Weißbeiniger Vietnam-Riesenfüßer, Alienostreptus bicoloripes
Weißbeiniger Vietnam-Riesenfüßer, Alienostreptus bicoloripes
| Deutscher Name: | Weißbeiniger Vietnam-Riesenfüßer |
| Wissenschaftlich: | Alienostreptus bicoloripes |
| Synonyme: | Zweifarbiger Vietnam-Riesenfüßer, Vietnamesischer Riesenfüßer |
| Herkunft: | Zentralvietnam, Provinzen Gia Lai und Kon Tum; Handelsform mit weißen Beinen bestimmungsbedürftig |
| Lebensweise: | Bodenbewohnender Streu- und Totholzzersetzer; Adulte teils tag- und nachtaktiv |
| Gruppenhaltung: | Verträglichkeit wenig dokumentiert; Gruppenhaltung nur mit viel Raum und Futter |
| Mindestgröße des Terrariums: | Für eine kleine Gruppe etwa 80 × 40 × 50 cm, mindestens 20 cm Substrat |
| Temperatur und Luftfeuchtigkeit: | Etwa 22–26 °C, hohe Luftfeuchte und ein gut belüftetes Feuchtegefälle |
| Bodengrund und Substrattiefe: | Tiefer Laubhumus mit reichlich Futterlaub und weißfaulem Laubholz |
| Futter: | Zersetztes Laub, Weißholz und Humus; Pilze sowie wenig Gemüse und Obst |
| Kalziumversorgung: | Sepiaschale oder reinen Futterkalk ständig zugänglich anbieten |
| Häutung: | Geschützt im Substrat; währenddessen nicht ausgraben oder umsetzen |
| Fortpflanzung: | Im Terrarium kaum dokumentiert; artspezifische Nachzuchtdaten fehlen |
| Maximale Größe: | Dokumentierte Adulte erreichen 16–18 cm; Weibchen sind kräftiger |
| Wehrsekrete und Vorsichtsmaßnahmen: | Einrollen und feste Körperhülle; mögliche Wehrsekrete nicht an Schleimhäute bringen |
Herkunft und Lebensraum von Weißbeiniger Vietnam-Riesenfüßer (Alienostreptus bicoloripes)
Alienostreptus bicoloripes ist bislang aus dem zentralen Vietnam bekannt. Gesicherte Nachweise stammen aus den Provinzen Gia Lai und Kon Tum, darunter das Naturschutzgebiet Kon Chu Rang und das geschützte Waldgebiet Kon Plong. Die Fundorte liegen ungefähr 500 bis 1.200 Meter über dem Meeresspiegel. Dort bewohnt die Art tropische Mischwälder mit Laubbäumen, Baumfarnen und einer mächtigen Streuschicht. Erwachsene Tiere wurden sowohl in feuchten Tallagen als auch an trockeneren Bergrücken beobachtet. Sie liefen tagsüber und nachts über die Bodenstreu; einzelne Exemplare fraßen Pilze. Jungtiere lebten deutlich verborgener in sehr nassen Laubansammlungen an Bächen, zwischen Steinen und in Mulden vermodernder Stämme. Diese Beobachtungen sprechen für ein strukturreiches Terrarium mit feuchten und etwas weniger feuchten Bereichen, nicht jedoch für einen vollständig vernässten Boden. Besondere Vorsicht verdient der Zusatz „weiße Beine“: Wissenschaftlich beschriebene adulte A. bicoloripes besitzen einen fast schwarzen Körper sowie zweifarbige Beine mit braunorangefarbener Basis und blassgelben Endgliedern. Rein weißbeinige Handelstiere können daher eine abweichende Farbform darstellen, sind möglicherweise aber auch falsch bestimmt. Ohne fachkundige Untersuchung adulter Tiere lässt sich ihre Identität nicht sicher bestätigen.
Lebensweise und Gruppenhaltung
Die Art nutzt vor allem die Laubschicht und den obersten Bodenbereich. Erwachsene Tiere können sowohl am Tag als auch nachts sichtbar werden, während jüngere Entwicklungsstadien stärker verborgen leben. Längere Aufenthalte im Substrat gehören deshalb zum natürlichen Verhalten und sind kein Grund zum Ausgraben. Korkrinde, lockere Laubhaufen und morsches Laubholz schaffen geschützte Lauf- und Ruhebereiche. Für mehrere Artgenossen muss das Becken großzügig bemessen und überall mit Nahrungssubstrat ausgestattet sein. Belastbare Untersuchungen zum Sozialverhalten oder zur Vergesellschaftung mit anderen Arten fehlen; eine reine Artengruppe ist daher die übersichtlichere und sicherere Wahl.
Terrarium
Für eine kleine Gruppe adulter Tiere ist ein Terrarium von ungefähr 80 × 40 × 50 cm eine praxisnahe Untergrenze. Wichtiger als zusätzliche Höhe ist eine große Bodenfläche mit mindestens 20 cm tiefem, grabfähigem Substrat. Die Bodenschicht sollte den Tieren erlauben, vollständig abzutauchen und stabile Häutungskammern anzulegen. Schwere Einrichtungsstücke werden standsicher direkt auf dem Beckenboden platziert, damit untergrabene Rinde oder Holzstücke nicht absacken. Ein dicht schließender Deckel verhindert Ausbrüche, während ausreichend große Lüftungsflächen Stauluft und Schimmelbildung begrenzen. Flache Korkstücke, Laubhaufen und weiches, morsches Holz bieten weitere Verstecke.
Nahrhafter Bodengrund und Substrattiefe
Das Substrat ist bei Tausendfüßern zugleich Lebensraum und Hauptnahrung. Geeignet ist eine tiefe Mischung aus ungedüngter, schadstofffreier Laubwalderde, stark zersetztem Laub und reichlich weißfaulem Holz von geeigneten Laubbäumen. Eine dicke Auflage aus trockenem und angerottetem Futterlaub wird regelmäßig ergänzt. Nadelholz, frisches harzhaltiges Holz, Kokoshumus als alleiniger Bodengrund sowie gedüngte Blumen- oder Gartenerde sind ungeeignet. Das Gemisch soll locker bleiben und Feuchtigkeit speichern, ohne schlammig oder sauerstoffarm zu werden. Nur Teilbereiche vorsichtig erneuern, damit stets genügend eingearbeitetes Nahrungsmaterial und eine stabile Bodenstruktur erhalten bleiben.
Klima und Beleuchtung
Als vorsichtiger Haltungsbereich eignen sich etwa 22–26 °C. Eine starke, punktuelle Bodenheizung ist zu vermeiden, weil eingegrabene Tiere dadurch überhitzen oder austrocknen können. Das Substrat wird überwiegend mäßig feucht gehalten, erhält aber ein deutliches Gefälle von feuchteren zu weniger feuchten Zonen. Eine relative Luftfeuchte von ungefähr 75–90 % kann als Orientierung dienen; entscheidender ist ein innen feuchtes, niemals sumpfiges Substrat bei gleichzeitigem Luftaustausch. Die Oberfläche darf stellenweise leicht abtrocknen. Kondenswasser, muffiger Geruch oder dauerhaft nasse Bodenbereiche weisen auf zu viel Wasser oder zu geringe Belüftung hin.
Fütterung und Kalziumversorgung
Die Nahrungsgrundlage besteht aus bereits zersetztem Laub, weißfaulem Laubholz und humosen Substratbestandteilen. Diese Materialien müssen ständig und nicht nur als gelegentliche Beigabe vorhanden sein. Pilze gehören ebenfalls zum natürlichen Nahrungsspektrum und wurden bei freilebenden Adulten beobachtet. Ergänzend können kleine Mengen Zucchini, Kürbis, Karotte, Süßkartoffel oder wenig Obst angeboten werden. Frischfutterreste werden entfernt, bevor sie stark gären oder von Milben und Fliegen besiedelt werden. Gespritzte, gewürzte, gesalzene oder schimmelige Lebensmittel sind ungeeignet. Ergänzungsfutter ersetzt niemals das nahrhafte Laub-Weißholz-Substrat.
Häutung im Substrat
Zur Häutung ziehen sich die Tiere tief in den Boden zurück und legen eine geschützte Kammer an. Dort wird die alte Körperhülle abgestreift, während der neue Panzer zunächst weich und besonders verletzlich ist. Ein über längere Zeit verschwundenes Tier darf deshalb weder gesucht noch ausgegraben werden. Während dieser Phase werden Bodengrund, Dekoration und Feuchtigkeit möglichst wenig verändert. Das Substrat muss formstabil, locker und in tieferen Schichten feucht bleiben. Eine Kalziumquelle wie Sepiaschale oder reiner Futterkalk sollte ständig erreichbar sein. Abgestreifte Panzerreste können gefressen werden und dürfen im Becken verbleiben.
Fortpflanzung
Zur Fortpflanzung von Alienostreptus bicoloripes unter Terrarienbedingungen liegen keine ausreichend belastbaren und wiederholbaren Nachzuchtberichte vor. Aus Freilandbeobachtungen wurde ein mindestens dreijähriger Lebenszyklus abgeleitet: ungefähr zwei Jahre Entwicklung und wenigstens ein weiteres Jahr als adultes Tier. Das ist jedoch keine verlässliche Zuchtanleitung. Für einen Nachzuchtversuch sind sicher bestimmte, geschlechtsreife Tiere beider Geschlechter, sehr tiefes Nahrungssubstrat und möglichst stabile Klimabedingungen erforderlich. Der Boden darf nicht nach Eiern oder Jungtieren durchsucht werden. Junge Tiere leben besonders verborgen und benötigen feines, stark zersetztes Laub sowie weißfaules Holz unmittelbar im Substrat.
Endgröße und Lebenserwartung
Wissenschaftlich vermessene Männchen erreichten 16–17 cm Körperlänge bei rund 10,3–10,5 mm Breite. Weibchen wurden mit 16–18 cm ähnlich lang, waren mit etwa 13,4–13,9 mm jedoch deutlich kräftiger. Erheblich größere, unter diesem Namen angebotene Tiere sollten taxonomisch überprüft werden, da im Handel ähnliche Riesentausendfüßer wiederholt verwechselt werden. Für die Art wurde anhand verschiedener Altersstadien ein mindestens dreijähriger Lebenszyklus vermutet. Zur Lebenserwartung liegen keine verlässlichen Angaben vor.
Wehrsekrete und Sicherheit
Bei Störung kann sich der Tausendfüßer eng einrollen; außerdem besitzt er eine auffallend feste Körperhülle. Wissenschaftlich beobachtete Tiere gaben ihr Wehrsekret nur widerwillig ab, dennoch ist eine Absonderung bei starkem Stress möglich. Direkter Kontakt mit Augen, Mund, Schleimhäuten oder verletzter Haut muss vermieden werden. Nach jeder Berührung werden die Hände gründlich gewaschen. Am besten lässt man das Tier selbstständig auf eine Hand oder in eine Transportdose laufen, statt es festzuhalten. Stürze können trotz des festen Panzers schwere innere Verletzungen verursachen. Kinder und Haustiere sollten keinen unbeaufsichtigten Zugang zum Terrarium haben.
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