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Gestreifte Samtspinne, Stegodyphus lineatus

Trocken und luftig

Benötigt trockene Luft und eine wirksame Querlüftung.

Markantes Gespinst

Baut zwischen Zweigen einen dichten röhrenartigen Rückzug.

Solitär als Adulttier

Adulte Tiere werden sicherheitshalber einzeln gepflegt.

Spannende Brutpflege

Zeigt intensive Mutterpflege bis hin zur Matriphagie.

Gestreifte Samtspinne, Stegodyphus lineatus


Auf einen Blick: Gestreifte Samtspinne, Stegodyphus lineatus
Deutscher Name:Gestreifte Samtspinne
Wissenschaftlich:Stegodyphus lineatus
Synonyme:Gestreifte Röhrenspinne, Linierte Samtspinne, Wüstensamtspinne, Lined Velvet Spider
Herkunft:Südeuropa und Nordafrika bis Zentral- und Ostasien
Lebensweise:Adulte Tiere überwiegend solitär, Jungtiere zeitweise gesellig
Aktivitätszeit:Lauerjäger im Gespinst, reagiert auf Beutevibrationen
Haltungstyp:Strauch- und Gespinstbewohner
Mindestgröße des Terrariums:Für adulte Einzeltiere etwa 20 × 20 × 20 cm
Temperatur und Luftfeuchtigkeit:Etwa 22–26 °C, trocken und sehr gut belüftet
Bodengrund:Trockene Sand-Erde-Mischung mit geringer Absturzhöhe
Verstecke und Gespinst:Viele dünne Zweige für Fangnetz und röhrenartigen Rückzug
Futter:Passend große Fliegen, Grillen, Schaben und andere Futterinsekten
Gift und Abwehrverhalten:Giftbiss möglich; keine Brennhaare, direkte Handhabung vermeiden
Körpergröße und Beinspannweite:Körperlänge Weibchen 10–23 mm, Männchen 8–15 mm; Beinspannweite grob bis 4–5 cm
Lebenserwartung:Im Freiland meist einjähriger Zyklus; Haltungsdauer variabel
Im Detail: Gestreifte Samtspinne, Stegodyphus lineatus

Herkunft und Lebensraum von Gestreifte Samtspinne (Stegodyphus lineatus)

Stegodyphus lineatus besitzt ein bemerkenswert großes Verbreitungsgebiet. Gesicherte Nachweise reichen von Südeuropa über Nordafrika und den östlichen Mittelmeerraum bis nach Zentralasien und China. Innerhalb dieses Areals lebt die Art vor allem in sonnigen, trockenen bis halbtrockenen Landschaften. Typische Fundorte sind lichte Gebüsche, niedrige Sträucher, Hochstaudenbestände und saisonal trockene Wasserläufe. Besonders geeignete Pflanzen bieten feste Ansatzpunkte für das Gespinst und schützen den dicht versponnenen Rückzug vor größeren Pflanzenfressern und direkter Störung. Die Spinne gräbt keine klassische Erdröhre, sondern errichtet zwischen Zweigen einen röhren- bis trichterartigen Wohnbereich aus dichter Seide, Pflanzenstücken und Beuteresten. Daran schließen sich flächige Fangfäden aus cribellater Seide an, in denen vor allem fliegende oder springende Gliederfüßer hängen bleiben. Trotz ihrer Herkunft aus warmen Regionen sitzt die Art nicht ungeschützt in dauerhafter Hitze. Das Gespinst schafft unterschiedliche Mikrobereiche, zwischen denen das Tier je nach Sonneneinstrahlung und Temperatur wechseln kann. Für die Terrarienhaltung ist deshalb nicht maximale Wärme, sondern ein trockener, heller und zugleich vor Überhitzung geschützter Standort mit kräftigem Luftaustausch entscheidend.

Lebensweise und Haltungstyp

Die Gestreifte Samtspinne ist eine standorttreue Gespinstbewohnerin. Sie verbringt viel Zeit verborgen in ihrem dichten Seidenrückzug und stürzt bei passenden Schwingungen auf Beute im vorgelagerten Fangnetz. Jungtiere leben nach dem Schlupf zunächst gemeinsam im mütterlichen Nest und zeigen damit eine subsociale Entwicklungsphase. Nach der Ausbreitung führen adulte Tiere jedoch überwiegend ein solitäres Leben. Eine dauerhafte Gruppenhaltung erwachsener Tiere ist daher nicht mit den sozialen Kolonien anderer Stegodyphus-Arten gleichzusetzen und sollte ohne fundierte Erfahrung nicht versucht werden.

Terrarium

Für ein adultes Einzeltier eignet sich ein gut belüfteter Behälter von ungefähr 20 × 20 × 20 cm. Wichtiger als viel freie Höhe ist eine sinnvoll strukturierte Grundfläche mit zahlreichen leichten Zweigen. Die Spinne benötigt mehrere Ansatzpunkte, um ihren röhrenartigen Rückzug und vorgelagerte Fangflächen anzulegen. Da auch kleine Spinnen bei einem Sturz verletzt werden können, sollte die freie Fallstrecke gering bleiben. Schwere Steine oder instabil aufgestellte Dekoration gehören nicht unter erhöhte Gespinstbereiche. Sehr große, leere Terrarien erschweren zudem die Kontrolle von Futterresten und Beuteannahme.

Bodengrund, Einrichtung und Fallhöhe

Eine etwa 3–5 cm hohe, trockene Mischung aus ungedüngter Erde und Sand ist zweckmäßig. Sie dient weniger zum Graben als zur Aufnahme kleiner Feuchtigkeitsmengen und zur Dämpfung möglicher Stürze. Eine dünne Lage aus trockenem Laub oder feinen Pflanzenstücken kann dem Tier zusätzliches Baumaterial bieten. Staubfeiner, tief lockerer Sand ist ebenso ungeeignet wie dauerhaft feuchte Erde. Alle Zweige müssen fest stehen, dürfen aber nicht so schwer sein, dass sie beim Lösen des Gespinsts auf die Spinne fallen können.

Klima und Beleuchtung

Bewährt ist ein überwiegend trockener, gut durchlüfteter Bereich um 22–26 °C, nachts darf die Temperatur etwas sinken. Kurzzeitig etwas wärmere Tageswerte werden vertragen, direkte Mittagssonne hinter Glas kann das kleine Terrarium jedoch innerhalb kurzer Zeit gefährlich überhitzen. Eine leistungsfähige Quer- oder Doppelbelüftung ist wichtiger als das Erreichen eines festen Luftfeuchtewertes. Das Substrat sollte nicht dauerhaft befeuchtet und das Gespinst nicht regelmäßig besprüht werden. Gelegentlich können wenige kleine Trinktropfen an einer gut erreichbaren Seitenwand angeboten werden; danach muss der Behälter rasch abtrocknen. Staunässe und feuchtwarme, stehende Luft fördern Schimmel im dichten Seidennest.

Fütterung und Wasserversorgung

Geeignet sind lebende Futterinsekten, deren Körpergröße auf die Spinne abgestimmt ist, beispielsweise Fliegen, kleine Grillen, Schaben oder Heuschrecken. Flugaktive Beute löst im flächigen Fanggespinst besonders gut natürliche Jagdreaktionen aus. Meist genügt bei gut genährten größeren Tieren eine Fütterung alle sieben bis zehn Tage; Jungtiere erhalten entsprechend kleinere Beute in kürzeren Abständen. Entscheidend ist der Ernährungszustand des Hinterleibs, nicht ein starrer Kalender. Nicht angenommene Futtertiere und Beutereste sollten vorsichtig entfernt werden, ohne den Rückzug unnötig zu zerstören. Während einer Häutungspause darf keine wehrhafte Lebendbeute im Terrarium verbleiben.

Häutung

Vor einer Häutung kann sich Stegodyphus lineatus länger zurückziehen, den Eingang dichter verspinnen und Futter verweigern. In dieser Zeit sollte das Gespinst vollständig ungestört bleiben. Futtertiere sind zu entfernen, da die frisch gehäutete Spinne weich und kaum verteidigungsfähig ist. Nach der Häutung wird erst wieder gefüttert, wenn Körper und Kieferklauen sichtbar ausgehärtet sind. Eine dauerhaft erhöhte Feuchtigkeit ist für diese trocken lebende Art nicht erforderlich und kann dem dicht gebauten Rückzug schaden. Weibchen erreichen die Reife nach ungefähr neun Häutungen, Männchen nach sieben bis neun; auch adulte Weibchen können sich weiter häuten.

Einzelhaltung und sicherer Umgang

Die Art ist ein Beobachtungstier und sollte nicht auf die Hand genommen werden. Beim Öffnen des Terrariums bleibt sie häufig im Rückzug, kann bei Störung aber überraschend zügig über Gespinst und Zweige laufen. Umsetzen gelingt am sichersten mit einem Fangbecher und einem weichen Pinsel, niemals durch Greifen mit den Fingern. Arbeiten sollten langsam und möglichst außerhalb des Hauptgespinsts erfolgen. Neben dem möglichen Giftbiss spricht auch die Verletzungsgefahr durch Sturz oder Einklemmen gegen direkte Handhabung.

Geschlechtsunterschiede

Weibchen sind meist kräftiger gebaut und erreichen nach seriösen Artangaben etwa 10–23 mm Körperlänge. Männchen bleiben mit ungefähr 8–15 mm häufig kleiner und wirken ausgewachsen schlanker sowie langbeiniger. Reife Männchen sind an den verdickten Pedipalpen zu erkennen. Die Grundfärbung ist variabel; bei Männchen können die dunklen Zeichnungselemente auf dem Hinterleib breiter erscheinen. Eine sichere Geschlechtsbestimmung sehr junger Tiere allein anhand von Farbe oder Körperform ist nicht zuverlässig.

Fortpflanzung

Die Nachzucht erfordert eine kontrollierte Verpaarung einzeln gepflegter adulter Tiere. Das Männchen wird nicht dauerhaft beim Weibchen belassen, da Begegnungen aggressiv enden können. Nach erfolgreicher Paarung fertigt das Weibchen einen Eikokon und bewacht ihn im Rückzug. Die Jungtiere werden nach dem Schlupf zunächst durch hochgewürgte Nährflüssigkeit versorgt. Am Ende dieser außergewöhnlich intensiven Brutpflege kommt es zur Matriphagie: Der Nachwuchs frisst das Muttertier. Die Jungspinnen bleiben anfangs gemeinsam im Nest, müssen mit zunehmender Entwicklung und Ausbreitungsneigung jedoch sorgfältig beobachtet und rechtzeitig in geeignete Aufzuchtbehälter überführt werden.

Größe und Lebenserwartung

Die belegte Körperlänge liegt bei Weibchen zwischen 10 und 23 mm und bei Männchen zwischen 8 und 15 mm. Angaben können je nach Population, Ernährungszustand und Messmethode deutlich schwanken. Eine einheitlich dokumentierte artspezifische Beinspannweite liegt nicht vor; bei großen Weibchen ist grob mit etwa 4–5 cm zu rechnen. Die Beinspannweite ist deshalb nur als vorsichtiger Orientierungswert zu verstehen, während die Körperlänge taxonomisch besser abgesichert ist.

Gift, Brennhaare und Sicherheit

Bei Bedrohung zieht sich die Spinne bevorzugt in ihr dichtes Gespinst zurück. Wird sie eingeengt, festgehalten oder gequetscht, kann sie mit den Kieferklauen beißen und dabei Gift abgeben. Belastbare klinische Daten zur Wirkung eines Bisses dieser Art beim Menschen sind begrenzt, weshalb der Biss weder dramatisiert noch als harmlos eingestuft werden sollte. Kontakt ist zu vermeiden; nach einem Biss sind die Stelle zu reinigen und ungewöhnlich starke oder anhaltende Beschwerden medizinisch abzuklären. Stegodyphus lineatus besitzt keine Brennhaare wie viele Vogelspinnen.

Nice-to-Know

Die seidig behaarte Oberfläche und die dunklen Längszeichnungen erklären den gebräuchlichen Handelsnamen Gestreifte Samtspinne. Besonders auffällig ist ihre Netzarchitektur: Statt eines Radnetzes entsteht ein dichter, mit Pflanzenmaterial verkleideter Wohnrückzug, vor dem mehrere cribellate Fangflächen aufgespannt werden. Die feinen Fangfäden wirken ohne klassische Leimtröpfchen. Ebenso außergewöhnlich ist die subsociale Jugendphase mit intensiver mütterlicher Versorgung, obwohl erwachsene Tiere überwiegend allein leben.

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