Mexikanische rosagraue Vogelspinne, Tliltocatl verdezi
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Mexikanische rosagraue Vogelspinne, Tliltocatl verdezi
| Deutscher Name: | Mexikanische rosagraue Vogelspinne |
| Wissenschaftlich: | Tliltocatl verdezi |
| Synonyme: | Mexikanische Rosa-Grau-Vogelspinne, Mexican Rose Grey Tarantula, Tarántula mexicana rosa-gris |
| Herkunft: | Mexiko, vor allem Guerrero in der Sierra Madre del Sur |
| Lebensweise: | Bodenbewohnend und grabend; nutzt selbst angelegte oder erweiterte Wohnröhren |
| Aktivitätszeit: | Dämmerungs- und nachtaktiv, häufig am Eingang des Verstecks zu beobachten |
| Haltungstyp: | Einzelhaltung im niedrigen, gut belüfteten Bodenterrarium |
| Mindestgröße des Terrariums: | Für adulte Tiere etwa 30 × 30 × 25–30 cm, gern mit zusätzlicher Grundfläche |
| Temperatur und Luftfeuchtigkeit: | Tagsüber etwa 22–26 °C, nachts mäßig kühler; trockene Oberfläche mit lokaler Feuchtezone |
| Bodengrund: | Mindestens 10–15 cm grabfähiges, standfestes Erdgemisch, oberflächlich überwiegend trocken |
| Verstecke und Gespinst: | Vorgeformtes Versteck aus Kork oder stabiler Wurzel; Gespinst vor allem am Röhreneingang |
| Futter: | Passend große Heimchen, Grillen, Schaben und andere geeignete Futterinsekten |
| Gift und Abwehrverhalten: | Brennhaare der Typen I und III; bei Bedrängung außerdem Giftbiss möglich |
| Körpergröße und Beinspannweite: | Weibchen etwa 6,5 cm, Männchen etwa 5,5 cm Körperlänge; meist 12–15 cm Beinspannweite |
| Lebenserwartung: | Weibchen häufig etwa 15–25 Jahre, Männchen meist ungefähr 5–7 Jahre insgesamt |
Herkunft und Lebensraum von Mexikanische rosagraue Vogelspinne (Tliltocatl verdezi)
Tliltocatl verdezi ist eine mexikanische Vogelspinne mit einem vergleichsweise begrenzten Verbreitungsschwerpunkt im Bundesstaat Guerrero. Verlässliche Nachweise liegen vor allem aus der Sierra Madre del Sur rund um Chilpancingo sowie aus dem weiteren Küstenhinterland von Acapulco vor. Die Art besiedelt dort subtropische Trockenwälder, laubabwerfende Sekundärwälder, Dornbuschlandschaften, Grasflächen und offenere Übergangszonen. Modellierte Fundbereiche reichen vom pazifischen Tiefland bis in höhere Lagen; daraus sollte jedoch nicht abgeleitet werden, dass jedes Tier dauerhaft heiß oder ausgesprochen trocken lebt. Die Spinnen ziehen sich in steil abfallende Erdröhren mit einer geschützten Endkammer zurück. Solche Verstecke liegen häufig unter großen Steinen, Wurzeln oder anderem festen Bodenmaterial und bieten ein deutlich ausgeglicheneres Mikroklima als die Umgebung. Einzelne Tiere kommen auch in extensiv genutzten Weide- und Ackerlandschaften zurecht, sofern dort geeignete Rückzugsplätze vorhanden sind und keine intensive Pestizidbelastung besteht. Angaben zu einem regelmäßigen Vorkommen bis Oaxaca werden unterschiedlich bewertet und sollten nicht als gesicherte flächige Verbreitung dargestellt werden.
Lebensweise und Haltungstyp
Diese Art lebt bodennah und besitzt einen ausgeprägten Bezug zu geschützten Erdröhren. Sie kann eine vorhandene Vertiefung unter Kork, Wurzeln oder stabilen Steinen übernehmen und anschließend ausbauen. Am Eingang wird häufig eine dünne Gespinstmatte angelegt, über die sich Bewegungen potenzieller Beute wahrnehmen lassen. Zeitweise kann die Öffnung vollständig versponnen werden, beispielsweise vor einer Häutung oder während längerer Ruhephasen. Besonders in der Dämmerung sitzt die Spinne gern nahe am Röhreneingang. Manche adulte Tiere zeigen sich regelmäßig auf der Oberfläche, dennoch muss jederzeit mit einem schnellen Rückzug oder kurzen Fluchtsprint gerechnet werden. Eine Vergesellschaftung ist nicht angezeigt; die Haltung erfolgt einzeln.
Terrarium
Für ein adultes Tier eignet sich ein niedriges Bodenterrarium von ungefähr 30 × 30 × 25–30 cm. Eine größere Grundfläche, beispielsweise 40 × 30 cm, bietet zusätzlichen Raum für eine strukturierte Feuchtezone und eine ausgedehnte Wohnröhre. Entscheidend ist weniger große Höhe als ausreichend tiefer Bodengrund. Zwischen Substratoberfläche und Deckel sollte nur eine geringe freie Fallstrecke verbleiben, denn der schwere Hinterleib einer Vogelspinne kann bereits bei einem kurzen Sturz verletzt werden. Harte Steine oder spitze Dekoration dürfen nicht ungesichert im Laufbereich liegen. Türen, Deckel und Lüftungsöffnungen müssen ausbruchsicher schließen, ohne die notwendige Querlüftung einzuschränken.
Bodengrund, Einrichtung und Fallhöhe
Ein mindestens 10–15 cm hoher, nach hinten gern stärker ansteigender Bodengrund ermöglicht den arttypischen Röhrenbau. Geeignet ist ein grabfähiges Gemisch aus ungedüngter Erde, lehmigen Anteilen und etwas Kokoshumus, das sich leicht verdichten lässt und nach dem Antrocknen formstabil bleibt. Reiner, lockerer Sand ist ungeeignet, weil Röhren darin leicht einbrechen. Die Oberfläche darf überwiegend trocken sein; in tieferen Schichten und in einer begrenzten Ecke sollte eine leichte Restfeuchte erhalten bleiben. Das Substrat darf weder staubtrocken noch dauerhaft nass und sumpfig werden. Korkrinde oder eine halbe Korkröhre wird schräg in den Boden eingelassen und dient als sicherer Ansatzpunkt für den Ausbau des Verstecks.
Klima und Beleuchtung
Bewährt hat sich ein mäßig warmes Klima mit etwa 22–26 °C am Tag und einer leichten nächtlichen Absenkung. Kurzfristige Schwankungen sind natürlicher als dauerhaft hohe Temperaturen. Direkte, unkontrollierte Bodenheizung ist zu vermeiden, weil sich die Spinne bei Wärme normalerweise tiefer zurückzieht und dort durch eine Heizmatte zusätzlich aufgeheizt würde. Das Terrarium wird gut belüftet und nicht flächig vernässt. Eine stets gefüllte, flache Wasserschale sowie eine gelegentlich leicht angefeuchtete Substratecke schaffen ein sinnvolles Feuchtegefälle. Die obere Bodenschicht darf dazwischen abtrocknen. Dauerhaft beschlagene Scheiben, nasser Boden und stehende Luft sind Warnzeichen für ein zu feuchtes Milieu.
Fütterung und Wasserversorgung
Tliltocatl verdezi überwältigt bodenlebende Beute und nimmt in Terrarienhaltung unter anderem Heimchen, Grillen, geeignete Schaben und Heuschrecken an. Das Futtertier sollte zur Größe und zum Ernährungszustand der Spinne passen. Statt nach einem starren Kalender wird die Futtermenge am Hinterleib und am Verhalten ausgerichtet. Adulte Tiere kommen mit längeren Abständen zwischen den Mahlzeiten aus und können besonders vor einer Häutung wochenlang fasten. Nicht gefressene Futtertiere werden zeitnah entfernt. Das ist während einer bevorstehenden oder frisch abgeschlossenen Häutung besonders wichtig, da selbst ein Heimchen eine wehrlose Spinne verletzen kann. Frisches Wasser muss unabhängig von der Futteraufnahme jederzeit verfügbar sein.
Häutung
Vor der Häutung lässt die Fressbereitschaft meist deutlich nach, der Hinterleib kann dunkler erscheinen und der Rückzugsort wird häufig stärker versponnen oder verschlossen. In dieser Phase darf die Wohnröhre nicht geöffnet werden. Futtertiere sind zu entfernen, Erschütterungen und größere Pflegearbeiten werden vermieden. Während der Häutung liegt die Spinne oft auf dem Rücken; dies ist ein normaler Ablauf und kein Grund zum Eingreifen. Anschließend sind Körper und Giftklauen zunächst weich. Erst wenn die Klauen wieder vollständig dunkel und der neue Außenpanzer ausgehärtet sind, darf erneut gefüttert werden. Je nach Alter und Größe kann das mehrere Tage dauern. Adulte Weibchen häuten sich in der Natur typischerweise ungefähr einmal jährlich, doch individuelle Abstände in Haltung können deutlich abweichen.
Einzelhaltung und sicherer Umgang
Diese Vogelspinne ist ein Beobachtungstier und sollte nicht auf die Hand genommen werden. Auch ein bislang ruhiges Exemplar kann plötzlich flüchten, Brennhaare abstreifen oder bei massiver Bedrängung beißen. Für Pflegemaßnahmen sind lange Pinzetten, Fangbecher und ein ruhig vorbereiteter Arbeitsbereich sinnvoll. Besonders kritisch ist die Sturzgefahr: Ein Fall aus Handhöhe kann den Hinterleib schwer verletzen. Brennhaare dürfen nicht in Augen oder Atemwege gelangen; nach Arbeiten im Terrarium werden die Hände gewaschen und Gesicht sowie Augen nicht berührt. Kinder und Haustiere sollten keinen unbeaufsichtigten Zugang zum Terrarium haben.
Geschlechtsunterschiede
Adulte Weibchen sind gewöhnlich kräftiger gebaut und erreichen etwa 6,5 cm Körperlänge, während ausgewachsene Männchen mit ungefähr 5,5 cm Körperlänge meist schlanker und langbeiniger wirken. Geschlechtsreife Männchen besitzen verdickte Bulben an den Pedipalpen und artspezifische Fortsätze an den Tibien des ersten Beinpaares. Am zuverlässigsten lässt sich das Geschlecht vor der Reife anhand einer gut erhaltenen Exuvie bestimmen. Eine reine Beurteilung von Färbung oder Körperform bleibt besonders bei jüngeren Tieren unsicher. Weibchen leben erheblich länger; adulte Männchen stellen nach ihrer Reife häufig den Wohnröhrenbau zurück und suchen aktiver nach einem Weibchen.
Fortpflanzung
Die Nachzucht gehört in erfahrene Hände, da beide Tiere einzeln leben und bei einer unkontrollierten Zusammenführung Verletzungs- und Kannibalismusgefahr besteht. Ein adultes Männchen wird erst nach dem Bau eines Spermanetzes unter Aufsicht in das Terrarium eines gut konditionierten Weibchens gesetzt. Typische Balzsignale bestehen aus rhythmischem Trommeln und Vibrationen. Nach der Paarung muss das Männchen sicher ausweichen können und wird wieder getrennt. Aus Freilandbeobachtungen ist eine Paarungsaktivität vom späteren Abschnitt der Regenzeit bis in den Beginn der Trockenzeit bekannt. Kokons entstehen dort überwiegend während trockenerer Wintermonate; die Jungtiere schlüpfen ungefähr zwei Monate später. Diese jahreszeitlichen Angaben sind eine Orientierung, aber keine Zuchtgarantie für Terrarienbestände.
Größe und Lebenserwartung
Gesicherte Artprofile nennen ungefähr 65 mm Körperlänge für Weibchen und etwa 55 mm für Männchen. In der Terraristik wird für ausgewachsene Tiere meist eine Beinspannweite von ungefähr 12–15 cm angegeben. Die tatsächliche Endgröße hängt unter anderem von Geschlecht, Entwicklungsverlauf und individueller Körperform ab. Die Körperlänge wird ohne ausgestreckte Beine gemessen und darf daher nicht mit der deutlich größeren Beinspannweite verwechselt werden.
Gift, Brennhaare und Sicherheit
Als neuweltliche Vogelspinne verfügt Tliltocatl verdezi über Brennhaare der Typen I und III. Bei Störung kann sie diese mit den Hinterbeinen vom Hinterleib abstreifen. Hautkontakt verursacht möglicherweise Juckreiz und Reizungen; in Augen und Atemwegen können die feinen Haare erheblich problematischer sein. Zusätzlich besitzt die Art Giftklauen und kann bei starker Bedrängung beißen. Eine artspezifisch belastbare klinische Bewertung der Giftwirkung beim Menschen liegt nicht vor. Ein Biss kann Schmerzen, Schwellung und weitere Beschwerden auslösen und sollte nicht bagatellisiert werden. Bei Augenexposition, Atemproblemen, ausgeprägten Reaktionen oder einem Biss ist medizinischer Rat einzuholen.
Nice-to-Know
Die Art fällt durch dunkle Beine, einen warm braunen bis rötlich wirkenden Vorderkörper und rosagraue bis rötliche Haare auf dem Hinterleib auf. Nach einer Häutung erscheinen die Farben meist besonders klar. Vor ihrer wissenschaftlichen Beschreibung wurde sie im Hobby teilweise fälschlich als Aphonopelma pallidum oder Brachypelma pallidum gehandelt. Diese Bezeichnungen sind keine wissenschaftlichen Synonyme von Tliltocatl verdezi. Die früher korrekte Kombination Brachypelma verdezi wurde dagegen im Zuge einer taxonomischen Revision in die neu aufgestellte Gattung Tliltocatl überführt. Als artenschutzrechtlich regulierte Vogelspinne sollte sie nur mit nachvollziehbarem Herkunftsnachweis erworben werden.
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