn die Giftklauen vollständig dunkel und fest erscheinen, häufig nach mindestens sieben bis vierzehn Tagen.
Einzelhaltung und sicherer Umgang
Diese Art ist kein Tier zum Anfassen. Sie kann sehr schnell beschleunigen, defensiv reagieren und mit ihren kräftigen Giftklauen tief in die Haut eindringen. Pflegemaßnahmen erfolgen ruhig mit langen Werkzeugen und bei geschlossenen Raumtüren. Für unvermeidbare Umsetzungen sind eine ausreichend große Fangdose, ein transparenter Leitbehälter und ein vorher geplanter Arbeitsablauf wesentlich sicherer als direkter Kontakt. Auch ein scheinbar ruhiges Tier kann unvermittelt flüchten oder drohen. Zusätzlich besteht beim Herausnehmen ein erhebliches Absturzrisiko für die Spinne.
Geschlechtsunterschiede
Adulte Weibchen wirken gewöhnlich kräftiger und behalten ihren gedrungenen Körperbau. Geschlechtsreife Männchen sind meist schlanker, langbeiniger und besitzen deutlich verdickte Endglieder der Pedipalpen mit den Begattungsorganen. Nach der Reifehäutung wandern sie häufiger und nehmen oft unregelmäßiger Nahrung an. Eine zuverlässige Bestimmung gelingt am besten über die Innenseite einer gut erhaltenen Exuvie. Körperform, Wachstumsgeschwindigkeit oder Verhalten allein reichen für eine sichere Geschlechtszuordnung nicht aus.
Fortpflanzung
Die Nachzucht gehört in erfahrene Hände, da beide Tiere schnell und wehrhaft sind. Ein geschlechtsreifes, gut genährtes Weibchen benötigt eine stabile Wohnröhre und sollte vor der Verpaarung nicht unnötig gestört werden. Das Männchen wird kontrolliert an das Terrarium des Weibchens gesetzt; der Kontakt muss aus sicherer Entfernung beobachtet und eine Trennung jederzeit ermöglicht werden. Nach erfolgreicher Paarung kann das Weibchen seine Röhre über längere Zeit verschließen und einen Eikokon darin bewachen. Aufgraben, häufige Kontrollen und starke Änderungen von Feuchte oder Temperatur erhöhen das Risiko, dass der Kokon aufgegeben oder beschädigt wird. Belastbare artspezifische Angaben zur Kokongröße schwanken, weshalb keine feste Nachkommenzahl angesetzt werden sollte.
Größe und Lebenserwartung
Gesicherte Museumsangaben nennen für Selenocosmia crassipes ungefähr 6 cm Körperlänge und rund 16 cm Beinspannweite. Im Handel werden gelegentlich Beinspannweiten von 20 bis 22 cm und größere Körpermaße genannt. Solche Maximalwerte sollten vorsichtig bewertet werden, da australische Vogelspinnen häufig fehlbestimmt wurden und unter dem Artnamen offenbar auch andere Formen kursierten. Weibchen sind gewöhnlich massiger als adulte Männchen. Für die Beurteilung zählt die gestreckte Beinspannweite nur bedingt; Körperlänge und Carapaxmaße ermöglichen besser vergleichbare Angaben.
Gift, Brennhaare und Sicherheit
Bei Störung kann die Queensland-Pfeifvogelspinne die Vorderbeine anheben, die Giftklauen zeigen und durch Reiben spezialisierter Strukturen ein deutliches Zischen oder Pfeifen erzeugen. Diese Stridulation ist eine ernst zu nehmende Warnung. Anders als viele amerikanische Vogelspinnen besitzt sie keine Brennhaare am Hinterleib. Ihre Verteidigung beruht auf Rückzug, Drohverhalten und nötigenfalls einem Biss. Die großen Klauen verursachen mechanisch schmerzhafte Verletzungen; zusätzlich können lokale Schmerzen und in Einzelfällen Übelkeit oder Erbrechen auftreten. Nach einem Biss ist medizinischer Rat einzuholen. Hunde sind gegenüber dem Gift australischer Vogelspinnen besonders empfindlich und müssen zuverlässig vom Terrarium ferngehalten werden.
Nice-to-Know
Der gebräuchliche Name bezieht sich auf das hörbare Warnsignal, nicht auf einen eigentlichen Ruf. Die Spinne erzeugt den Laut mechanisch durch Stridulation. Taxonomisch begegnet die Art weiterhin häufig als Phlogius crassipes. Der international geführte Spezialkatalog akzeptiert derzeit jedoch Selenocosmia crassipes und behandelt Phlogius als Synonym. Die Artzuordnung von Handelstieren bleibt ohne dokumentierte Herkunft und fachkundige Untersuchung unsicher. Gerade vermeintliche Tiere aus dem äußersten Norden Queenslands sollten deshalb nicht allein nach Färbung oder Handelsbezeichnung bestimmt werden.
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